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Curtis Stigers BACKSTAGE EXCLUSIV

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07.02.2014

Biografiie 2014

Der Sänger, Saxophonist und Songwriter Curtis Stigers ist so etwas wie eine vom Aussterben bedrohte Spezies in der Musikindustrie: Er nimmt nur die Musik auf, die er selber liebt, hat ein Label hinter sich, das ihn unterstützt, und führt seit über zwanzig Jahren eine erfolgreiche Karriere, in deren Verlauf er geschickt zwischen verschiedenen Genres wechselte - von Pop und Jazz über Blues, Soul und Folk bis hin zu Americana und Country - und diese oft miteinander verschmolz.  Auf jedem Album, das er seit 2001 für Concord Records machte, verwischte Curtis Stigers ganz bewusst die Trennlinien zwischen diesen Stilen."Als ich meine ersten Jazzplatten aufnahm und darauf auch Songs von Elvis Costello und den Kinks interpretierte, reagierten die Leute geschockt", erinnert sich Stigers."Aber heute scheint das fast schon en vogue zu sein. Ich glaube, ich war einer derer, die in dieser Hinsicht für andere Jazzsänger den Weg bereitet haben."

Der 1965 in Hollywood geborene und in Boise/Idaho aufgewachsene Stigers entwickelte schon früh ein Faible für alle erdenklichen Arten von Musik. Mit acht Jahren erstand er sein erstes Album (Elton Johns"Goodbye Yellow Brick Road") und rief ständig beim lokalen Radiosender an, um Musikwünsche zu äußern."Ich liebte Plattenläden und das Radio. Damals konnte man in Popsendungen noch alles von Aretha Franklin und Al Green über Deep Purple und Led Zeppelin,  Joni Mitchell und Neil Young bis Willie Nelson und Waylon Jennings hören... sogar ein bisschen Jazziges von Spyro Gyra und Chuck Mangione. Als ich aufwuchs lernte ich alle möglichen Sorten von Musik kennen und lieben. Damals gab es noch nicht dieses strikte Formatradio."

Mit zehn Jahren begann Stigers Klarinette zu spielen, und wenig später Schlagzeug und Saxophon. Weil diese Instrumente im Jazz die größte Rolle spielten, zog ihn diese Musik besonders an. Zu seinem Glück boten ihm die Schulen in Boise ein großartiges Musikerziehungsprogramm mit Jazzbands und Jazzchören. Stigers machte davon Gebrauch und studierte während seiner Schulzeit eifrig Musik. In der Highschool nahm er an wöchentlichen Jamsessions mit dem bekannten Jazzpianisten Gene Harris teil, der sich in den späten 1970ern  in Boise niedergelassen hatte."Keiner von uns wusste, wie berühmt er war", erinnert sich Stigers."Jeden Dienstagabend veranstaltete er in einem lokalen Club eine offene Jamsession. Und durch das Zusammenspiel mit ihm lernte ich alles über Jazz und Blues. Dass ich mit einer Legende des Jazzpianos gespielt hatte, wurde mir erst bewusst, als ich nach New York ging."

Zu diesem Zeitpunkt war Curtis Stigers 21 Jahre alt. In New York trat er als Sänger und Saxophonist in Blues-Clubs auf und lernte auch, wie man Songs schreibt. Entdeckt wurde er von Clive Davis, dem Präsidenten und Gründer von Arista Records, aber erst ein paar Jahre später, als dieser ihn in einem Club mit seinem Jazztrio hörte. Obwohl das Ensemble im Grunde ein Jazztrio war, interpretierte es auch anderes Material."Wir spielten Stücke von Duke Ellington und Miles Davis genauso wie Songs von Steely Dan und Big Joe Turner, aber auch von mir selbst geschriebene Pop-/Soul-Nummern. Doch wir spielten alles im Jazztrio-Format. Schon damals machte es mir Spaß, eine großartige Pop- oder Rocknummer aufzugreifen, sie auseinanderzunehmen und im Jazzformat wieder zusammenzusetzen. Dasselbe hatten ja Jazzgrößen wie Miles Davis und Ella Fitzgerald auch mit Stücken aus Broadway-Musicals und Tin-Pan-Alley-Schlagern gemacht. Im Jazz ging es immer schon um Neuerfindung."

Doch Stigers titelloses Debütalbum, von dem er weltweit über 15 Millionen Exemplare verkaufte, zeigte den Künstler zunächst von seiner poppigen Seite und brachte Radiohits wie"I Wonder Why","You're All That Matters To Me" und"Never Saw A Miracle" hervor. Ungefähr zur selben Zeit steuerte er auch seine Coverversion von Nick Lowes"(What's So Funny ‘Bout) Peace, Love, And Understanding" zum Soundtrack des Films"The Bodyguard" bei, der sich weltweit mehr als 45 Millionen Mal verkaufte. Danach unternahm Stigers ausgedehnte Tourneen durch die ganze Welt und brachte bei Arista und Columbia noch zwei weitere Alben heraus, die eher in der Singer/Songwriter-Tradition standen und gewisse Americana-Einflüsse aufwiesen.

Auf seinem vierten Album wollte Stigers zu seinen Jazzwurzeln zurückkehren. Da sein früherer Mentor Gene Harris bei Concord Records unter Vertrag stand und Stigers ein paar Tracks für seine Alben eingesungen hatte, wollte er sein neues Album für dieses Label machen."Ich verdanke Gene Harris eine Menge. Ich habe durch ihn nicht nur viel über Jazz gelernt, sondern auch den Weg zu einem Label gefunden, für das ich nun schon seit mehr als einem Jahrzehnt aufnehme."

Seit 2001 hat Curtis Stigers sieben Alben für Concord eingespielt."You Inspire Me" wurde 2003 von der britischen Times zum Jazzalbum des Jahres gekürt, und 2007 ernannte BBC Radio 2 den Sänger zum Jazzkünstler des Jahres. In Deutschland wurde Stigers 2010 und 2013 für die Alben"Lost In Dreams" und"Let's Go Out Tonight" als Internationaler Jazzsänger des Jahres mit ECHO Jazz Awards ausgezeichnet.

Dass Stigers letztes Album"Let's Go Out Tonight" etwas dunkler klang als man von ihm gewohnt ist, hatte einen natürlichen Grund: Als er es aufnahm, steckte er nach 22 Jahren Ehe gerade im Scheidungsprozess. Nun hat er eine neue Liebe gefunden, und die inspirierte ihn zu seinem brandneuen Album"Hooray For Love". Den Titel verdankt das neue Werk aber einem von Stigers' Freunden. Als dieser hörte, dass Curtis eine neue Beziehung angefangen hatte, schickte er ihm eine E-Mail, die mit den Worten"Hooray for love" endete."Das Wort "hooray" ist so altmodisch, es stammt noch aus einer Zeit, als alles einfacher, unschuldiger und romantischer war", meint Stigers. Die Phrase stiftete ihn nicht nur dazu an, einen Song gleichen Namens zu schreiben, sondern auch das gesamte Album der Liebe zu widmen.

Das Repertoire von"Hooray For Love" besteht überwiegend aus Standards und enthält Juwelen wie Gershwins"Love Is Here To Stay", Jerome Kerns"The Way You Look Tonight" und den durch Frank Sinatra bekannt gewordenen Song"You Make Me Feel So Young". Die letztgenannte Nummer sang Stigers im Duett mit der jungen französischen Sängerin Cyrille Aimée ein, die 2012 den ersten Sarah Vaughan International Jazz Vocal Competition für sich entschied."Cyrille ist eine wunderbare Sängerin, die erst 29 Jahre alt ist, während ich schon auf die 50 zugehe. Die Zusammenarbeit funktionierte wirklich gut - während der Aufnahme lachte sie und zog mich damit auf, dass ich schon alt bin. Das erinnerte mich irgendwie an alte Filme mit Spencer Tracy und Kate Hepburn."

“Ich konzipierte das Album wie eine alte Nat-King-Cole-Platte aus den 1950ern," erläutert Stigers."Ich liebe die Aufnahmen aus dieser Periode, weil die populären Sänger damals mit Jazzmusikern und einem jazzigen Feeling klassische Popalben machten. Meine bisherigen Alben für Concord waren ziemlich geradlinige Jazzalben, sehr konzeptionell, mit langen Soli. Diesmal wollte ich konzentrierter vorgehen, den Jazzeinfluss benutzen und ein Solo hier und da einstreuen, aber dieses dann auf die besten acht Takte beschränken und nicht über 64 Takte ausufern lassen. So machte man das damals bei den alten Scheiben von Nat King Cole, Doris Day oder Sinatra. Wichtig ist der Song und die Geschichte, die er erzählt - und in diesem Fall ist es eine romantische Geschichte."

Aber natürlich mischt Stigers unter die alten Klassiker auch neue Stücke. Neben dem Titelsong, den er gemeinsam mit seinem Trompeter und Koproduzenten John"Scrapper" Sneider schrieb,  komponierte er auch noch"Give Your Heart To Me" und - gemeinsam mit Matthew Fries und David Poe -"A Matter Of Time". Neueren Datums ist auch Steve Earles"Valentine's Day"."Es gibt nicht allzu viele Jazzsänger, die von Steve Earle gehört haben. Und während es einerseits wichtig ist, das ‘Great American Songbook' am Leben zu erhalten, ist es nicht weniger wichtig, ihm neues Material zuzuführen. Auch heute werden noch großartige Songs geschrieben. Deshalb habe ich auch kein Problem damit, eine Nummer von Steve Earle Seite an Seite mit einem Gershwin-Klassiker zu präsentieren. Beide sind großartige Songwriter und passen meiner Ansicht nach absolut perfekt zusammen."


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