Backstage
Diverse Künstler BACKSTAGE EXCLUSIV

News

12.04.2017

Held der Karajan-Ära – Ausnahmegeiger Thomas Brandis gestorben

Wie kaum ein anderer Orchestermusiker garantierte er für die hohe Klangkultur der Berliner Philharmoniker während der Karajan-Zeit. Jetzt ist der berühmte Geiger Thomas Brandis im Alter von 81 Jahren gestorben.

Diverse Künstler, Held der Karajan-Ära – Ausnahmegeiger Thomas Brandis gestorben © Lothar Winkler

Der virtuose Geiger, hochgeschätzte Violinpädagoge und passionierte Kammermusiker Thomas Brandis ist tot. Wie die Berliner Philharmoniker und die Musikhochschule Lübeck mitteilten, starb der Ausnahmegeiger am 30. März im Alter von 81 Jahren.

Musikalische Lichtgestalt: Thomas Brandis (1935–2017)

Thomas Brandis war eine musikalische Lichtgestalt der Bundesrepublik. Der 1935 in Hamburg geborene Musiker war mit allen Gaben gesegnet, die ein großer Geiger braucht: poetisches Feingespür, technisches Geschick und eine ungeheure Disziplin, die ihn stets antrieb, an seinen extrem hohen Ansprüchen festzuhalten und beim lebenslangen Üben nie nachzulassen. Dazu besaß er Herzensbildung und die Ausstrahlung einer natürlichen Autorität, die ihn zum Violinpädagoge prädestinierten.

"Er war", so die in Weimar lehrende Violinpädagogin Anne-Kathrin Lindig, "in jeder Hinsicht ein Vorbild, als Musiker, als Pädagoge und vor allem auch als Mensch." Bekannt war er für seine unerbittliche Strenge. Sie diente jedoch einzig und allein der musikalischen Qualität. Thomas Brandis war frei von jeder Allüre. Er hätte sich als großer Geiger in Szene setzen können, aber er zog es vor, in der Musik zu glänzen. Und dass er das tat, davon zeugen nicht zuletzt seine unvergessenen Aufnahmen.

Glänzende Aufnahmen: Vermächtnis eines Ausnahmegeigers

Knut Weber, Mitglied im Orchestervorstand der Berliner Philharmoniker, erinnert an die bleibenden Aufnahmen von Thomas Brandis. Das Spektrum reicht, so der österreichische Cellist, "von Mozarts Haffner-Serenade bis Also sprach Zarathustra von Richard Strauss." Dabei "offenbarte sein Spiel", so Weber weiter, "die Qualitäten der Berliner Philharmoniker während der Karajan-Jahre. Mit einem singenden, vollen Ton und einem unfehlbaren Gespür für musikalische Dramaturgie."

Seinen ureigenen Ideen konnte Thomas Brandis, der von 1962 bis 1983 Erster Konzertmeister der Berliner Philharmoniker war, in der Kammermusik nachgehen. Mit dem Brandis Quartett erfüllte er sich 1976 seinen Traum vom eigenen Ensemble, das bis 2002 fortbestand. Der Klang des Ensembles ist von schwebender Eleganz und in seiner Konzentriertheit elektrisierend modern. An der Seite von Peter Brem (Geige), Wilfried Strehle (Bratsche) und Wolfgang Boettcher (Violoncello) entfaltete Brandis seine ganze Spielkunst.

Dass er dabei ein Teamplayer blieb, ist besonders schön zu erleben in Mendelssohns schwungvollem Oktett in Es-Dur. Die bei Deutsche Grammophon erschienene Aufnahme mit dem Brandis Quartett und dem Westphal Quartett bringt den unaufdringlichen, sanglichen Ton von Thomas Brandis glänzend zur Geltung. Eine berührende Erinnerung an einen Künstler, der wie kaum ein zweiter Geiger Leidenschaft, Poesie und Perfektion zu verbinden wusste.    


KOMMENTARE

Kommentar speichern