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23.09.2009

Schnapsidee mit Happy End

Curtis Stigers, Schnapsidee mit Happy End © Andy Lawless

Um heutzutage im überbevölkerten und hart umkämpften Musikbusiness noch Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, braucht man Mut zur Lücke, originelle Ideen und eine gute Portion Charisma. Der amerikanische Jazzcrooner und Tenorsaxophonist Curtis Stigers, der über all dies verfügt, hat sein persönliches Erfolgsrezept vor ein paar Jahren gefunden und seitdem immer weiter verfeinert: Er beschränkt sich im Gegensatz zu vielen Kollegen nicht auf das Interpretieren hinlänglich bekannter Jazzstandards, sondern mischt diese mit eigenen Songs (die oft noch seine Popvergangenheit erahnen lassen) und jazzig aufbereiteten modernen Klassikern aus der Welt des Pop, Rock und Rhythm’n’Blues.

Doch auch der findige Stigers hat manchmal Einfälle, die ihm selbst im ersten Augenblick wie reine Schnapsideen vorkommen. So etwa, als er sich für sein neues Album “Lost In Dreams” daran machte, den von Roger Waters geschriebenen Pink-Floyd-Song “Vera” (von dem 1979 erschienenen Bestseller “The Wall”) mit “We’ll Meet Again” zusammenzuführen, einem Standard aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Aber was auf den ersten Blick absurd wirken mag, hat einen durchaus tieferen Sinn. Denn die “Vera” des Waters-Songs war die britische Sängerin Vera Lynn, die in den 40er Jahren mit “We’ll Meet Again” einen Riesenhit hatte. Auf die Verbindung zwischen den beiden Stücken wurde Stigers erst aufmerksam, als er sich zur 1995 zur 50-Jahres-Feier des V-Day in England aufhielt. “Ich dachte mir: ‘Mein Gott, wäre das cool diese beiden Stücke zusammenzubringen’”, berichtet der Sänger. “Ich behielt die Idee im Hinterkopf und kramte sie wieder hervor, als ich mich mit meinem Produzenten über die Songs für dieses Album unterhielt. Dessen Augen leuchteten gleich auf und er sagte: ‘Das ist perfekt. Was für ein großartiger Einfall!’” Der großartige Einfall wurde jüngst nur noch von einem großartigen Zufall übertroffen: Denn eben diese Vera Lynn eroberte Anfang September mit der “Best Of”-Compilation “We’ll Meet Again” völlig überraschend die Spitze der britischen Popalbumcharts. Mit ihren mittlerweile 92 Jahren wurde sie dadurch zur ältesten lebenden Künstlerin, der je ein solches Kunststück gelungen ist.

Aber auch sonst beweist Curtis Stigers auf “Lost In Dreams” sein fantastisches Gespür für gute Songs der unterschiedlichsten Genres und seine Fähigkeit, diese in einen jazzigen Kontext zu setzen. Diesmal glänzt er unter anderem mit Interpretationen von Annie Lennox’ “Cold”, Ron Sexsmiths “Reason For Our Love” und John Lennons “Jealous Guy”, frischt aber auch alte Jazzschlachtrösser wie “My Funny Valentine”, “Bye Bye Blackbird” und “In The Wee Small Hours Of The Morning” auf. Zu welcher Meisterschaft es Curtis Stigers inzwischen gebracht hat, beweist neben “Vera/We’ll Meet Again” auch die Coverversion des Lennon-Songs “Jealous Guy”. Seit der Ex-Beatle das Stück 1971 auf seinem Solodebütalbum “Imagine” veröffentlichte, coverten es zahlreiche Künstler. Brian Ferry und Roxy Music schossen 1981 mit einer etwas geschniegelten Version in diversen Ländern auf Platz 1 der Charts. Sehr viel glaubwürdiger klingt der Lennon-Text nun aus dem Munde von Curtis Stigers.

Mehr Informationen zu Curtis Stigers finden Sie auf seiner Künstlerseite.


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