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10.04.2013

Christina Stürmer: "Ich hör auf mein Herz"

"Wann hast Du das letzte Mal Deine Freunde getroffen und nicht nur "angestuppst"?

"Wann hast Du das letzte Mal "Gefällt mir" gesagt und dabei keinen Button angeklickt?

Stellt man Menschen auf der Straße solche Fragen, folgt der ersten zurückhaltenden Pause meist eine Geschichte. Eine kurze Episode; ein kleiner Ausschnitt. Aus dem eigenen Leben. Woher man kommt, wohin man geht. Manche werden getrieben – andere treiben an. Immer knapper wird die Zeit, um wirklich durchzuatmen und zur Ruhe zu kommen. Das einstimmig unerreichte Ziel ist Entschleunigung.

Mit dem neuen Album "Ich hör auf mein Herz" trifft Christina Stürmer heutzutage also nicht nur den Nerv der Zeit, vielmehr umschreibt es Aufbruch und Sehnsucht zugleich. Die sympathische Österreicherin hat in dieser Aussage nicht nur ihr neues Lebensmotto gefunden, sondern dieses Thema direkt in ihre neuen Songs einfließen lassen. Eine Botschaft an Alle, die auf der Suche nach sich selbst sind. Eine Aufforderung, andere Menschen nicht nur zu sehen, sondern sie wahrzunehmen. Die Anonymität unserer Gesellschaft abzulegen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Das von Christian Neander (u.a. Selig, Niels Frevert, Pohlmann) und David Jürgens (u.a. Glasperlenspiel) produzierte Album zeigt die sensible und zugleich bodenständige Seite der selbstbewussten Künstlerin. Es transportiert die Gefühle einer jungen Frau, die mitreißen und zum Nachdenken anregen.

Die erste Single "Millionen Lichter" schafft es, musikalisch das Gefühl des inneren Aufbruchs zu verkörpern. Der Text unterstreicht nicht nur die eingängige Melodie, sondern regt vielmehr zum Um-, Mit- und Durchdenken an. "Millionen Lichter" beweist auf ein Neues, dass Christina Stürmer sich selbst, auch nach zehn Jahren im Musikgeschäft, treu geblieben ist. Das junge Mädchen ist zu einer selbstbewussten Frau herangewachsen, die mit beiden Beinen im Leben steht. Ganz wie früher versprühen Ihre Songs Charisma und Ausstrahlung und haben nichts mit einem von den Medien geformten Kunstobjekt gemeinsam.

Die junge Musikerin ist erwachsen geworden. Und mit ihr ihre Musik. Titel wie "Was machst Du wenn die Stadt schläft" oder "Wie viel wiegt ein Herzschlag" eröffnen dem Zuhörer neue Perspektiven und überraschende Sichtweisen auf alltägliche Dinge. Natürlich hat sich Christina Stürmer musikalisch weiter entwickelt – eine fast banal wirkende Anmerkung, wenn man bedenkt, dass unser gesamtes Leben eine fortlaufende Entwicklung ist. Das neue Album klingt frisch, neu, energiegeladen – doch gleichzeitig vertraut.

Spätestens mit "Selbe Wellenlänge" oder dem Titelsong des Albums "Ich hör auf mein Herz" wird auch der routinegelangweilte Musikmuffel zugeben müssen, dass man gute Musik nicht überhören kann. Die Österreicherin wechselt auf dem aktuellen Tonträger gekonnt zwischen Melancholie und großer Hoffnung, zwischen gefühlvollen Balladen und mitreißenden, kraftvollen Songs.

Mit ihrem mittlerweile achten Album beweist Christina Stürmer erneut, dass sie den Zuhörer mit ihrer Musik und den eingängigen Texten fesselt und fordert nicht umsonst dazu auf, dem eigenen Herzen zu folgen. Den Weg muss jeder selbst gehen. Vielleicht liefert "Ich hör auf mein Herz" den ersten Anstoß.


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