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03.08.2017

11 Fakten über Dirigenten: Wilhelm Furtwängler

In der vierten Folge unserer redaktionellen Reihe "11 Fakten über Dirigenten" beschäftigen wir uns mit dem Leben und Wirken Wilhelm Furtwänglers.

Diverse Künstler, 11 Fakten über Dirigenten: Wilhelm Furtwängler © DG

Leonard Bernstein, Carlos Kleiber und Claudio Abbado bildeten den Fokus der ersten drei Folgen unserer Serie "11 Fakten über Dirigenten". Heute widmen wir uns dem Schaffen eines Dirigenten, der wie kaum ein anderer zur musikalischen Kristallisationsfigur des 20. Jahrhunderts wurde: Wilhelm Furtwängler.

1. Wilhelm Furtwängler kam am 25. Januar 1886 in Berlin Schöneberg, am dortigen Nollendorfplatz, zur Welt. Sein Vater war der hochangesehene klassische Archäologe Adolf Furtwängler, der später nach München berufen wurde, wo Wilhelm seine Jugendzeit verbrachte und auf dem humanistischen Gymnasium erste Bildungsschritte unternahm.

2. Zu den Klavierlehrern des schon früh für Musik schwärmenden Jünglings zählten mit Josef Gabriel Rheinberger und Conrad Ansorge schillernde Gestalten des Musiklebens um 1900: Josef Rheinberger als bedeutender Orgelkomponist der Romantik und Conrad Ansorge als Meisterschüler von Franz Liszt.

3. Wilhelm Furtwängler war ab 1922 Chefdirigent des Berliner Philharmonischen Orchesters. 1945 erteilte die amerikanische Besatzungsmacht ihm Berufsverbot. Dem engagierten Einsatz seiner jüdischen Sekretärin und jüdischer Musikergrößen wie Yehudi Menuhin ist es zu verdanken, dass er im Jahre 1947 freigesprochen wurde. Am 25. Mai desselben Jahres dirigierte er erstmals wieder ein Konzert der Berliner Philharmoniker.

4. Furtwänglers Wirken während der Nazi-Zeit ist insgesamt umstritten. Den einen gilt er als mutiger Gegner der Nazis, der sich nachgewiesenermaßen für jüdische Kollegen einsetzte. Andere beklagen, dass er sich dem Regime andiente und während der Nazi-Zeit Karriere machte. Er selbst sagt, dass seine hohen Posten ihm halfen, notleidenden Kollegen unter die Arme zu greifen.

5. Mit Blick auf die Ausgrenzung jüdischer Musiker schrieb Wilhelm Furtwängler am 11. April 1933 in einem offenen Brief an Joseph Goebbels: "Nur einen Trennungsstrich erkenne ich letzten Endes an: den zwischen guter und schlechter Kunst."

6. István Szabó behandelt in seinem Spielfilm "Taking Sides – Der Fall Furtwängler" (2001, Drehbuch: Ronald Harwood) die Situation des Künstlers in der Diktatur. Ohne jede Parteinahme setzt der Film das Verhör der amerikanischen Besatzungsmacht mit dem Dirigenten in Szene.  

7. Wilhelm Furtwängler war nicht nur Dirigent, sondern auch Komponist. Unter den zeitgenössischen Dirigenten bringt vor allem Daniel Barenboim dem kompositorischen Schaffen Wilhelm Furtwänglers Sympathien entgegen.

8. Für den renommierten Musikkritiker Joachim Kaiser war Wilhelm Furtwängler der größte Dirigent aller Zeiten.     

9. Wilhelm Furtwängler ist der Großonkel der deutschen Schauspielerin und Ärztin Maria Furtwängler, die als Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm einem größeren Fernsehpublikum bekannt ist.

10. Furtwängler war zweimal verheiratet. Als er im Jahre 1923 die Dänin Zitla Lund heiratete, brachte er vier außereheliche Kinder in die Ehe mit ein. Im Jahre 1943 ließ er sich von Zitla Lund scheiden und heiratete Elisabeth Ackermann. Am 11. November 1944 ging aus dieser Ehe sein Sohn Andreas hervor. Der Sohn des Dirigenten ist, wie sein Großvater, klassischer Archäologe.   

11. Wilhelm Furtwängler starb am 30. November 1954. Er wurde auf dem malerisch gelegenen Heidelberger Bergfriedhof begraben. Dort fanden viele Geistesgrößen wie der Soziologe Max Weber oder der Literaturwissenschaftler Friedrich Gundolf ihre letzte Ruhe. 


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