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14.11.2012

Der Meistersänger – Dietrich Fischer-Dieskau: Voice Of The Century

Als Dietrich Fischer-Dieskau im vergangenen Mai starb, waren sich Fachwelt und Publikum einig, dass ein Gigant gegangen war. Nun ehrt die Edition „Voice Of The Century“ den Sänger, der wie kaum ein anderen die Kunst des Gesangs geprägt hat.

Dietrich Fischer-Dieskau, Der Meistersänger © Harald Hoffmann / DG

Die Faszination für das Detail hatte Dietrich Fischer-Dieskau schon als Kind vermittelt bekommen. Geboren am 28. Mai 1925 im Berliner Villenvorort Zehlendorf als Sohn eines musikbegeisterten Oberstudienrats und einer Pianistin, die gerne Opernsängerin geworden wäre, lauschte er sonntags unter dem Flügel liegend den väterlichen Choral-Improvisationen und beschloss im Anschluss an seinen ersten „Lohengrin“, Heldentenor zu werden. Der Unterricht setzte früh ein, wurde jedoch durch den Zweiten Weltkrieg und die Gefangenschaft in Italien jäh unterbrochen. Allerdings wurde er auch dort bereits zu Kunstlied-Darbietungen hinter Stacheldraht herangezogen und nutzte außerdem die Zeit, um möglichst viel Repertoire, an das er herankam, auswendig zu lernen.

Eine steile Karriere

Kaum zurück in Deutschland, konnte Dietrich Fischer-Dieskau sich bereits 1947 auf der Bühne bewähren. Er sprang im badischen Müllheim ohne Probe für einen kranken Kollegen im „Deutschen Requiem“ von Johannes Brahms ein. In Freiburg präsentierte er kurz darauf „Vier ernste Gesänge“, ebenfalls von Brahms, bekam daraufhin eine Dozentur an der Musikhochschule angeboten, zog aber weiter nach Berlin, um sich selbst bei seinem früheren Lehrer Hermann Weißenborn weiter ausbilden zu lassen. Einen Abschluss machte er nie, nahm stattdessen bereits im Winter 1947 Schuberts „Winterreise“ für den Sender RIAS auf und debütierte ein knappes Jahr später als Marquis Posa in Giuseppe Verdis „Don Carlos“ auf der Bühne der Städtischen Oper Berlin.

Oper und Lied

Dietrich Fischer-Dieskaus Karriere entwickelte sich rasant. Von 1949 an wurde er international von der Bayerischen Staatsoper bis nach New York engagiert. Er überzeugte Wilhelm Furtwängler von Gustav Mahlers „Lieder eines fahrenden Gesellen“, eine Sensation 1951 bei den Salzburger Festspielen, auch deshalb, weil die Mahler-Renaissance noch ausstand. Sein Wolfram im Bayreuther „Tannhäuser“ im folgenden Jahr wurde gefeiert, die nun einsetzenden internationalen Tourneen mehrten das Renommee auch im Ausland. Fischer-Dieskau sang wichtige Uraufführungen, im Team von Benjamin Brittens „War Requiem“ in Coventry 1962 zum Beispiel oder auch die Titelrolle in der Oper „Lear“ (1978), die Aribert Reimann ihm auf den Leib geschrieben hatte.

Voice Of The Century

Ganz klar, dass bei einer derartigen Schaffensvielfalt ein enormes Werk auf Tonträger festgehalten wurde. Insgesamt entstand die schier unfassbare Menge von 4.800 Aufnahmen während dieses erfüllten Künstlerlebens und ein Konzentrat dieses großartigen Werks ergibt nun die Edition „Dietrich Fischer-Dieskau: Voice Of The Century“. Auf 23 CDs sind die zentralen Werke der klassischen Gesangskunst versammelt, das Spektrum reicht von Franz Schuberts „Winterreise“ bis hin zu Othmar Schoecks „Liederzyklus op.44“, von den geistlichen Arien Bachs, Händels, Haydns bis hin zum Opernschaffen von Gluck, Beethoven, Bizet oder Wagner. Zu den Kollegen und Begleitern dieser Meisterwerke gehören Klavierkoryphäen wie Daniel Barenboim, Jörg Demus, Karl Engel, Wilhelm Kempff, Gerald Moore und Sviatoslav Richter ebenso wie Weltklasseorchester wie die Wiener und Berliner Philharmoniker, das London Philharmonic Orchestra und die Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Dirigenten wie Karl Böhm, Ferenc Fricsay, Eugen Jochum, Herbert von Karajan, Rafael Kubelik, Lorin Maazel oder auch Karl Richter.

Erstmals Heinrich Schütz

Neben diesen herausragenden und oft preisgekrönten Klassikern ist außerdem ein bislang unveröffentlichtes Schmuckstück der geistlichen Musik zu hören. Im Februar 1961 entstand in der Berliner Jesus-Christus-Kirche die Einspielung von Heinrich Schütz' „Matthäus-Passion SWV 479“, in der Dietrich-Fischer-Dieskau als Evangelist die tragende Rolle der Aufführung innehatte. Neben Solisten wie Johannes Richter und Hans-Dieter Rodewald stand ihm der Berliner Hugo-Distler-Chor unter der Leitung seines Bruders Klaus Fischer-Dieskau zu Seite. Es wurde ein bewegendes Dokument geistlicher Musik, das nun erstmals auf CD zu erleben ist. Neben dieser Premiere führen außerdem die beiden DVDs „The Art of Dietrich Fischer-Dieskau“ mit zahlreichen raren Bild- und Tonaufnahmen ergänzend in die Welt des Jahrhundertsängers ein. „Voice Of The Century“ ist daher nicht nur die Werkedition eines herausragenden Künstlers, sondern auch ein Panoptikum der klassischen Vokalwelt überhaupt. Mit anderen Worten: ein Juwel in Form einer opulenten Box.


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