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11.01.2017

Turbulente Zeiten – Elektrisierende Musik aus dem Schicksalsjahr 1917

Deutsche Grammophon hat ein neues Format entwickelt: Klassik-Konzeptalben. Den Auftakt bildet das Doppelalbum "The year 1917 - Music in turbulent times": Musik der bebenden Moderne, verbunden mit ebenso ausführlichen wie spannenden Informationen.

Diverse Künstler, Turbulente Zeiten – Elektrisierende Musik aus dem Schicksalsjahr 1917 © DG

Der sogenannte "Zeitgeist" wandelt sich bekannter Maßen im Laufe der Jahrzehnte und jede Kunst ist von der Atmosphäre, die sie umgibt, geprägt. Ist es eine Stimmung des Aufbruchs? Der Unsicherheit? Oder kommt beides zusammen? Der Geist einer Zeit birgt viele solcher Stimmungen, die sich in der Seele des einzelnen Menschen niederschlagen. Wir spüren, ob wir uns sicher fühlen dürfen, ob wir friedlichen Zeiten und Wohlstand oder Konflikten und Entbehrungen entgegengehen.

Viele Künstler besitzen ein besonderes Gespür für den Zeitgeist, und sie verfügen über ein Medium, das die vielfältigen Gefühlsregungen eines Zeitalters zum Ausdruck bringen kann. Hier setzt Deutsche Grammophon mit diesem Konzeptalbum an. Das Zeitgeschehen eines einzelnen Jahres wird zum Ausgangspunkt genommen, die Musik dieser Zeit tiefer zu durchdringen, Geschichte zum Leben zu erwecken. 

Lehrreiches Format: Klassik-Konzeptalben

Die Musikgeschichte ist unübersichtlich. Sie bietet ein schier unendliches Reservoir an Stilen und Epochen. Das Gelblabel konzentriert sich deshalb mit dem neuen Format auf ein einziges Jahr in der Menschheitsgeschichte und führt die signifikanteste Musik dieses Jahres mit historischen Hintergrundinformationen zusammen. Ein genialer Zug, behält man so doch den Überblick und kann sich voll auf einen konkreten Zeitabschnitt konzentrieren, ohne zeitgeschichtliche Vorkenntnis.

Zum Auftakt dieses faszinierenden Projekts hat sich Deutsche Grammophon ein besonders folgenreiches Jahr erwählt, das für das ganze 20. Jahrhundert prägend werden sollte: 1917, das Jahr der Oktoberrevolution in Russland, das vierte Jahr des ersten Weltkriegs, auch ein Jahr großer kultureller Umwälzungen.

Turbulente Moderne: 1917

Eine wilde Zeit, eine Zeit voller Umbruch. Und in der Musik? Spätromantische Klänge wechseln mit impressionistischen Experimenten ab. Alte Gefühle des Überschwangs, die an Beethoven, Brahms oder Schumann gemahnen, sind noch lebendig und beginnen sich erst allmählich zu verflüchtigen. Werke wie Prokofieffs "Violinkonzert Nr. 1 in D-Dur" oder Frank Bridges "Cellosonate in d-Moll" verabschieden das 19. Jahrhundert. Doch wieviel träumerische Sehnsucht, wieviel Romantik klingt hier noch nach!

Zugleich spürt man ein Flirren, nervöse Zeichen des Übergangs machen sich bemerkbar. So unbefangen lässt sich nicht mehr träumen. Andererseits kann man aus der gereizten Atmosphäre auch eine Kunst der spannungsvollen Erwartung zaubern, wie Gustav Holsts "The Planets" oder Saties impulsive Musik zu dem skandalträchtigen Ballett "Parade – Ballet réaliste" zeigen. Dass der Erste Weltkrieg in der Sammlung vorkommen muss, versteht sich von selbst, und so hört man mit Schaudern die Lieder über den Krieg von Hanns Eisler und Charles Ives.

Meisterwerke von Bartók, Debussy, Ravel und Schostakowitsch vervollständigen das Bild einer jungen Moderne, die noch unentschieden ist und voller innerer Unruhe. Davon handelt auch das Booklet zur Sammlung, das den spannungsgeladenen Geist von 1917 eindrucksvoll dokumentiert. Der glänzende Begleitessay von Michael Stegemann erzählt die Geschichten hinter der Musik, und die Fotos veranschaulichen das zeithistorische Geschehen. So wird Geschichte erleb- und hörbar.    


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