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06.01.2010

Zukunftsmusik (Vorschau auf 2010)

Dee Dee Bridgewater, Zukunftsmusik (Vorschau auf 2010) theo

Während viele Musikzeitschriften in diesen Wochen ihre Bestenlisten des Jahres 2009 veröffentlichen, wirft das JazzEcho stattdessen einen Blick in die Zukunft und stellt hier bereits einige der 2010 zu erwartenden Highlights vor. Darunter Alben von Dee Dee Bridgewater, Tord Gustavsen, Ledisi, Bobby McFerrin und dem niederländischen Newcomer Wouter Hamel.

Christian Scott ist zweifellos einer der talentiertesten, jungen Tromepter, der in den letzten paar Jahren die Szene betrat. Ende Januar wird er sein mittlerweile fünftes Soloalbum "Yesterday You Said Tomorrow", zu dem ihn Miles Davis, John Coltranes, Charles Mingus, Bob Dylan, Jimi Hendrix und andere Helden der Musikrevolution der 1960er Jahre, aber auch Radioheads Thom Yorke inspirierten.

Ebenfalls gegen Ende Januar erscheint ein neues Album von der norwegischen Sängerin Solveig Slettahjell und ihrem fabelhaften Slow Motion Orchestra. "Die Songs von 'Tarpan Season' sind mindestens ebenso sehr von Soul- und Country-Musik beeinflusst wie vom traditionellen Jazz", verrät die Künstlerin vorab. Im Februar und März 2010 wird Solveig Slettahjell mit ihrem Slow Motion Orchestra eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland unternehmen, bei der sie die Songs des neuen Albums live vorstellen wird.

Der Februar wird vor allem im Zeichen dreier sehr unterschiedlicher Sängerinnen stehen. Da ist zunächst einmal Dee Dee Bridgewater, die im Mai ihren 60. Geburtstags feiern wird und auf ihrem neuen Album "Eleonora Fagan (1915-1959): To Billie With Love From Dee Dee" einer vor 50 Jahren verstorbenen großen Kollegin Tribut zollt, Billie Holiday. Wert legt Bridgewater auf die Feststellung, dass "Eleanora Fagan" kein herkömmliches Tribute-Album mit rundum erneuerten Holiday-Stücken ist, sondern sehr viel tiefer geht. "Billie verdient es, dass man ihre Musik in einem anderen Licht wahrnimmt", meint Dee Dee, "und ich legte es definitiv nicht darauf an, sie zu imitieren." Im März und April wird Bridgewater ihr ungeheuer spannendes Billie-Holiday-Programm dann auch live in Deutschland präsentieren.

Unter einer Schreibblockade litt die gefeierte Sängerin und Songschreiberin Ledisi, als sie das Songmaterial für ihr neues Album komponieren wollte. Sechs Monate brauchte sie, bis der Knoten platzte. Das tat er aber dann in so fulminanter Weise, dass "Turn Me Loose" zu einem Meisterwerk des modernen, progressiven Rhythm'n'Blues, Neo-Soul und Jazz-Funk geriet. Flügel verlieh ihrer Kreativität Buddy Miles' 1970er Soul-Rock-Klassiker "Them Changes". Ihr mitreißendes Remake dieses Songs ist dann auch eines der Highlights des neuen Albums, auf dem Ledisi geschickt Rock, Blues, klassischen Soul, Funk und HipHop miteinander fusioniert.

Mit seinem eingespielten Trio (das lange Zeit auch das Rückgrat der Band von Sängerin Silje Nergaard bildete) nahm der Pianist Tord Gustavsen in den vergangenen Jahren für ECM die drei Alben "Changing Places", "The Ground" und "Being There" auf, auf denen er klar demarkiertes melodisches Terrain erkundete. Erfolg verzeichnete er mit dieser Trilogie nicht nur in Europa, sondern auch in den USA, wo er 2005 mit "The Ground" sogar auf Platz 7 der Billboard Top Jazz Album landete. Nun schlägt der Norweger auf seinem vierten ECM-Album "Restored, Returned" mit einer neuen Band ein neues musikalisches Kapitel auf. Zu Gustavsen und Schlagzeuger Jarle Vespestad gesellen sich nun Saxophonist Tore Brunborg, Bassist Mats Eilertsen und - bei sechs Songs - die unnachahmliche Sängerin Kristin Asbjørnsen mit ihrer bluesig-rauen Stimme.

Als der Stimmbandakrobat Bobby McFerrin 1982 sein Plattendebüt gab, war er schon 32 Jahre alt. Sechs Jahre danach schuf er mit "Don't Worry, Be Happy" einen der größten Ohrwürmer aller Zeiten. Seitdem pendelte er bei seinen Aufnahme- und Live-Projekten zwischen Jazz, Weltmusik und Klassik hin und her. Nach 1997 nahm er nur noch zwei Alben unter eigenem Namen auf, zuletzt 2002 "Beyond Words" für das Label Blue Note. Nun lässt er diesem Album ein neues Projekt mit dem Titel "VOCAbuLarieS" folgen. Die Musik dazu - eine Mischung aus Gospel, Soul, Funk, Jazz und Klassik - komponierte McFerrin gemeinsam mit Roger Treece, der auch den Chor leitete, von dem Bobby hier begleitet wird. Im Juni und Juli 2010 wird McFerrin für drei Gastspiele nach Deutschland kommen: Einmal wird er solo auftreten und zweimal mit Roger Treece und dem European Chamber Choir.

Mit dem Sänger, Gitarristen und Keyboarder Wouter Hamel präsentiert Universal Music im Februar einen coolen Newcomer aus den Niederlanden, der sich von seinem Können und seiner erfrischenden Art her mit Stars wie Jamie Cullum und Michael Bublé messen kann. Aufgewachsen ist Hamel zunächst mit der Musik von P.J. Harvey, den Smashing Pumpkins und Jeff Buckley. Später begeisterte er sich für klassische Jazzsänger wie Mel Tormé, Mark Murphy, Frank Sinatra und Anita O'Day. Seine eigene Musik ist, wie er auf seinem zweiten Album "Nobody's Tune" zeigt, von all diesen Einflüssen ein bisschen geprägt. Das verwöhnte Londoner Publikum eroberte er bei seinen Auftritten in der Bush Hall und dem Jazz Café schon im Sturm. Die JazzEcho-Redaktion empfiehlt einen Besuch auf der offiziellen Webseite von Wouter Hamel.

Für den Frühling und Sommer stehen aber natürlich noch weitere viel versprechende Alben auf dem Programm. Aus dem Winterschlaf melden sich dann zum Beispiel mit geballter Kraft die Norweger zurück: Neue Alben gibt es dann von Sängerin Torun Eriksen (Titel: "Passage"), dem Duo Beady Belle, Keyboarder Bugge Wesseltoft (erneut solo!) sowie Pianist Ketil Bjørnstad und Cellist Svante Henryson ("Night Song"). Der Bassist Charlie Haden wird ein neues Duoalbum mit dem Pianisten Hank Jones vorlegen. Man erinnere sich: 1995 überraschten die beiden die Jazzwelt mit dem wunderbaren Gospel- und Spirituals-Album "Steal Away".  Ein aufregendes neues Projekt mit spanischen Musikern hat wiederum der Bassist Dave Holland in Arbeit. Freuen darf man sich außerdem auf neue Alben von Sérgio Mendes (im April), John Scofield mit dem niederländischen Metropole Orchestra (im Mai), Lizz Wright (im August), Julian Lage und The Bad Plus (im dritten Quartal).


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