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22.06.2012

Christian Scott - Das Jazzausnahmetalent des 21. Jahrhunderts

Mit dem Doppelalbum “Christian aTunde Adjuah “ hat der gefeierte Trompeter Christian Scott ein seltenes Meisterwerk geschaffen, auf dem er mit seiner Band den Jazz in verschiedenste Richtungen ausdehnt. So wie es einst Miles Davis tat!

Christian Scott, Das Jazzausnahmetalent des 21. Jahrhunderts © Kiel Adrian

Woran erkennt man ein musikalisches Ausnahmetalent? An den Verkaufszahlen seiner Alben, herausragenden Chartspositionen und eingestrichenen Ehrungen? An der Anzahl der Schlagzeilen und Titelstorys, die es in der Fach- und Tagespresse geriert? Oder vielleicht an der künstlerischen Freiheit, die ihm seine Plattenfirma gewährt? Vor allem wenn letzteres das Kriterium wäre, dann besteht kein Zweifel daran, dass der junge Trompeter Christian Scott eines der größten Ausnahmetalente ist, die der Jazz im 21. Jahrhundert hervorgebracht hat. Und auf seinem neuen Doppelalbum “Christian aTunde Adjuah” unterstreicht er dies in atemberaubender Weise. Davon kann man sich auch am 13. Juli im Weingut Reichsrat von Buhl überzeugen, wenn Scott dort mit seinem Quintett im Rahmen des Palatia Jazz Festivals auftritt. Es ist diesen Sommer sein einziges Gastspiel in Deutschland!

Ein Visionär, der keine Arztbesuche braucht

Seit er 2006 sein erstes Album bei Concord Music vorlegte und gleich für einen Grammy nominiert wurde, ragt Scott weit aus der Schar talentierter junger Jazzmusiker hervor, die ihre künstlerische Vision über die Grenzen der Tradition des Genres hinausschweifen lassen. “Wer Visionen hat”, meinte der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt einst spitz, “soll zum Arzt gehen.” Christian Scott ist diesem Rat glücklicherweise nicht gefolgt. Er geht mit seinen Visionen stattdessen ins Aufnahmestudio, um diese dort in neue Musik zu kanalisieren. Und mit jedem neuen Album hat der Trompeter und Komponist so neue Maßstäbe gesetzt.

Das Konzept von Christian Scotts “stretch music”

Die Kritik überschlug sich vor Begeisterung, obwohl sie seine Musik nicht den üblichen Schubladen zuordnen konnte. Scott selbst bezeichnet sie als “stretch music” (gedehnte Musik). Er knüpft mit ihr dort an, wo er auf seinem 2010er Album “Yesterday You Said Tomorrow” aufhörte. In seinen Linernotes berichtet er von Leuten, die seinen Ansatz als “gedehnt” bezeichnen und merkt an: “Es stimmt: Wir versuchen die rhythmischen, melodischen und harmonischen Konventionen des Jazz zu dehnen - und nicht sie zu ersetzen -, um so viele musikalische Formen/Sprachen/Kulturen wie möglich zu umfassen. Meine Grundüberzeugung ist, dass dass keine Ausdrucksform mehr Gültigkeit besitzt als irgendeine andere. Dieser Glaube hat mich veranlasst, einen Sound kreieren zu wollen, der bei der Akkulturation von anderen musikalischen Formen, Strukturen, Konventionen und Prozessen genreblind ist.”

Balladen, Soundscapes und absolut ekstatische Nummern mit Rock- und Funk-Einschlag

Was man darunter genau zu verstehen hat, zeigt er auf dem atemberaubenden Doppelalbum “Christian aTunde Adjuah”. Es bietet nachdenkliche Balladen und Exkurse durch schwerelos-träumerische Soundscapes, aber auch betont rockige, Funk-infizierte und absolut ekstatische Nummern. Seine Trompete ist dabei fast immer das pulsierende Herz der Musik. Zu seiner regulären Band mit Gitarrist Matthew Stevens, Schlagzeuger Jamire Williams, Bassist Kristopher Keith Funn und dem neuen Pianisten Lawrence Fields gesellen sich als Gäste u.a. Tenorsaxophonist Kenneth Whalum III (bekannt durch Aufnahmen mit Joss Stone und Jay-Z), Altsaxophonist Louis Fouche III und Posaunist Corey King.

Das Album als Botschaft an jüngere Kollegen

“Christian aTunde Adjuah “ ist seltenes Meisterwerk, auf dem Christian Scott und seine Band den Jazz in verschiedenste Richtungen ausdehnen. “Ich hoffe, dass die Musik auch jüngere Leute anspricht und sie meine Botschaft verstehen: dass Innovation bei der künstlerischen Ausübung nie als Problem betrachtet werden sollte, dass man sich immer dessen bewusst sein sollte, was vor einem da war, und schließlich dass man sich von Kritik nicht lähmen, sondern zu Aktion inspirieren lassen sollte.”


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