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08.12.2009

Interview mit Verleger und Produzent Dennis Ehrhardt

Das folgende Interview mit dem Verleger und Produzenten Dennis Ehrhardt stammt aus dem Gothic Magazine No. 64 (2009):

 

 

Zur Einstimmung ein paar geschichtliche Fragen: Was fasziniert dich selbst an Horror und Grusel?

 

Der Thrill, das Unheimliche, das Unvorhersehbare und Rätselhafte.


Welche Filme, Geschichten, Bücher, Hörspiele, Serien haben dich am meisten geprägt?

 

Auf jeden Fall „Macabros“, im Buch wie auch als Hörspiel. Ich hab mir als Kind immer vorgestellt, dass ich mich wie Macabros verdoppeln und meinen „Ätherkörper“ in die Schule schicken kann, während ich selbst im Bett bleib. :-)


Welches Medium bietet deiner Meinung nach den besten Nährboden für Horror?

 

Ich interessiere mich immer zunächst für die Geschichte selbst. Wenn sie gut ist, kann sie in jedem Medium erzählt werden.


Ernst Vlceks DORIAN HUNTER („Dämonen-Killer“) ist das Zugpferd des Zaubermond Verlags – mit ihm habt ihr 1994 angefangen, die einstigen Romanhefte im gebundenen Buchformat wiederzuveröffentlichen und weiterzuführen. Was bedeutet der Dämonen-Killer dir persönlich?

 

Sehr viel. DH war die erste Serie, an der ich als Autor, Redakteur und später Verleger mitgearbeitet habe, und ist bis heute das Herzstück des Verlags.


Wie kam es zur Umbenennung von „Dämonen-Killer“ zu DORIAN HUNTER?

 

Das war ein Zugeständnis an den Buchhandel, der so was Üblem wie einem „Dämonen-Killer“ nix zu tun haben wollte. Mittlerweile führt ja jeder Buchhändler zähneknirschend Fantasy, weil’s Geld bringt, aber vor 15 Jahren, als Zaubermond angefangen hat, waren wir so was wie Aussätzige. Tja.


Auf den ersten Blick mag man sagen, aha, noch ein Dämonenjäger. Was macht DORIAN HUNTER so besonders, dass ihr selbst euch an die Audioproduktion gewagt habt?

 

Dorian Hunter ist kein Agent wie Larry Brent. Kein Geisterinspektor wie John Sinclair. Er bekämpft die Dämonen nicht, weil es sein Job ist, sondern weil sie seine Frau auf seinem Gewissen haben. Er ist ruhelos und verrennt sich in seiner Verzweiflung oft selbst. Er ist ein Getriebener. Und vor allem immer nur ein Mensch.


Wie sah euer Masterplan aus, um eure Hörspiele explizit von bestehenden Produktionen zu abzuheben?

 

Mit Hunters Person, seinem düsteren Umfeld, seiner Geschichte und seinen Erlebnissen ist die Serie bereits charakterisiert. Die Hörspiel-Adaption macht dann bestimmte Elemente von DORIAN HUNTER – die Verzweiflung, das Dunkle, das Unheimliche – mit ihren eigenen Möglichkeiten wie Stimmen, Sound, Musik hörbar. Wir finden, HUNTER muss im Hörspiel genauso klingen, wie es jetzt klingt. Und erfreulicherweise finden die Hörer das auch.


Im Hintergrund läuft folgenübergreifend die Story um Dorians Albträume von einem französischen Baron, der im Mittelalter den Teufel anruft. Offenbar ein wichtiges Motiv der Serie, mit dem der DH-unkundige Hörer im Moment noch nicht viel anfangen kann. Wie lange soll sich die Aufklärung hinziehen, ohne dass besagter Endlosrätseleffekt langweilt?

 

Wir variieren die Einblendungen und geben immer ein Stück mehr vom Rätsel preis, so auch wieder in Folge 6, die demnächst erscheint. Die endgültige Auflösung gibt es in Folge 10. Ohne zu viel verraten zu wollen: Die Teufelsbeschwörung des Barons de Conde im Jahr 1484 spielt für die Serie eine solch entscheidende Rolle, dass wir diesem Handlungsstrang absichtlich mehr Gewicht als in den Romanen gegeben haben ...


Wie lange werdet ihr die Serie in Buch und Hörspiel fortführen?

 

Solange die Leser und Hörer das wollen.


DORIAN HUNTER ist schon im Roman deutlich brutaler und sexuell expliziter als seine Kollegen SINCLAIR, BALLARD oder ZAMORRA. Bei den Romanen hat das ja auch zu einigen Indizierungen geführt. Wie extrem darf es für dich im Hörspiel zugehen?

 

So extrem, wie es für die Story sinnvoll ist. Wir machen keine Kompromisse. Dorian Hunter ist ab 16 Jahren empfohlen, und da geht es eben nicht zu wie bei Hanni und Nanni auf dem Pferdehof, ist ja klar.


Was bedeutet dir die Aufregung um anstößige Szenen wie jene in Folge 3, in der der „Puppenmacher“ eine lebende Puppe sexuell missbraucht?

 

Verstörend ist in dieser Szene nicht nur die Handlung an sich, sondern die großartige schauspielerische Leistung von Udo Schenk. Er spielt den Puppenmacher so brutal und gleichzeitig so sensibel-narzisstisch, dass man vor dieser Figur einfach Angst bekommen muss. Und genau das war der Zweck dieser Szene. Sie war storytechnisch notwendig.


Wie eng arbeitest du mit Dialogbuchautor Marco Göllner zusammen? Hat er Vorgaben, wie nah er sich an die Originalromane halten soll?

 

Marco hat völlig freie Hand, was allerdings auch daran liegt, dass er die Serie versteht und so großartig umzusetzen weiß. Wenn er ein Skript fertig gestellt hat, besprechen wir die kritischen Stellen, ändern, stellen um, kürzen oder verlängern. Das ist ein kreativer Prozess, bei dem man am Ende nie genau sagen kann, wie viel Prozent jetzt der eine dazu gegeben hat und wie viel der andere. Bei Folge 8 habe ich zum Beispiel am Skript mitgeschrieben, weil wir da eine Vergangenheitshandlung eingebaut haben, die es im Roman nicht gibt. Die anderen Skripte hat Marco bisher allein verfasst.


Auch DORIAN HUNTER führt das Publikum in eine bizarre Welt. Hexen und Dämonen leben in der mafiaähnlichen Clanstruktur der „Schwarzen Familie“ unter den Menschen. Auch Dorian rächt sich zunächst an seinen dämonischen Brüdern, die seine Frau Lilian in den Wahnsinn getrieben haben. Ist die Familie der Brutplatz des wahren Horrors oder wie darf man das verstehen?

 

Jetzt, da du es sagst … Das ist für mich tatsächlich die einzig logische Erklärung. :-)


Sehr sympathisch finde ich die kurzen Anekdoten zu den an der Hörspielproduktion Beteiligten. Im Booklet jeder Folge wird ein Beteiligter mit seinem persönlichen Bezug zu DORIAN HUNTER kurz vorgestellt. Wie kam es zu der netten Idee?

 

Es gibt halt auch die Mitwirkenden „hinter“ dem Mikrofon, den Regisseur, die Autoren usw. Deren Anteil möchten wir den Hörern nahebringen. Und wir hatten noch Platz im Booklet. :-)


Zwei neue Vertonungen stehen bei euch schon auf dem Menü. Wird es auch ein Wiederhören mit COCO ZAMIS oder DAS VOLK DER NACHT, ehemals VAMPIRA, aus eurer Produktionsstätte geben?

 

Außer „Leon Traumgänger“ und den Kai-Meyer-Hörspielen um die Brüder Grimm, die beide im Herbst erscheinen, haben wir im Moment nichts geplant.


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