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25.08.2010

La belle France

Vor einem halben Jahrhunderts haben René Goscinny und Jean-Jacques Sempé mit „Der kleine Nick“ einen Klassiker der Satire geschaffen. Nun endlich sind die Streiche des Jungen, der eigentlich nur geliebt werden will, mit großem Erfolg verfilmt worden

Diverse Künstler, La belle France © Central Film

Französischer ist eigentlich nur noch Monsieur Hulot, der hagere, nostalgische Filmcharakter, mit dem Jacques Tati einst den Charme des Laissez-Faire im Kino gefeiert hat. Dann kommt ziemlich schnell „Le petit Nicolas“, zu Deutsch „Der kleine Nick“, den der Vater von Asterix René Goscinny in den späten fünfziger Jahren zusammen mit dem Zeichner Jean-Jacques Sempé erfunden hatte. Es wurde eine der erfolgreichsten französischen Buchserien der Nachkriegszeit. Zwischen 1959 und 1964 entstanden rund 160 Episoden, die zunächst in der Zeitschrift „Le Moustique“ und in einer Regional-Zeitung erschienen, bevor sie in Buchform eine zweite Karriere abtraten. Deutsche Fans des fröhlichen Schuljungen mit den unkonventionellen Ideen konnten bereits bald darauf die Streiche nachvollziehen, insgesamt verkauften die Bücher sich rund 8 Millionen Mal und wurden in 30 Sprachen übersetzt.

Einziger Wermutstropfen war bislang, dass sowohl einst der Autor als auch seine Tochter Anne sich beharrlich dagegen gesträubt hatten, den kleinen Nick ins Kino kommen zu lassen. Keiner der Vorschläge konnte die Erbin überzeugen, bis der Regisseur Laurent Tirard bei ihr vorstellig wurde. Er war nicht nur durch Filme wie „Molière“ cineastisch hinreichend qualifiziert, sondern legte auch ein Konzept vor, das der originalen Stimmung des Buchs nah genug kam, um die Skeptikerin zu überzeugen. So wurde ein Erzählstrang aus den vielen Episoden herausgegriffen, die Geschichte, als Junge beim Lauschen zu erfahren meint, demnächst einen Bruder zu bekommen. Da er bei seinen Freunden erlebt hat, wie nervtötend es sein kann, kleine Geschwister zu haben, versucht er nun, sich bei seinen Eltern so unentbehrlich wie möglich zu machen.

Das hat viel Potential zu Komik und wurde mit Maxime Godart in der Titelrolle und französischen Kinostars wie Kad Merad und Valerie Lemercier so pointiert verfilmt, dass sich „Der kleine Nick“ mit 5,5 Millionen Kinobesuchern zum heimische Hit des Saison entwickelt hat. Einen dezenten, zugleich aber wesentlichen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte hat auch die schnuckelige Musik von Klaus Badelt, dem es gelingt, mit dem Esprit großer Ahnen wie Jean Constantin das typisch Französische in Klänge zu fassen, ohne dabei klischeehaft zu werden. Der in Frankfurt geborene Komponist, der bei Hans Zimmer sein Handwerk gelernt hat und unter anderem zum Klangteam vom „Fluch der Karibik“ gehörte, umrahmt nicht nur das Geschehen im Frankreich der Charles-de-Gaule-Ära, sondern kreiert eine eigene Motivwelt pfiffiger Melodien, die dem Cineasten schon nach dem Kino-Besuch nicht mehr aus dem Kopf gehen. Das ist Musik mit dem Charme des Pittoresken.

Den Trailer zur deutschen Kinofassung sehen Sie hier:


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