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11.01.2011

The Romantic Violinist – das neue Album von Daniel Hope erscheint am 18. März

Daniel Hope über sein neues Album

Daniel Hope, The Romantic Violinist – das neue Album von Daniel Hope erscheint am 18. März Deutsche Grammophon

Der Name Joseph Joachim hat mich schon immer fasziniert. Zum ersten Mal erblickte ich ihn als Kind auf der Titelseite von Brahms’ Violinkonzert – das Joachim gewidmet ist –, während ich das Stück lernte; dann erneut in der Partitur von Bruchs Violinkonzert g-moll, das Joachim bearbeitet hat. Einige der ersten Schallplatten, die ich besaß, waren von legendären Geigern wie Ysaÿe und Sarasate, vor allem aber fesselte mich Joachims unvergleichlicher Ton und gab diesem geheimnisvollen Namen endlich ein musikalisches Gesicht. Dann schenkte mir eines Abends nach einem Konzert in München eine Frau ein Buch, das sie über Joachim geschrieben hatte. Ich begann mich mit dieser faszinierenden Persönlichkeit näher zu beschäftigen und war verblüfft von Joachims Kreativität und dem Ausmaß seines Einflusses auf die romantischen Komponisten. Mit diesem Album habe ich versucht, ein musikalisches Porträt dieses außergewöhnlichen Geigers und Visionärs zu entwerfen.

Joachim führte 1853 den jungen Johannes Brahms bei Robert und Clara Schumann ein, und diese Stellung als Vermittler zwischen den Generationen ist hier durch Claras Romanze für Violine und Klavier aus demselben Jahr repräsentiert. Clara widmete Joachim das Werk »in Freundschaft« und führte es mehrmals mit ihm auf. Ich habe hier auch Joachims eigene, etwas früher entstandene Romanze aufgenommen, ebenso sein Notturno für Violine und Orchester. Die sogenannte »F.A.E.-Sonate«, deren Titel auf Joachims Motto »frei aber einsam« basiert, ist ein 1853 komponiertes Gemeinschaftswerk von Robert Schumann, der zwei der vier Sätze beisteuerte, Albert Dietrich und Brahms, die je einen Satz schrieben. Auf diesem Album ist das Scherzo aus Brahms’ Feder zu hören. Joachim sollte erraten, welcher Komponist welchen Satz geschrieben hatte, und das gelang ihm offenbar auf Anhieb, als er das Werk mit Clara Schumann am Klavier erstmals spielte. Darüber hinaus ist hier das wunder-schöne Geistliche Wiegenlied mit Solobratsche zu hören, das Brahms für Joachim komponierte.

Brahms war nicht nur von Joachims Spiel, sondern auch von der ungarischen Volksmusik stark beeinflusst. Joachim, der in Ungarn geboren wurde, transkribierte Brahms’ Ungarische Tänze und führte sie regelmäßig mit dem Komponisten auf. Zwei der Tänze erklingen hier in der Fassung für Violine und Orchester. Joachim, der die berühmte Mezzosopranistin Amalie Schneeweiß heiratete, hatte ein Faible für Vokalmusik und insbesondere Schubert. 1855 schuf er von Schuberts ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiertem »Grand Duo« eine Transkription für großes Orchester, die sogar von Toscanini aufgeführt wurde. In einem alten Konzertprogramm von Amalie Schneeweiß stieß ich auf Schuberts Auf dem Wasser zu singen und beschloss daher, meine eigene Transkription dieses schönen Lieds hier aufzu-nehmen.

Bruchs Violinkonzert Nr. 1 gilt heute als eines der größten und beliebtesten Werke seiner Gattung, und das ist nicht zuletzt den bedeutenden Eingriffen Joachims zu verdanken. Ich wollte auch etwas von Dvořák bringen, dessen berühmte, ursprünglich für Klavier geschriebene Humoreske eines der ersten Stücke war, die ich auf der Geige spielte. Dvořák schrieb auch sein Violinkonzert für Joachim, und wie schon Bruch und Brahms vor ihm schuldete er dem großen Geiger Dank für seine Anregungen und die Überarbeitung des Soloparts. Ich hoffe, Sie haben Freude an dieser Hommage für einen weitgehend vergessenen musikalischen Giganten!

Daniel Hope


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