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31.05.2006

Christian Thielemann - Parsifal: Stringent, luzide

Christian Thielemann, Christian Thielemann - Parsifal: Stringent, luzide

Es war keine leichte Geburt. Mehr als ein Vierteljahrhundert lang näherte sich Richard Wagner dem mythischen Themenzusammenhang des "Parsifals", bis die Oper, nun eines seiner Spätwerke, am 26. Juli 1882 in Bayreuth uraufgeführt wurde. Es wurde auf diese Weise in vieler Hinsicht ein Konzentrat seiner künstlerischen und ästhetischen Ideen, das bis heute zum Schwierigsten gehört, was die Bühnengattung zu bieten hat. Es ist aber auch ein Werk, das in wunderbarer Pracht erblühen kann, wenn ein Dirigent und sein Team so ausgezeichnete Voraussetzungen haben wie Christian Thielemann im Juni 2005 an der Wiener Staatsoper.

Mit dem "Parsifal" hob Richard Wagner seine Opernkonzeption auf eine neue Ebene, die ihn aus der Romantik heraus in die Moderne führte. Der Dirigent und Komponist Pierre Boulez brachte diese Veränderung auf folgenden Nenner: "Dieses in beständigem Werden begriffene Material ist wahrscheinlich die persönlichste musikalische Erfindung Wagners - sie legt zum ersten Mal den Akzent auf die Unbeständigkeit, die Unbestimmtheit; das Material lässt ein deutliches Widerstreben gegen Fixierung erkennen, es verrät Abneigung, die musikalischen Ereignisse zu stabilisieren, solange sich ihre Entwicklungs- und Erneuerungsmöglichkeiten noch nicht erschöpft haben". Wagners Auseinandersetzung mit dem Stoff der Gralslegende, die ihm zum ersten Mal im Jahr 1845 während eines Marienbader Kuraufenthalts in Form der mittelalterlichen Vorlage Wolfram von Eschenbachs begegnete, durchlief dabei ähnlich dem musikalischen Material zahlreiche Metamorphosen, bis sie schließlich den quasi-religiösen Erweckungscharakter des endgültigen Librettos erreicht hatte.

 

Für den Komponisten war die Beziehung zum Numiosen durch die Kunst, die er in Form eines "Bühnenweihfestspiels" gewahrt wissen wollen, eindeutig. Parallel zur der eigentlichen Oper formulierte er in der Schrift "Religion und Kunst" das Credo, das hinter der Geschichte um Amfortas und Parsifal stand: "Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche die erstere im eigentlichen Sinne wahr geglaubt wissen will, ihren sinnbildlichen Werten nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen."


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