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14.01.2010

Lady Dee Dee widmet sich Eleanora Fagan

Dee Dee Bridgewater, Lady Dee Dee widmet sich Eleanora Fagan Mark Higashino

Richtig und gut gemacht, ist Jazz die ehrlichste und wahrhaftigste Musik. Eine Klang gewordene Gefühlsschau, bei der die schmerzhafteste Erfahrung jeden improvisierten Glücksmoment nähren kann. Die Devise „you gotta pay your dues“ könnte man daher auch so übertragen: Wer legendär sein will, muss leiden. Paradebeispiel dafür ist Eleanora Fagan, genannt Billie Holiday oder kurz „Lady Day“, eine der einflussreichsten und zugleich tragischsten Figuren der Musikgeschichte. Ihr Schicksal führte sie von grausam zu grandios, von einer Jugend, in der es von allem zu wenig gab, außer Armut, Brutalität und Rassismus, zu internationalem Ansehen, von kleinen Club-Gigs bis zu einem gefeierten Konzert in der Carnegie Hall, schließlich zu Drogenexzessen und –Prozessen und einem viel zu frühen Tod an einer Leberzirrhose.

Wenn sich eine Jazzsängerin jetzt, fünfzig Jahre nach dem Tod von „Lady Day“, ihrem nach wie vor lebendigen kulturellen Erbe mit ebenso viel intimem Verständnis wie Liebe widmen kann, dann nur „Lady Dee Dee“, die letzte echte Jazz-Diva unserer Zeit. Mit ihrem neuen Album „Eleanora Fagan (1915-1959): To Billie with Love from Dee Dee“ ist der zweifachen Grammy Gewinnerin weit mehr als nur ein Tribut an ihr großes, geliebtes Vorbild gelungen. Modern, originell und visionär ist der musikalische Ansatz, mit dem sie Klassiker aus Billies Repertoire, von „Lady Sings The Blues“ über „Don’t Explain“ bis „Strange Fruit“ neu und umwerfend arrangiert und interpretiert.

Als starke, schwarze Amerikanerin und resolute Persönlichkeit im internationalen Rampenlicht ist sich Dee Dee Bridgewater, die 2010 ihren sechzigsten Geburtstag feiert, ihrer und Billies musikalischer und gesellschaftlicher Wurzeln in jeder Note bewusst – sie singt diese Songs nicht nur, sie lebt sie. Das Resultat lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Kunst statt Kitsch. Unnötiges Dramatisieren und sinnentleerte Effekthaschereien bleiben zugunsten einer emotionalen Essenz auf der Strecke, die uns ungeahnte, originelle Facetten an der Musik Billie Holidays offenbart. „Ich glaube nicht, dass ich singe“, meinte Billie Holiday einmal. „Ich improvisiere mit meiner Stimme wie auf einem Instrument. Es kommt alles, wie ich es fühle.“ Dee Dee Bridgewater teilt diese Selbsteinschätzung ganz offenbar. Wahrhaftig und künstlerisch im Hier und Jetzt huldigt eine Jazz-Legende einer anderen:

a legend sings a legend.


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