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12.06.2009

Biografie

Manche Kritiker sehen in Dee Dee Bridgewater nach Betty Carter die legitime Nachfolgerin der Jazz-Legende Ella Fitzgerald. Tatsächlich gehört sie zu den versiertesten Sängerinnen der mittleren Generation, die ein ausgeprägtes Gespür für Swing mit ungewöhnlicher Musikalität und reichlich darstellerischem Talent verknüpft. Bridgewater ist eine der großen Entertainerinnen der internationalen Jazzszene, bildet mit ihrer zugleich leichten und dunklen Stimme und ihrer jovialen Scat-Kompetenz ein gelungene Verbindung der klassischen Bebop-Schulen mit Verweisen sowohl auf die Leichtigkeit Anita O'Days als auch auf Sarah Vaughans Intensität.

Dee Dee Bridgewater wurde am 27. Mai 1950 als Denise Garrett in Memphis geboren und wuchs in Flint im Bundesstaat Michigan auf. Sowohl die Großmutter als auch ihre Mutter waren als Sängerinnen und Tänzerinnen erfolgreich gewesen und hatten ihr Talent an die Tochter weiter gegeben. Schon früh zeigte Denise vokale Begabung und trat zunächst von 1966 an in lokalen Clubs als Soul- und Jazzsängerin auf. Erste größere Engagements brachten sie 1968 mit dem Saxofonisten Andy Goodrich und der Band der Michigan State University zusammen, in deren Reihen sie unter anderem am Festival der Universität of Illinois teilnahm. Zusammen mit John Garvey unternahm sie ein Russlandtournee, und lernte um 1969 den Trompeter Cecil Bridgewater kennen, den sie bald darauf heiratete.

Um 1970 landete die junge Sängerin in New York und arbeitete sich langsam, aber stetig in die dortige Modern Jazz- und Soul-Szene hinein. Von 1972 an konnte man sie als Teil der Thad Jones / Mel Lewis Big Band erleben, bald darauf wurde sie von der Presse als eines der kommenden Talente gepriesen. Sie sang am Broadway in dem Musical "The Wiz" (1975), wurde dafür mit einem Tony Award ausgezeichnet, und begann zunehmend, auch als Studiomusikerin zu reüssieren. In diesen Jahren konnte man Bridgewater unter anderem an der Seite von Pharoah Sanders, Roland Kirk oder Stanley Clarke erleben, darüber hinaus wagte die 1974 mit "Afro Blue" ihr Debüt als Solo-Künstlerin. Für "Just Family" (1978) konnte sie bereits Clarke und den Pianisten Chick Corea als Sidemen gewinnen, im selben Jahr wurde sie beim Newport Jazz Festival von Presse und Publikum gefeiert.

Während der achtziger Jahre entwickelte sich Bridgewater, die auch nach der Trennung von ihrem Mann dessen Namen beibehielt, zu einer der viel gebuchten Künstlerinnen des soulig swingenden Mainstreams. Sie ließ sich nach Erfolgen bei der Grande Parade de Jazz in Nizzas 1986 in Paris nieder, machte dort durch ihre Rolle in dem Stück "Lady Day" von sich reden und schaffte den endgültigen Durchbruch mit dem mehrfach preisgekrönten Album "Live in Paris" (1986). Von dort aus wurde sie als tatsächliche Jazzsängerin einem großen Publikum bekannt, lernte außerdem ihren zweiten Ehemann kennen und blieb fünfzehn Jahre lang der französischen Wahlheimat treu, bis sie um 2001 in die Nähe von Las Vegas zog, um als Familienmensch ihrer ebenfalls dort wohnenden Mutter nahe zu sein.

Über die Neunziger hinweg schaffte es Brigdewater, mit zahlreichen Platten ihren Ruf als klassische Jazz-Entertainerin auszubauen. "Keeping Tradition" (1994) wurde mit dem Django D'Or ausgezeichnet, das Tribute an Horace Silver "Love And Peace" (1995) stellte sich als Bestseller heraus und für "Dear Ella" (1997) bekam sie sogar einen Grammy überreicht. Mit "Live At Yoshi's" (2000) fasste sie eine Serie gelungener Clubauftritte von 1998 zusammen und "This Is New" (2002) präsentierte sie als inspirierte Interpretin des Songbooks von Kurt Weill. Im folgenden Jahr bekam die vom Kennedy Center in Washington den Auftrag, ein Programm mit französischen Liedern zu erarbeiten, das dort Anfang 2004 mit großer Resonanz aufgeführt wurde. So entstand die Idee, als Hommage an ihre Jahre in Paris das Album "J'ai deux Amours" (2005) aufzunehmen, mit dem sich Bridgewater als swingjazzende Chansonière in Musette-getönter Besetzung unter anderem mit Marc Berthoumieux am Akkordeon abermals auf für sie neues musikalisches Terrain wagte.

07/2005


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