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06.02.2012

Neuinszenierung der “Sieben Todsünden” an der Komischen Oper

Dagmar Manzel, Neuinszenierung der Sieben Todsünden an der Komischen Oper © Monika Rittershaus

“Die sieben Todsünden”, ein Ballett mit Gesang für Solosopran, vier Männerstimmen und kleines Orchester, war die letzte gemeinsame Arbeit von Kurt Weill und Bertolt Brecht. Unmittelbar nach der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 war der jüdische Komponist ins Exil gegangen; erste Anlaufstation ist Paris, wo man ihn durch seine Musik für “Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny”, “Der Jasager” und den Welterfolg “Dreigroschenoper” kannte. Hier erhielt Weill von dem Choreographen George Balanchine, der nach dem Tod Diagilews und dem Ende der “Ballets Russes” die neue Kompanie “Les Ballets 1933” gegründet hatte, den Auftrag, ein Tanzstück zu schreiben.

Bertolt Brecht verfasste das Libretto, in dessen Mittelpunkt die Tänzerin Anna steht. Anna wird von ihrer Familie in die großen Städte geschickt, um Karriere als Tänzerin zu machen und damit Geld zu verdienen für den Bau eines neuen Häuschens »in Louisiana, wo die Wasser des Mississippi unterm Monde fließen«. Sieben Stationen muss Anna durchwandern und ihre Haut zu Markte tragen. Dabei deutet Brecht die klassischen Todsünden wie Faulheit, Stolz, Unzucht oder Neid zu Tugenden um. Allerdings können sich in ungerechten Verhältnissen nur reiche Menschen so etwas wie Stolz leisten – Anna muss ihre Blöße zeigen, wenn die Leute dafür bezahlen. Weill kontrastiert seinen unnachahmlich verführerischen Songstil mit dem parodistisch gesetzten Männerquartett (!) der Familie. In sieben Bildern schildern Brecht und Weill, wie der Kleinbürgertraum Dank des Einsatzes der Tochter am Ende in Erfüllung geht. Jedoch zerbricht Anna auf ihrem Karriereweg in zwei Persönlichkeiten: die berechnende und opportunistische Anna I und die naive Anna II.

In der Neuinszenierung der Komischen Oper Berlin schlüpft Dagmar Manzel in die Rolle der schizophrenen Tänzerin. Ihre Familie wird von einem vierstimmigen Männerchor gesungen. Der von Weill konzipierte Clou: Ein Bass (Tim Klaski) verkörpert die hartherzige Mutter. Barrie Kosky zeichnet für die Inszenierung der Fassung für tiefe Frauenstimme verantwortlich, die musikalische Leitung hat Kristiina Poska inne. Am 12.02.2012 findet die Premiere statt. Hier können Sie sich Karten sichern.

“Die sieben Todsünden”
Ballett mit Gesang von Kurt Weill
Fassung für tiefe Frauenstimme (bearbeitet von Wilhelm Brückner-Rüggeberg)

Text von Bertolt Brecht

Musikalische Leitung: Kristiina Poska
Inszenierung: Barrie Kosky
Kostüme: Esther Bialas
Dramaturgie: Bettina Auer
Choreographie: Otto Pichler

Anna: Dagmar Manzel
Vater: Joska Lehtinen
Bruder: Adam  Cioffari
Bruder: Matthias Siddhartha Otto
Mutter: Tim Klaski


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