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13.02.2014

MENSCHENsKIND - Dagmar Manzel singt Hollaender-Lieder

"Die sensible Schauspielerin Dagmar Manzel brilliert wieder als Sängerin." (Berliner Zeitung)

Dagmar Manzel, Dagmar Manzel singt Hollaender-Lieder © Philip Glaser / DG

Es fing an im "Schall und Rauch". Der Regisseur und Schauspieler Max Reinhardt hatte die Kabarettbühne 1901 in Berlin im Keller des Großen Schauspielhauses gegründet und sorgte seitdem dafür, dass dort junge, aufstrebende Künstler eine Chance bekamen. Eines dieser Talente hieß Friedrich Hollaender, geboren 1896 in London, Sohn des Operettenkomponisten Victor Hollaender, Student von Engelbert Humperdinck, und ein Mann mit profundem Gespür für Melodien. Reinhardt engagierte ihn in den Zwanzigern für das "Schall und Rauch" und legte damit den Grundstein für eine brillante, wenn auch von den Nazis gestörte Komponistenkarriere.

Denn Hollaender hatte das gewisse Etwas, das den Urheber cleverer Ohrwürmer ausmacht. Zunächst schrieb er für Gussy Holl Lieder zu Texten von Kurt Tucholsky, dann zusammen mit dem Autor Walter Mehring Chansons für den Kabarett-Star Blandine Ebinger, unter anderem seinen ersten Klassiker "Wenn ick mal tot bin". Bald gehörten Sängerinnen wie Annemarie Hase, Trude Hesterberg und die junge Marlene Dietrich zu seinen Kundinnen und er selbst avancierte zu einem der gefragtesten Komponisten des deutschen Großstadtchansons. Insgesamt 18 große Revuen entstanden bis zum Februar 1933, als sich Friedrich Hollaender gezwungen sah, wegen seiner jüdischen Herkuft zunächst nach Paris, dann in die USA auszuwandern.

Dort kam er beim Film unter, einem seiner weiteren Standbeine. Hollaender schrieb insgesamt 165 Filmmusiken für Regisseure wie Josef von Sternberg, Ernst Lubitsch, Billy Wilder - und seit 1955 wieder zurück in Deutschland - auch für Kurt Hoffmann. Er schuf großartige Lieder wie "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt" oder "Johnny, wenn du Geburtstag hast", die bis heute vor musikalischer Kraft und Witz nur so sprühen. Und sein Werk gehört weiterhin zu den Schatztruhen der Liedkunst, deren Fülle und Vielfalt berauschen kann. Wie auch Dagmar Manzel, die in Ost-Berlin geborene Schauspielerin, die von 1983 an fast zwei Jahrzehnte zum festen Ensemble des Deutschen Theaters Berlin gehörte und seitdem zunehmend auch in Operetten-Rollen wie Jacques Offenbachs "Die Großherzogin von Geroldstein" oder als Musical-Sängerin wie in Stephen Sondheims "Sweeney Todd" zu erleben war.

Bevor Dagmar Manzel in diesem Jahr als Tatort-Kommissarin ihr Debüt geben wird, ist sie daher mit einer Friedrich-Hollaender-Revue unter der Regie von Barry Kosky in der Komischen Oper in Berlin zu erleben, ein Programm, mit dem sie im Sommer auch an anderen großen Bühnen von Dresden bis Essen zu erleben sein wird - und das sie mit "Menschenskind" auch als CD präsentiert. Großartige Lieder sind dabei, nachdenkliche wie "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern", pfiffige wie "Die Kleptomanin", witzige wie "Die hysterische Ziege", Klassiker wie "Wenn ick mal tot bin", sogar das unserbliche "Ich bin von Kopf bis Fuss auf Liebe eingestellt".

Mit einer fesselnden Mischung aus Lakonik, Intensität und Leichtigkeit widmet sich Dagmar Manzel der Vorlagen, mal Diseuse, mal Sängerin, immer auch Schauspielerin hinter den Texten, und verhilft ihnen zu einer dezenten Eindringlichkeit, die es schwer macht, nicht hinzuhören. Das ist Kunst in mehrfacher Hinsicht, in Hollaenders Chanson, die so charmant bezirzen können, in der Interpretation, die brillant mit den Ebenen der Gestaltung spielt, und in der Erinnerung an eine Zeit, die bis heute als eine goldene gilt. Chapeau!


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