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28.08.2014

Der Mann der Stunde – Benjamin Wallfischs Filmmusik für "Summer in February"

Benjamin Wallfisch komponierte schon als Kind, absolvierte ein Dirigentenstudium und verfeinerte sein Handwerk bei Filmkomponist Dario Marianelli. Mit dem Soundtrack für "Summer in February" mit Yuja Wang am Klavier ist ihm ein großer Wurf geglückt

Diverse Künstler, Benjamin Wallfischs Filmmusik für Summer in February © Deutsche Grammophon

Benjamin Wallfisch zählt zu den viel versprechendsten jungen Komponisten der Filmbranche. Er ist eigentlich studierter Dirigent, hat u.a. bei Sir Charles Mackerras gelernt und war Assistent von Vladimir Ashkenazy und Valery Gergiev. Wallfisch hat bedeutende britische Klangkörper wie das London Symphony Orchestra und das Philharmonia Orchestra dirigiert und Konzerte mit geachteten Solisten wie Freddy Kempf, Igor Oistrakh und Jean-Yves Thibaudet geleitet.  

Schon im Kindesalter begann er zu komponieren. Wallfisch hat bislang über 50 Werke für den Konzertsaal, das Ballett und das Theater geschrieben. Seine wahre Berufung scheint indes die Filmmusik zu sein. Der 34-jährige Brite hat bereits eine Vielzahl beachtenswerter Soundtracks geschrieben, etwa für Thomas Vinterbergs "Dear Wendy" (2005), Rupert Wyatts "The Escapist" (2008) und Eric Heisserers "Hours" (2013). Das hat ihm gleich mehrere Nominierungen als "Entdeckung des Jahres" bei den World Soundtrack Awards eingebracht.

Lob von allen Seiten

"Summer in February" zeigt nun eindrucksvoll, dass Benjamin Wallfisch der Mann der Stunde ist. Der britische Kinofilm wird von Kritikern und Publikum zwar nur verhalten aufgenommen. Doch von allen Seiten wird die Filmmusik mit Lob überhäuft. Kein Wunder, war doch Wallfisch besonders prädestiniert für den auf wahren Begebenheiten beruhenden Stoff, eine tragische Dreiecksbeziehung im englischen Künstlermillieu kurz vor Ausbruch des 1. Weltkriegs, eingebettet in die malerisch-urwüchsige Küstenlandschaft von Cornwall.

Wallfisch sammelte wertvolle Erfahrungen dafür als langjähriger Protegé des gefeierten Filmkomponisten Dario Marianelli. Er hat dessen Oscar- und Golden Globe-prämierten Soundtrack für das Weltkriegsdrama "Atonement" orchestriert und dirigiert und wirkte auch bei den Kostümfilmen "Anna Karenina", "Pride and Prejudice" und "Jane Eyre" mit.

Liebevolle Hommage an eine vergangene Epoche

Pippa Cross hat "Summer in February" gemeinsam mit Jeremy Cowdrey und Janette Day produziert. Sie schwärmt von Benjamin Wallfisch. "Für mich liegt das Besondere an Bens Arbeit für diesen Film und an seiner Arbeit überhaupt darin, dass er die ganze Palette orchestraler Techniken, ja den gesamten Hintergrund seiner klassischen Ausbildung ausschöpft", sagt sie. "Er stützt damit die Handlung des Films ebenso wirkungsvoll wie seinen emotionalen Gehalt. Die Musik von Benjamin ist ein essenzielles Element des Films."

Wallfisch selbst bezeichnet seine Filmmusik als Hommage an eines seiner großen Vorbilder, den britischen Komponisten Ralph Vaughan-Williams (1872-1958). "Er hat die Essenz der Schönheit von Englands Landschaft so perfekt in seiner Orchestermusik eingefangen", erklärt er. "Ich bin tief in seine Werke eingetaucht, bevor ich begann, die Musik zu schreiben."

In der Tat ist Wallfischs vielschichtiger Soundtrack reich an Bezügen zum Zeitalter Edwards VII. Er besitzt romantische Empfindungstiefe, versprüht imperiale Weltläufigkeit und lässt immer wieder keltische Wurzeln durchscheinen. Die Meisterschaft seines Schöpfers zeigt sich im sehnsuchtsvoll eingefärbten Orchesterklang, in dem Streicher und Klavier dominieren, und in den kunstvoll gearbeiteten Themen, die korrespondierend mit der Filmhandlung und dem wechselvollen emotionalen Erleben der Figuren vielfältige Entwicklungsstadien durchlaufen.   

Kongeniale Mitwirkung von Yuja Wang

Wo immer es möglich war, hat Benjamin Wallfisch nach eigenem Bekunden darauf verzichtet, nach Timecode zu dirigieren. Das bekommt seiner wunderbar auch ohne Bilder funktionierenden Filmmusik ausgesprochen gut, denn sie besitzt einen lebendig strömenden rhythmischen Fluss, der ungewöhnlich für das Genre ist. Starpianistin Yuja Wang, die als Solistin bei den Aufnahmen mitwirkte, trägt mit ihrer enormen Ausdrucksskala und virtuosem Furor ihren Teil dazu bei, dass diesem Soundtrack das Prädikat "herausragend" gebührt.

Benjamin Wallfischs Originalmusik zum Kinofilm "Summer in February" erscheint am 29.08. bei Deutsche Grammophon.


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