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26.08.2015

Chris Cornell, Higher Truth, 2015

Chris Cornell ist eine lebende Musiker-Ikone jenseits der Genre-Grenzen. Er war in den 1990er-Jahren der wichtigste Initiator der Grunge-Bewegung und gilt bis heute als einer der größten Rocksänger aller Zeiten. Mit drei legendären Bands hat er weltweit über 30 Millionen Alben verkauft. Parallel hat er sich in den letzten drei Jahrzehnten als Solokünstler, Singer-Songwriter, Gitarrist, Komponist und Lyriker einen einzigartigen Ruf aufgebaut.

Cornells Karriere begann mit Soundgarden, den Vorreitern der Grunge-Szene in Seattle, deren wilde Klanglandschaften die rohe Attitüde des Punks mit künstlerischer Tiefe verbanden. Soundgarden waren 1989 die erste Seattler Band ihrer Generation, die bei einem Major-Label unterschrieb – ihre Arbeit dauert über sieben unnachahmliche Alben hinaus bis heute an. 2010 machten sie mit ihrer Rückkehr auf die Bühne Geschichte und sind seitdem weltweit auf Tour gewesen, ihr letztes Studio-Album "King Animal" schlug vor drei Jahren hohe Wellen.

Immer wieder hat Cornell seinen Sound und seine künstlerische Vision neu definiert. 1990 experimentierte er in seinem Seitenprojekt Temple of the Dog, an der Seite der zukünftigen Mitglieder von Pearl Jam, mit etwas souligeren Spielarten. Zum Ende des Jahrzehnts verband er auf seinem von der Musikpresse gepriesenem Solo-Debütalbum "Euphoria Morning" samtene Melodien und Instrumentierung mit Lyrics, in denen es um Entfremdung und Verzweiflung ging, "Euphoria Morning" wurde 2015 neu veröffentlicht.

Zur Jahrtausendwende gründete Cornell mit drei weiteren musikalischen Pionieren von Rage Against The Machine die Supergruppe Audioslave. Die Platinprämierte Band veröffentlichte drei Alben und tourte Stadien auf der ganzen Welt, insbesondere waren Audioslave die erste amerikanische Rockband, die in Kuba unter Castro ein phänomenales Gratis-Konzert gab. Nebenbei hat Cornell mit den unterschiedlichsten Künstlern kollaboriert, jüngst mit der Zac Brown Band auf der Single "Heavy Is The Head", die Platz 1 der US-amerikanischen Rock-Radio-Charts erreichte.

Seine Soundtrack-Arbeiten schließen Riesenbudget-Produktionen, unabhängiges Kino, verschiedene renommierte TV-Produktionen und Videospiele ein. Cornell war der erste männliche amerikanische Künstler, der einen Song für die James-Bond 007-Filmreihe komponierte und einspielte. Dabei heraus kam "You Know My Name" für Casino Royale. Mit Soundgarden schrieb er mit "Live To Rise" den Abspanntitel des dritterfolgreichsten Films aller Zeiten: The Avengers. Joy Williams sang mit ihm im Duett, auf seinem Song "Misery Chain", aus dem mit einem Oscar prämierten 12 Years A Slave . Sein Song "The Keeper" aus Marc Forsters Machine Gun Preacher wurde 2012 für einen Golden Globe nominiert.

Als menschenfreundlicher Aktivist nutzt Cornell seine Musik, um verschiedene Projekte zu unterstützen. Die Chris and Vicky Cornell Foundation sammelt momentan Spenden und kooperiert mit Wohltätigkeitsorganisationen, um Kindern zu helfen, die unter Obdachlosigkeit und Armut, Misshandlung und Vernachlässigung leiden.

Entschlossen dazu, erneut seine Wurzeln als Songwriter und Sänger zu finden, ging Cornell 2009 auf eine internationale akustische Solo-Tournee, die weltweit von den Medien bejubelt wurde. Diese Konzerte bestanden aus abgespeckten Versionen von Songs seiner gesamten Karriere. Das enorme Presse-Echo und die ausverkauften Hallen inspirierten Cornell und gaben ihm den Impuls dazu, die auf kühne Weise innige Musik seines neuen Albums "Higher Truth" zu komponieren. "Ich wollte für die vielen Menschen, die mich so auf meiner akustischen Tour unterstützt haben, etwas Neues fertigbringen... das Album ist quasi ein Liebesbrief an sie."

Bekannt dafür, seine vier Oktaven umspannende Stimme zu Donnerlautstärke anschwellen zu lassen, ruft Cornell auf "Higher Truth", seinem bahnbrechenden fünften Solo-Album, einen sanften Sommerregen herbei – und mehr. Mit der folkigen Schönheit und schwärmerischen Melancholie seines akustischen Song-Zyklus zeigt er eine ganz neue Seite seiner Kunst – sie steht seinem gewaltigen Stimmumfang in nichts nach.

Inspiriert von den schlichten Arrangements Nick Drakes, Daniel Johnstons und der Beatles in ihrer White-Album-Periode, verlässt Cornell den von ihm zuvor betretenen Pfad und kreiert ein ungeahnt neues musikalisches Universum. Songs wie das sagenhaft eingängige "Dead Wishes" und das Mandolin-lastige "Nearly Forgot My Broken Heart" gleiten in melodischer Pracht vorbei, ihre geschmackvollen Arrangements enthüllen eine neue Raffinesse.

"In den letzten Jahren habe ich mich vielen ganz verschiedenen Kollaborationen mit anderen Künstlern geöffnet, die mir viel Spaß gemacht haben und bei denen ich viel gelernt habe", sagt Cornell. "Gleichzeitig entstand irgendwann in dieser Phase bei mir das Gefühl, dass es wirklich erfrischend wäre, wenn ich versuchte, etwas zu machen, das zu 100% mein eigenes Werk- und nicht von den Erwartungen anderer beeinflusst wäre. Higher Truth habe komplett nur ich zur Welt gebracht. Der Albumtitel könnte anmaßend klingen, aber ich finde, dass die Idee einer höheren Wahrheit ganz geerdet ist."

"Ich dachte oft an einen Moment, in dem eines meiner kleinen Kinder mich von unten anschaute, während ich über ihm kniete und mit einem Schlüssel herumklimperte, und ich mich da schlagartig an die Schönheit des Lebens erinnerte. In seinem Blick gab es keine Bestechlichkeit oder Eingebildetheit oder Selbstwahrnehmung. Das bedeutet der Begriff Higher Truth für mich: diesen ganz natürlichen Zustand. Und ich empfand, dass die neuen Songs so sind."

Auch wenn seine Solo-Tour der Zündfunke war, so liegen die Wurzeln von Higher Truth sehr viel tiefer, in den späten Neunzigern, als die Country-Legende Johnny Cash den epischen Song "Rusty Cage" von Cornell coverte, ursprünglich für Soundgarden geschrieben. "Ich bekam plötzlich viele Anrufe von Leuten, die mich zu dem Songtext beglückwünschten, sie sagten, er wäre einfach großartig", so Cornell. "Das war einige Jahre, nachdem wir ihn mit Soundgarden aufgenommen hatten. Damals sagte mir niemand, dass der Text so großartig sei. Ich kratzte mich am Kopf, entschied aber, dass es nicht nur an der Darbietung lag, sondern auch am Kontext."

"Eine entgegen gesetzte Erfahrung machte ich, als ich Michael Jacksons Billie Jean für mich umarrangierte und es auf meiner akustischen Tour spielte", erzählt Cornell weiter. "Die Leute sagten mir, sie hätten nicht bemerkt, wie heftig und dramatisch dieser Text war, bevor sie meine Version gehört hatten. Diese beiden Erlebnisse blieben bei mir hängen. Sie offenbarten mir, dass es noch ein weiteres Element des Singens und Songschreibens gab, das sehr mächtig und von daher lohnend zu untersuchen war. Mir wurde auch klar, dass meine Stimme etwas sehr Inniges hat, das hatte ich bisher kaum erforscht – schon gar nicht im Studio. Ein Album um diese Aspekte herum zu schreiben, wurde dann zum Grundgedanken des Projekts."

Um es persönlich zu halten, verzichtete Cornell auf eine Band und warb dafür den Produzenten und Multi-Instrumentalisten Brendan O´Brian (Neil Young, Pearl Jam) an, mit dem er gemeinsam den Großteil des neuen Albums einspielte. Die minimalistischen, indes sublimen Arrangements beschreibt er als "das, was das Bauchgefühl als gerade noch für nötig befand". Seine akustische Gitarre steht im Mittelpunkt. Geschmackvolle Farbtupfer von Streichern, Bläsern und elektrischen Instrumenten machen das Abenteuer lebendig und fesselnd.

"Ich stellte mir selbst mit Higher Truth eine Bedingung", sagt Cornell. "Sie bestand darin, dass diese Songs von Anfang bis Ende abwechslungsreich und zwingend sein sollten, mit dem kleinstmöglichen technischen Aufwand. Es gab keinen Weg, etwas vorzutäuschen."


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