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03.12.2015

KlassikAkzente Jahresrückblick: Die besten Klassik-Alben 2015

Von Avi Avital bis Grigory Sokolov: KlassikAkzente-Redakteur Andreas Kluge wirft mit Ihnen eine Blick zurück auf das ereignisreiche Musikjahr 2015.

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Ho! Ho! Ho! tönt es durch vorweihnachtliche Lande und ich denke: Oh mein Gott, ist es wirklich schon wieder soweit? Die letzte Bescherung war doch gerade erst, den Duft des Gänsebratens habe ich noch in der Nase  und ich weiß noch genau…  ach, lassen wir das. "Time is flying", wie der Engländer sagt, und scheinbar legt sie dabei jedes Jahr noch einen Zahn zu. Und dennoch stellt man sich bei jedem Jahreswechsel immer wieder dieselbe Frage – was bleibt von den zurückliegenden 12 Monaten? Zum Beispiel in der Musik. Da fällt mir als erstes und als grandioser Start ins Jahr 2015 ein russischer Pianist ein, lange schon "im Geschäft", aber immer noch als Geheimtipp gehandelt. Regelmäßige Besuche im Aufnahmestudio? Fehlanzeige. Große Presse-Interviews? Fehlanzeige. Weder das eine noch das andere sind seine Sache. Und dann das: mit der Deutschen Grammophon-Veröffentlichung von "The Salzburg Recital" wird Grigory Sokolov quasi über Nacht zum Bestseller, stürmt die Charts und seine ohnehin immer ausverkauften Konzerte sind es jetzt noch schneller. Die Fachwelt staunt, der Laie freut sich. Und der Kultur-Spiegel titelt: "Ein Wunder zum Neuen Jahr!". Und noch 10 Monate später sprach man davon, als "The Salzburg Recital" einen ECHO Klassik 2015 erhielt.

Apropos ECHO Klassik 2015: Den wichtigsten deutschen Klassik-Preis nahmen auch in diesem Jahr wieder eine ganze Reihe von Künstlerinnen und Künstlern aus dem Hause Deutsche Grammophon & Decca entgegen. Am spektakulärsten gelang dieser Coup wohl drei Newcomern, die jeder für sich genommen schon eine musikalische Wucht, im Dreierpack aber schlichtweg unschlagbar sind: So kam die ECHO-Jury an Avi Avital und seiner Mandoline auf "Vivaldi", Nemanja Radulovic mit seiner Geige und "Journey East" sowie Andreas Ottensamer, seiner Klarinette und "Brahms: The Hungarian Connection" in diesem Jahr einfach nicht vorbei. Dabei hätte man fast vergessen können, dass David Garrett für das Album "Timeless", Elīna Garanča für "Meditation", Riccardo Chailly für "Brahms: Serenades" und Patricia Petibon für "La Belle Execentrique" ebenfalls mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet wurden. Und nicht nur sie: der legendäre Menahem Pressler, Pianist und Gründer des Beaux Arts Trios, wurde für sein Lebenswerk geehrt und dürfte mit seinem berührendem Auftritt lange im Gedächtnis bleiben.

Albrecht Mayer, Publikumsliebling und ungekrönter König an der Oboe, bescherte uns 2015 gleich zwei Alben: mit "Lost And Found" erfüllte er sich einen langgehegten Herzenswunsch und überraschte mit einigen bislang im Dunkel der Musikgeschichte versunkenen Konzerten für sein Instrument. Mit "Bach" wiederum erfüllte er seiner Fangemeinde einen nicht minder langgehegten Wunsch und darf sich ihrer ungebrochenen Sympathie auch weiterhin sicher sein.

Mit einem ungewöhnlichen Projekt meldete sich Stargeigerin Anne-Sophie Mutter im Sommer zu Wort: "The Club Album, Live from Yellow Lounge" heißt ihr erstes Livealbum überhaupt. Aufgenommen im angesagten Berliner Club Neue Heimat im Rahmen von zwei ausverkauften Yellow Lounge-Abenden und vom ZDF co-produziert, avancierte das außergewöhnliche Event-Album mit Anne-Sophie Mutter und Stipendiaten ihrer Musik-Stiftung zu einem sommerlichen Klassik-Hit.

Im Oktober hatte dann auch das Warten auf das lange angekündigte neue Album der jungen russischen Sopranistin und Barock-Wunderstimme Julia Lezhneva ein Ende. Ihr Album "Händel" mit Kompositionen des jungen Georg Friedrich aus seinen italienischen Jahren festigte ihren Ruf als derzeit unschlagbare Barock-Sängerin, was sie mit gleich vier HÄNDEL-Konzerten in Deutschland untermauerte.

Am anderen Ende des Klassik-Spektrums sorgte ein Mann für Furore, der sein Projekt schlicht "SLEEP" nannte und mit nicht weniger als 8 Stunden Aufführungsdauer einen neuen Rekord aufstellte. Max Richter wollte mit seiner originellen Komposition den Beweis antreten, dass klassische Musik nicht nur unfreiwillig, sondern sehr wohl auch freiwillig das Schlafbedürfnis der Hörerinnen und Hörer befördern kann! Während eines einmaligen von BBC 3 organisierten Experiments im Londoner Wellcome Collection's Reading Room überzeugten der Komponist und sein Opus magnum auf der ganzen Linie: "SLEEP" sorgte bei den ausgewählten "Versuchskaninchen" für zufriedenes Schnarchen und tiefen Schlaf gleichermaßen (außer vielleicht bei der unmittelbaren Nachbarin des Schnarchers). Für den kurzen "power nap" hingegen kann ich Max Richters 60-Minuten Variante "From Sleep" nur wärmstens empfehlen!

Und last but not least sorgte ein Superstar an den schwarz-weißen Tasten für den Jahresend-Höhepunkt: Italiens eleganter Vorzeigepianist und Komponist, Ludovico Einaudi, gab sich die Ehre mit seinem neuen Album "Elements". Einschmeichelnde Klavierklänge, unterstützt von einem kleinen Kammerensemble, zeigen den bescheidenen Star von einer neuen Seite, ohne die alte zu vernachlässigen. Getreu dem Titel seines neuen Albums ist Ludovico Einaudi hier ganz in seinem Element.


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