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Christian Thielemann BACKSTAGE EXCLUSIV

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08.08.2003

Heldenleben ohne Schatten

Christian Thielemann, Heldenleben ohne Schatten

Ein solcher Doppel-Strauss hat es in sich - das hat sich schon früher gezeigt. Diesmal hat Christian Thielemann das "Heldenleben" des Meisters von Garmisch mit der Fantasie aus der "Frau ohne Schatten" kombiniert. Christian Thielemann als Strauss-Dirigent anzupreisen, hieße wahrlich musikalische Eulen, pardon. Mozartkugeln, nach Wien zu tragen. Als Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper Berlin hat er gerade mit der "Frau ohne Schatten", mit einer lyrisch-verführerischen "Daphne" oder der konzertanten Aufführung der "Ägyptischen Helena" immer wieder seine Vorliebe für spätromantische Rauschzustände ausgespielt.

Darüber hinaus ist der mittlerweile 42-Jährige mit den Wiener Philharmonikern, die seit Jahr und Tag mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden um den Titel des kompetentesten Strauss-Orchesters streiten dürfen, eine Verbindung eingegangen, die bereits die allerschönsten musikalischen Früchte getragen hat.  Auch die neue CD wurde im September 2002 im Wiener Musikvereinssaal live mitgeschnitten - und verbindet somit die knisternde Spannung des Konzerts mit der unnachahmlichen Eleganz des Wiener Tons, der wohl nur durch die staunenswerte Perfektion übertroffen wird, mit der die Holzbläser der Wiener Philharmoniker als "des Helden Widersacher" - keifend und blökend - zur Attacke auf den großartigen Künstler ansetzen. Oder sollte man doch lieber noch das Violin-Solo des Konzertmeisters Rainer Honeck erwähnen, dessen Süße den Zuhörer wider Willen mit der Schwatzhaftigkeit der Komponistengefährtin versöhnt?

 

Ganz andere Ehe-Töne schlägt die Symphonische Fantasie aus der "Frau ohne Schatten" an. Die höheren Sphären des Kaiserpaares hat Strauss hier beiseite gelassen; stattdessen steht das Färber-Ehepaar im Mittelpunkt. Und es ist die Solo-Posaune, die den warmherzigen Gesang des Färbers Barak anstimmt, der nahtlos in den C-Dur-Schlussjubel der Oper mündet. Christian Thielemann schafft es mit den Wiener Philharmonikern glanzvoll, die lange Oper vergessen zu machen. Und doch wiederum Neugier zu wecken auf ein musikalisches Meisterwerk, das eben auch eines meisterlichen Dirigenten bedarf, um in seiner ganzen Schönheit zu erblühen.


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