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19.01.2017

Aristokrat des Cellos – Gesamtedition von Pierre Fournier

Er galt als nobler "Grandseigneur unter den Cellisten von Weltruf" (Die Spiegel). Jetzt veröffentlicht Deutsche Grammophon sämtliche Aufnahmen, die Pierre Fournier für das Gelblabel getätigt hat, darunter Klassiker wie Bachs Cellosuiten.

Diverse Künstler, Aristokrat des Cellos – Gesamtedition von Pierre Fournier © Siegfried Lauterwasser / DG

Sein Ton war von einer solchen Wärme und poetischen Ausdruckskraft, dass sein Publikum kaum genug davon bekommen konnte. Selbst Klassikfans, die von Haus aus keine besondere Nähe zum Cello haben, zog er in seinen Bann. Pierre Fournier verstand es, sich ganz auf die Musik zu konzentrieren. Wenn er Cello spielte, dann gab es nichts um ihn herum, und dieser Grad an Aufmerksamkeit, an absoluter Fokussiertheit vermittelt sich glänzend in seinen Aufnahmen.

Fournier galt als ebenso höfliche wie unnahbare Persönlichkeit. Umgeben von einer geheimnisvollen Aura, avancierte der Franzose in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Idol der musikalischen Jugend. Seine Kompromisslosigkeit im Dienste der Kunst und seine kühle Eleganz nötigten dem Publikum weltweit Respekt und Bewunderung ab. Wo er hinkam, löste er Begeisterung aus. Dabei verlor er nie den Boden unter den Füßen, sondern suchte stets das richtige Maß.

Jahrhundertcellist: Pierre Fournier (1906–1986)

Auf diese Weise schrieb er Musikgeschichte. Pierre Fournier gilt heute als einer der größten Solisten des 20. Jahrhunderts, seine zeitlosen Aufnahmen verlangen geradezu nach einer umfassenden Ausgabe, die sein Gesamtschaffen in den Blick nimmt. Eine solche liegt jetzt vor. 65 Jahre nach seiner ersten Aufnahme für Decca veröffentlicht Deutsche Grammophon jetzt in einer limitierten Edition sämtliche Einspielungen, die der französische Meistercellist für das Gelblabel, für Decca und für Philips getätigt hat.

Das Resultat ist überwältigend. Wenn man die insgesamt 25 CDs durchhört, wird man von einer Klangschönheit zur nächsten geführt. Pierre Fournier beherrschte das Cello nach allen Regeln der Kunst. Er erkundete sämtliche Ausdrucksmöglichkeiten, die das Instrument ihm bot. Legendär: seine Interpretation der Cellosuiten von Johann Sebastian Bach. Hier bewährt sich die noble Distanz seines Spiels. So intim und individuell er die Cellosuiten interpretiert, er drängt sich nie in den Vordergrund. 

Sanglicher Ton: Hinreißender Spielfluss

Dabei gelingt es ihm mit seinem uneitlen, schnörkellosen Spiel, die erstaunliche Modernität Bachs zu demonstrieren. Nicht minder beeindruckend ist das weitverzweigte romantische Repertoire, das sich in der neuen Sammlung findet.

Egal ob Fournier Beethoven, Brahms oder Schubert, Chopin, Tschaikowsky oder Richard Strauss spielt – stets erschließt er mit schlafwandlerischer Sicherheit den Sinn des jeweiligen Werks und birgt dessen klanglichen Schatz. Sein kontrollierter Zugang versperrt ihm dabei keinesfalls das leidenschaftliche Potenzial der Romantik.

Im Gegenteil, lässt der sangliche Ton, für den er berühmt war, gefühlsstarke Musik umso schöner und klarer erscheinen. Es ist, als wollte er mit dem Cello sagen: Man braucht sich seiner Gefühl nicht zu schämen, und jedes starke Gefühl gründet in einer schönen Melodie. Dafür steht Pierre Fournier, und das macht die jüngste Ausgabe so attraktiv.

Hinzu kommt der edle Rahmen von "The Pierre Fournier Edition. Complete Recordings on Deutsche Grammophon, Decca & Philips". Die Ausgabe enthält ein 64-seitiges Booklet mit einem glänzenden Begleitessay von Jürgen Ostmann. Die CD-Hüllen sind den Covern der Ersterscheinungen nachgebildet, und die seltenen Fotos Pierre Fourniers gewähren faszinierende Einblicke in eine charismatische Künstlerpersönlichkeit.       


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