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29.04.2005

Biografie 05/2005

Biographie
Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton)

"Ihr müsst der werden, der da singt." Dietrich Fischer-Dieskau zu seinen Schülern

Sein Name wird mit Respekt genannt und stellt ein eigenes Kapitel der Musikgeschichte dar: Dietrich Fischer-Dieskau. Er kann für sich beanspruchen, das Kunstlied aus seinem Schattendasein befreit und seine Interpretation revolutioniert zu haben. Außerdem blickt er auf ein beachtliches Aufnahmerepertoire zurück - junge Kollegen haben es schwer mit ihren Interpretationen an seinen Maßstäbe setzenden Einspielungen vorbeizukommen, denn seine ausgewogene Stimme, seine überaus klare Artikulation und sein dramatisches Talent sind in der Erwartung der Hörer nach wie vor präsent.

Dietrich Fischer Dieskau wird am 20. Januar 1925 in Berlin geboren. Seine ersten Studien beginnt er im Alter von sechzehn Jahren bei Georg Walter. 1942 wechselt er zu Hermann Weißenborn an die Berliner Musikakademie, dann wird er eingezogen und in Italien britischer Kriegsgefangener. In dortigen Gefangenenlagern hat er ein paar Auftritte bevor er nach Berlin zurückkehren und seine Studien bei Weißenborn abschließen kann.

Sein Konzertdebüt gibt der Zweiundzwanzigjährige in Freiburg in Johannes Brahms' Deutschem Requiem, sein Bühnendebüt als Posa in Don Carlos, ein Jahr später in Berlin an den Städtischen Bühnen. Dort wird er Ensemblemitglied. 1948 singt er die Winterreise für den Berliner Rundfunk und gibt in Leipzig sein Solodebüt.

1949 heiratet Fischer-Dieskau die Cellistin Irmgard Poppen, mit der er drei Söhne hat. Zu dieser Zeit beginnen seine regelmäßigen Auftritte an der Bayerischen und der Wiener Staatsoper, 1951 seine Teilnahme an den Salzburger Festspielen unter Wilhelm Furtwängler, ein Jahr später hat er seinen ersten Auftritt in den Vereinigten Staaten. 1954 bis 1956 singt er bei den Bayreuther Festspielen verschiedene Rollen, wie zum Beispiel einen herausragenden Wolfram in Tannhäuser, den Heerrufer in Lohengrin und den Amfortas in Parsifal.

1957 wird er Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Seinen Ruhm in England begründet er bereits 1951 mit seinem Auftritt in Frederic Delius' A Mass of life unter Sir Thomas Beecham. Legendär werden seine Interpretationen von Die schöne Müllerin und Winterreise in der Kingsway Hall ein Jahr später - sein Begleiter ist Gerald Moore, mit dem er beide Zyklen mehrfach aufnehmen wird und dem er in lebenslanger Künstlerfreundschaft verbunden bleibt.

1961 kreiert Fischer-Dieskau die Rolle des Mittenhofer in Hans Werner Henzes Elegie für junge Liebende. 1962 nimmt der mittlerweile weltweit renommierte Bariton an der Uraufführung von Benjamin Brittens War Requiem in der (wieder aufgebauten) Kathedrale von Coventry teil - ein Zeichen der künstlerischen Völkerverständigung und des Friedens. 1965 folgt das Covent Garden-Debüt als Mandryka in Strauss' Arabella.

Zu dieser Zeit ist Dietrich Fischer-Dieskau bereits auf der Höhe seines Erfolges, auf der Opernbühne genauso souverän zuhause wie im Konzertsaal. Seine bedeutsamsten Rollen sind Wolfram, Almaviva, Don Alfonso, Barak, - aber auch Renato, Falstaff, Onegin, Papageno, Holländer und Kurwenal gehören in sein Repertoire. Viele dieser Partien hat er bereits aufgenommen. Nahezu unermesslich ist sein Liedrepertoire, dem er von jeher besondere Aufmerksamkeit widmet: das komplette Liedschaffen von Schumann, Schubert und Wolf für Bariton hat er eingespielt, das meiste von Beethoven, Brahms und Strauss, aber auch Lieder von Mendelssohn, Schönberg, Liszt und Loewe - insgesamt über 3000 Stücke von über 100 Komponisten, mehr als wohl jeder andere Sänger. Dementsprechend viele Uraufführungen hat Fischer-Dieskau auch gestaltet, darunter Werke von Henze, Rihm, Reimann, Stravinsky, Barber, Lutoslawski, Tippett, Krenek, Britten und vielen anderen.

Ende der siebziger Jahre fängt Dietrich Fischer-Dieskau an zu dirigieren - eine zusätzliche künstlerische Ausdrucksmöglichkeit, die er in den weiteren Jahren immer erfolgreicher ausbaut. 1978 heiratet er zum zweiten Mal: seine langjährige Kollegin und Partnerin in vielen Aufnahmen, Julia Varady. Seine künstlerische Vielseitigkeit dokumentiert sich unter anderem in Ausstellungen seiner Malerei und seinen Buchveröffentlichungen, in denen er musikwissenschaftlich und reflektierend die Erkenntnisse seiner Arbeit und seine Ansichten über das Singen vermittelt. Er gibt aber auch Textsammlungen deutscher Lieder heraus und, selbstverständlich, seine wertvollen Erinnerungen. Seit 1982 gibt er Unterricht an der Berliner Hochschule für Künste. Zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2000 gratulierte ihm EMI mit einem Festempfang. Außerdem wurde ihm der ECHO Klassik 2000 für sein Lebenswerk verliehen. Dietrich Fischer-Dieskau lebt heute in Berlin.

Die 3-CD-Box Great Moments of ... Dietrich Fischer-Dieskau vereinigt etliche unveröffentlichte Aufnahmen zu einem Künstlerporträt. Daneben sind viele Referenzaufnahmen aus dem Repertoire des Sängers kürzlich bei EMI Classics in der Serie Great Recordings of the Century in technisch brillant überarbeiteter Neuauflage erschienen und damit wieder verfügbar.

Außerdem ist in der EMI Electrola Recital-Serie Lieder & Arias im August 2001 eine Doppel-CD erschienen, die Opernarien von Verdi und Wagner, aber auch (als CD-Premiere bzw. Ersteinspielungen) Lieder von Robert Schumann, Reinhard Schwarz-Schilling, Richard Strauss und Mark Lothar enthält. - Eine weitere Wiederveröffentlichung, erschienen 2003, ist Hugo Wolf gewidmet: In einer 7-CD-Box wurden alle Lieder und Orchesterwerke wiederaufgelegt, die Dietrich Fischer-Dieskau zwischen 1954 und 1998 für EMI Classics als Liedsänger bzw. als Dirigent eingespielt hat - eine diskographische Jahrhundert-Edition.

Am 28. Mai 2005 feiert die Musikwelt Dietrich Fischer-Dieskaus 80. Geburtstag. Aus diesem Anlaß brachte EMI Classics als CD-Premiere im April die viel gerühmte Einspielung von Mahler-Liedern heraus, die der Bariton in den späten 70er Jahren mit Daniel Barenboim am Klavier gemacht hatte.

Stand: Mai 2005


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