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12.03.2008

Christa Ludwig - Simply the best ...

Christa Ludwig, Christa Ludwig - Simply the best ...

Als Christa Ludwig im Januar von der Musikmesse Midem in Cannes für ihr Lebenswerk geehrt wurde, präsentierte sie sich als ungemein agile Fast-Achtzigjährige, die selbstbewusster denn je aus dem Nähkästchen des klassischen Musikbetriebs plauderte. Am 16. März nun feiert sie wirklich ihren Geburtstag und aus diesem Anlass hat ihre langjährige Plattenfirma Deutsche Grammophon unter dem Titel "Christa Ludwig - Meine Dirigenten" ein musikalisches Dossier auf drei CDs zusammengestellt, das sie nicht nur als großartige und ungemein wandlungsfähige Sängerin, sondern in kurzen Gesprächen mit dem Musikjournalisten Thomas Voigt auch als charmant temperamentvolle Zeitzeugin präsentiert, die so manches Vorurteil im Hinblick auf die Maestros Bernstein, Böhm und Karajan zurecht rückt.

Dirigenten haben es nicht leicht. Schnell hängen ihnen, den Meistern an der Spitze des Orchester im Mittelpunkt der Öffentlichkeit, Mythen und Gerüchte an. Von Herbert von Karajan beispielsweise hieß es, er sei ein Patriarch gewesen, der keinen Widerspruch erlaubte, und der mit seiner Strenge so manchen Sänger verbraucht habe.

Christa Ludwig jedoch weiß da ganz andere Geschichten zu berichten: "Ich habe Karajan ja wirklich Schwierigkeiten gemacht, wie ich ihm die Brünhilde und die Isolde absagte, das Ganze ziemlich kurz vorher. Die Siegfried-Brünhilde zum Beispiel. Ich habe die Rolle ja gelernt und gesungen mit dem Korrepititor in New York. Natürlich, ich konnte sie singen, aber ich weiß nicht, ob ich die letzten Proben ausgehalten hätte. Und dann bin ich zum Karajan hingegangen und hab ihm das erklärt und gesagt: Ich glaube nicht, das ich es durchhalte und schaffen kann. Und im Gegenteil zu dem, was andere Sänger sagen, man durfte ihm nie etwas absagen, dann sei er ewig böse - das stimmt nicht. Er meinte zu mir: 'Wissen sie Christa, sie sind wie eine Katze. Einem Hund befielt man: Spring zum Fenster raus! Und er tut es. Eine Katze schaut erst, ob sie das auch kann'. Ich muss sagen, er war so nett, der Karajan, und diese Mär, dass er Stimmen kaputt gemacht habe, ist falsch. Es kommt immer auf den Sänger an."

Christa Ludwig aber konnte niemand wirklich gram sein, weder Böhm noch Bernstein noch Karajan. "Wer nicht an sich glaubt, kann niemals frei werden", lautet ihr Credo und das bedeutete für sie als Künstlerin, den Blick für die Realitäten des Business nicht zu verlieren. Als Stammgast auf den Bühnen von Bayreuth und Salzburg, von New York und Paris, hat sie sich ihren Namen als eine der größten Mozart- und Strauss-Interpretinnen ihrer Generation gemacht. Ihre Persönlichkeit, ihre Kunst, vor allem auch ihre immense, in jedem Ton, den sie sang, spürbare Musikalität, machte die gebürtige Berlinerin zu einem Star und der bevorzugten Wahl zahlreicher großer Inszenierungen von "Tristan und Isolde" in Bayreuth bis hin zur sensationellen Marschallin 1968 im "Rosenkavalier" an der Met, so dass Bernstein mit Blick auf deren Kunst meinte: "She is simply the best, and the best of all possible human beings."

Die Hommage "Christa Ludwig - Meine Dirgenten" gibt nun einen kleinen Einblick in das opulente Oeuvre, das von der Sängerin, die sich 1994 von der aktiven Bühnenlaufbahn verabschiedete, in den Archiven der Deutschen Grammophon vorliegt. Mit Karl Böhm stimmt sie Mozart, Strauss und Wagner an, mit Herbert von Karajan Mahler, Verdi, Puccini und Strauss, mit Bernstein schließlich Mahler und Arien des Dirigenten selbst, der vor allem von ihren Partien in "Candide" hin und weg war. Das alles ergibt ein Zeitbild zum einen, ein großartiges musikalisches Panoptikum auf der anderen Seite, das darüber hinaus durch kurze Gesprächssequenzen am Ende der jeweiligen CD-Seiten informativ und mit einer Prise Humor ausgeleitet wird.


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