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05.09.2007

Das ultimative Konzert

Daniel Hope, Das ultimative Konzert

Geige spielt Daniel Hope, weil seine Mutter Eleanor eine Stelle bei Yehudi Menuhin bekam, zunächst als dessen Sekretärin, dann als Managerin des Weltstars. Es hätte auch ein anderes Instrument sein können, aber weil der Knabe auf diese Weise zum Hause des berühmten Violinisten und Pädagogen gehörte, ließ er sich beeindrucken, traf seine Wahl und wurde zu einem der begabtesten Geiger unserer Tage. "Derart intelligentes Spiel ist unvergänglich ... Wo Hope ist, ist Leben", meinte der Kritiker der Londoner Tageszeitung The Times. Aber auch Nachdenklichkeit. Und so erscheinen in diesem Herbst gleich zwei neue Aufnahme von und mit Daniel Hope: Seine herausragende Interpretation von Felix Mendelssohns "Violinkonzert op. 64", ergänzt um das "Streichoktett op.20" und drei Miniaturen für Geige und Klavier, außerdem das Hörbuch "Familienstücke", das als Pendant zur Printausgabe die Suche nach den Ursprüngen der eigenen kosmopolitischen Herkunft dokumentiert.

Und das ist tatsächlich ein weit verzweigtes Wirrwarr der Beziehungen, das Daniel Hope aus einem persönlichen Bedürfnis nach Klarheit heraus entwirrte. Da gab es eine Villa in Berlin Dahlem, die auf Ribbentrops Geheiß enteignet wurde, und eine Fabrik, die von einem Ururgroßvater und Emil Rathenau im 19. Jahrhundert gegründet wurde. Ein irischer Urgroßvater wiederum verdingte sich im zweiten Burenkrieg als Soldat, zog nach Südafrika und brachte es dort zu einer bürgerlichen Kolonialexistenz, mit der aber Hopes kritische Eltern sich nicht einverstanden erklärten und daher 1975, kurz nach der Geburt des Knaben, sich auf den Weg ins englische Exil machten.

Es gab einen Ahnen, der der erste Rabbiner von Potsdam war und dort den Bau der ersten Synagoge mit initiierte. Und natürlich gibt es die unmittelbare eigene Geschichte, eng mit Yehudi Menuhin verküpft, mit dessen Genie und künstlerischer Fürsorge, mit einem kulturellen Klima, das Daniel Hope zu einem Musiker heranreifen ließ, der sich von indische Ragas und modernem Jazz genauso begeistern lässt wie von den Meisterwerken, die für sein eigenes Instrument geschrieben wurden. Egal, ob als Solist oder in renommierten Ensembles wie dem Beaux Arts Trio.
 
Im Besonderen gilt das im Fall von Felix Mendelssohns "Violinkonzert". Zum ersten Mal begegnete es Hope, als er als Kind ein Konzert mit Pinchas Zukerman hörte, der das Stück auf sein Programm gesetzt hatte. Der Eindruck war so tief, dass Daniel nur wenige Jahre später, als er an der Yehudi Menuhin School unterrichtet wurde, es als Achtjähriger heimlich übte und deshalb zum Direktor zitiert wurde, der es ihm zu üben verbot, und der Knabe den Entschluss fasste, lieber die Schule zu verlassen, als sich seine Passion untersagen zu lassen.


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Mit Mendelssohn debütierte er und es ist noch immer unangefochten eines seiner Lieblingsstücke: "Es hat absolut alles, was ein Geiger und Musiker sich wünschen kann - die schönsten Melodien, den romantischen Kampf der Geige gegen das Orchester, ein zuweilen an Beethoven erinnerndes Gefühl von 'Sturm und Drang' und jene ausgelassenen Scherzi, wie sie nur Mendelssohn schreiben konnte. Das Konzert hat Virtuosität und Leichtigkeit, es ist ein wunderbar glückliches Werk, auch wenn es sehr ergreifende Augenblicke enthält. Es ist ein vollendetes Konzert, denn es berührt die Menschen, wo immer man es spielt. Die Zuhörer reagieren wirklich in ganz besonderer Weise darauf".
 
Und sie können nun noch eine weitere kleine Sensation erleben. Denn zum Einstand bei seinem neuen Label Deutsche Grammophon hat Daniel Hope gemeinsam mit dem Dirigenten Thomas Hengelbrock eine Original-Version des Konzertes rekonstruiert, wie Mendelssohn es geschrieben hatte, bevor er den Ratschlägen des befreundeten Geigers Ferdinand David folgte und Passagen änderte, um es vermeintlich noch wirkungsvoller zu machen.

Ähnliches gilt für die Einspielung des famosen Oktetts mit den Mitgliedern des Chamber Orchestra of Europe, die er anhand der erst unlängst erschienenen revidierten Notenausgabe verwirklichte. "Das Oktett ist sicher das größte Werk, das je von einem Teenager geschrieben wurde, schon aufgrund seines Einfallsreichtums und Selbstvertrauens. Ich mag seine ausladenden Dimensionen, aber erst durch die neue Ausgabe lernte ich Mendelssohns eigene Anweisung kennen, das Oktett sei im Stile einer Symphonie zu spielen. Dass ein 16-jähriger so etwas schreiben konnte, zeigt doch, dass er genau wusste was er wollte!" Es macht außerdem klar, warum noch nach mehr als eineinhalb Jahrhunderten jemand wie Daniel Hope mit der Musik dieses genialen Komponisten kleine Wunder der Interpretation vollbringen kann.


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