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07.11.2014

Diana Krall, Wallflower

Beim Namen Diana Krall kommen einem viele Bilder in den Sinn: etwa das der coolen Sängerin, deren Stimme einem die Gehörgänge mit prickelndem Rauhreif überziehen kann, oder das der elegant swingenden Pianistin oder vielleicht auch das der verführerischen Blondine vom Cover ihres letzten Albums “Glad Rag Doll”. Das Bild eines Mauerblümchens aber sicher nicht. Weder in musikalischer noch irgendeiner anderen Hinsicht. Und dass sie alles andere als ein Mauerblümchen ist, beweist sie jetzt einmal mehr auf ihrem brandneuen Album mit dem Titel “Wallflower”, auf dem die arrivierte Jazzpianistin auch als Popsängerin glänzt. Mit einem Repertoire, das so kaum jemand erwartet haben dürfte, und zwei ganz besonderen Duett-Partnern aus ihrer Heimat Kanada: Michael Bublé und Bryan Adams.

 

Krall, Jahrgang 1964, interpretiert hier vor allem Songs aus ihrer eigenen Jugendzeit: “California Dreaming” von The Mamas and the Papas, “Desperado” von den Eagles, Elton Johns “Sorry Seems To Be The Hardest Word”, “I’m Not In Love” von 10cc und natürlich das von Bob Dylan stammende Titelstück des Albums. Aber sie wagt sich auch an Nummern jüngeren Datums, wie  “Don’t Dream It’s Over” von Crowded House oder eine neue Komposition von Paul McCartney, für den Krall bereits als musikalische Direktorin und Arrangeurin tätig war.

 

Den Anstoß zu diesem ungewöhnlichen Album gab Diana Krall der Produzent und Keyboarder David Foster. “Ohne Davids Einsatz wäre dieses Album nie zustande gekommen”, sagt Diana Krall. “Er sagte immer: ‘Lass uns zusammenarbeiten.’ Aber es kam stets irgendetwas dazwischen. Jetzt hat das Timing endlich gestimmt. Ich war bereit, mit David zu arbeiten und ihn das tun zu lassen, was er am besten kann. Er fertigte sämtliche Arrangements und spielte auch viele der Klavierparts ein. Ich war sprachlos. Ich wusste ja schon immer, dass er gut ist, aber nun schätze ich seine Talente als Produzent und Musiker noch viel mehr.”

 

Der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. “Mit Diana zu arbeiten war fantastisch”, sagt Foster. “Ich hatte mich immer gefragt, wie eine Zusammenarbeit mit ihr sein würde. Aber ich glaubte nie, dass es klappen würde, da ich in der ‘Popwelt’ lebe und Diana in der ‘Jazzwelt’ - so sehen es zumindest die meisten Leute. Obwohl ich sie nun schon seit 25 Jahren kenne, wusste ich nicht, was für eine wirklich außergewöhnliche Popsängerin sie ist. Dass sie es versteht, so mühelos ins Poplager zu wechseln, hat mich absolut überrascht. Ich bin mir sicher, dass Diana insgeheim schon alles über Pop wusste. Sie neigt dazu, uns allen immer einen Schritt voraus zu sein.”

 

Begeistert ist Foster vor allem von den Liedern, bei denen Krall - auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin - Pianosoli spielte. “Bei Stücken wie ‘California Dreaming’ oder ‘I Can’t Tell You Why’ spielt Diana wundervolle, einfache, solide, pittoreske Pianosoli voller Melodik. Sie sind fast schon singbar.”

 

“Ich folgte David Anweisungen und lehnte mich nur auf, wenn es nötig war. Wir hatten unsere ganz normalen Meinungsverschiedenheiten, aber unterm Strich lief alles reibungslos. Vor allem, nachdem ich ihn ein paar Mal vor die Tür gesetzt hatte”, erinnert sich Krall an die Zusammenarbeit. “Ich bin mit vielen der Songs von ‘Wallflower’ aufgewachsen, hörte sie damals im Radio oder auf Vinyl”, fährt Diana Krall fort. “Diese Lieder singe ich schon seit Ewigkeiten vor mich hin. Ich brauchte nur Kopien der Texte, um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich auch die richtigen Worte sang. ‘I’m Not In Love’ von 10cc hatte ich als Single. Bryan Adams hörte ich ständig. Meine Eltern und ich liebten Linda Ronstadt. Sie hat mich dazu inspiriert ‘Desperado’ zu singen. Ich hatte sogar ein Poster von Peter Frampton in meinem Zimmer hängen. Ich war ein ganz normaler Teenager, der mit seinen Freunden abhing. Ich hörte nicht nur Jazz. Den größten musikalischen Einfluss übte neben Oscar Peterson Elton John auf mich aus.”

 

Paul McCartneys wunderbare (und hier erstmals aufgenommene) Komposition “If I Take You Home Tonight” lernte sie 2012 kennen, als sie mit dem Ex-Beatle an dessen Album “Kisses On The Bottom” zusammenarbeitete. “Diese Erfahrung hatte einen unauslöschlichen Einfluss auf mein Leben und meine Musik”, erklärt Krall. “Als ich Paul fragte, ob ich den Song aufnehmen könnte, weil ich ihn so liebte, sagte er gleich: ‘Na klar!”

 

“Wallflower” wiederum ist ein relativ unbekanntes Bob-Dylan-Stück aus dem Jahr 1971. Und schon seit langem einer von Kralls Lieblingssongs. “Ich liebe Bob Dylan wie verrückt”, gesteht Krall. “Ich habe ihn nur ein paar Mal persönlich getroffen. Und bei einer dieser Gelegenheiten sagte ich ihm, dass ich sein Pianospiel liebe. Er sagte nur trocken: ‘Nun ja, du bist selbst Pianistin. Deshalb fasse ich das als Kompliment auf.’ Dylans Musik hat so viel Tiefe.

Als ich die Demoversion von ‘Wallflower’ das erste Mal hörte, verliebte ich mich in das Stück. Im Hintergrund konnte man da einen Hund bellen hören. Ich spiele und singe ‘Wallflower’ nun seit anderthalb Jahren, wenn ich mit meiner Band auftrete. Und nun habe ich die Nummer endlich aufnehmen können.”

 

Das Stück, bei dem der junge kalifornische Singer/Songwriter Blake Mills Gitarre spielt, ist für Diana Krall so etwas wie das Herzstück des Albums. “Das ist ein Lied, zu dem ich eine ganz besondere Bindung habe”, sagt sie abschließend. “Ich bin so etwas wie ein musikalischer ‘method actor’, und ‘Wallflower’ ist eine ‘Rolle’, die ich schon immer wirklich spielen wollte.”


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