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17.09.2009

Daniel Hope - Air

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Die Perücken trügen. Lange galt der Barock als die gepuderte Epoche, ein bisschen überdreht ihm Kern, aber insgesamt doch ziemlich lange her. Inzwischen aber ändert sich das Urteil und immer mehr wird das 17.Jahrhundert als ungemein vielschichtige Zeit wahrgenommen, in der nicht nur die Fundamente der aufgeklärten Moderne gelegt wurden, sondern auch die Musik grundlegende Veränderungen erfuhr. Und vor allem durchaus nicht so verkopft war, wie es die historische Musikforschung noch Mitte des vergangenen Jahrhunderts annahm, sonst würde sich nicht ein Musiker wie Daniel Hope des Barocks mit einer eigenen und eigenwilligen Aufnahme annehmen. „Air“ heißt das aktuelle Album des Weltklasse-Geigers und präsentiert eine Mischung aus Spiritualität, Intensität und Ausgelassenheit, die in vieler Hinsicht überrascht.

Wahrscheinlich ist der Barock unserer Gegenwart sogar näher als die gemeinhin so präsente Ära der Klassik und Romantik. Denn damals war die Musikwelt weniger auf die Genialität des einzelnen aus, die zumindest im Falle berühmter Virtuosen eh Voraussetzung war, um Geld zu verdienen. Ein wichtiger Aspekt war der Gebrauchswert von Klängen aller Art, zur Unterhaltung und Vergnügung, durchaus auch im Hintergrund, aber ebenso als klare Darstellung einzelner Höchstleistungen. „Viele der reisenden Musiker“, meint Daniel Hope, „haben die Musik als tägliches Brot gesehen, als Gelderwerb. Sie wurden nicht angehimmelt wie später Mozart und Beethoven, sondern sie sahen sich als Dienstleister für König und Adel, vor allem mit ihrer Tanzmusik“.

Das war die eine Seite, der aber auch grundlegende Veränderungen des Menschenbildes an sich gegenüber standen. Katastrophen wie der Dreißigjährige Krieg haben ganze Landstriche entvölkert und das Vertrauen in die göttliche Fügung des menschlichen Schicksals erschüttert. Wanderbewegungen setzten ein, innerhalb Europas aber auch in die Welt, und zugleich untermauerten Forscher wie Galilei die Vorstellung einer Umwälzung des Kosmos. „Der Umbruch fasziniert mich, man fühlt den Aufbruch aus der Renaissance-Zeit. Plötzlich treten Einzelpersonen hervor, Wandermusiker zum Beispiel, die durch Europa ziehen und ganz andere Musik mitbringen, wie Matteis. Es war eine Zeit der Bewegung. Diese Musik hat Vielfalt, Esprit, Vitalität, und vieles wurde durchaus auf den Effekt zugeschrieben. Man wollte gefallen, wollte wieder beauftragt werden“.

Das aber bedeutet, das auch vieles der damaligen Jahre über die Zeit hinweg vergessen wurde, weil vor allem die Künstler überdauerten, welche ihr Werk wirkungsvoll dokumentierten. Andere verschwanden aus den Chroniken wie beispielsweise Johann Paul von Westhoff, auf den Daniel Hope bei den intensiven Vorbereitungen zu dem Album „Air“ stieß: „Westhoff ist für mich eine der größten Entdeckungen. Ich habe drei Stücke von ihm ausgewählt. Sein 'Imitazione delle capagne' ist ein geradezu magischer Satz, der das 'bariolage', eine Technik, bei der man über alle vier Seiten gleichzeitig streicht, meisterhaft einsetzt. Vivaldi war von dieser 'Imitazione' vollkommen fasziniert, und ich bin es nicht minder, denn Westhoff war in der Art, wie er die Geige einsetzte, seiner Zeit weit voraus. Niemand hat vorher Vergleichbares gemacht“.

Für Daniel Hope und sein je nach Komposition wechselndes Team gleich gesinnter Begleitmusiker, wurde „Air“ daher zu einer inspirierenden Entdeckungsreise in die Vergangenheit. Sie stellen Werke von Westhoff, Diego Ortiz, Nicola Matteis oder Andrea Falconieri neben solche der großen Namen der Epoche wie Johann Pachelbel, Georg Philipp Telemann und Johann Sebastian Bach. Tanzbares mit historischer Perkussion steht neben Verhaltenem, Concerti wechseln mit kurzen kammermusikalisch wirkenden Impressionen. Im Ganzen ergibt das ein grandioses Panoptikum des 17.Jahrhunderts, das durch Hopes Umsicht und spielerische Eleganz zu einem großen Wurf seiner Sparte wird.

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