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15.03.2010

Interview mit dem Dorian Hunter-Erfinder Kurt Luif

Kurt Luif und Heinz Vlcek

(Ernst Vlcek und Kurt Luif)

 

 

Kurt Luif entwickelte 1973 unter dem Pseudonym Neal Davenport und zusammen mit Ernst Vlcek die DORIAN HUNTER-Serie – die damals im Pabel-Moewig Verlag noch unter dem Titel »Dämonenkiller« lief.

Gemessen an den Verkaufszahlen je Roman der Erstauflage, ist der »Dämonenkiller« bis heute und noch vor »John Sinclair« die erfolgreichste Gruselserie. Einzig die Indizierung von insgesamt vier Romanen durch die Bundesprüfstelle machte ihm 1977 den Garaus.

Doch die Fans haben die Serie nicht vergessen. Im Zaubermond Verlag erscheinen neben einer Neuauflage seit 15 Jahren neue Romane um Dorian Hunter und die Hörspielserie wurde  mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als „Beste Serie“.




Im Folgenden eine gekürzte Fassung des Interviews mit Kurt Luif, das im Zaubermond-Lesermagazins »MysteryPress« erschien:


Lieber Kurt, die Leser der MP haben immer wieder nach dir gefragt – was du heute machst, warum du nicht mehr für den DK schreiben möchtest ... Beginnen wir zum Einstieg vielleicht mit der einfachsten Frage: Hast du die Entwicklung der Serie während der letzten Jahre verfolgt?


Ich habe mich lange geweigert, einen der neuen Romane zu lesen, aber das hat eher mit den alten Geschichten zu tun und wie die Serie damals bei Pabel zu Ende ging. Erst kürzlich habe ich mich über einen der neuen Romane gewagt, »Der Tempel des Chuenptah«. Alle Achtung, ein sehr spannender, teilweise sogar stimmungsvoller Roman, die Szenen im alten Ägypten gefielen mir besonders gut. Gratulation!


Man hört, dass dich die Einstellung der »Dämonenkiller«-Serie noch heute schmerzt. Wie genau hast du diese Entscheidung damals erlebt?


In der ersten Januarwoche 1977 wurde uns Autoren mitgeteilt, dass sogar eine Neuauflage herausgebracht werden sollte. Am 14.1.77 schrieb mir Herr Bernhardt vom Pabel-Verlag dann auf einmal, dass man zwei Indizierungsanträge vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen habe – für die Romane »Amoklauf« und »Die Braut der Bestie«. In der Anklageschrift zu »Die Braut der Bestie« wurde auch noch auf etwas anderes hingewiesen. »Nur am Rande sei erwähnt, dass auch von dem Einschub ›Dämonenkiller informiert‹ [die »Dämonenkiller«-Leserseite, d. Red.] eine nicht zu unterschätzende Jugend­gefährdung ausgeht. In dieser Fortsetzungsserie dienen historisch äußerst vereinfachte Darstellungen über Hexenverfolgungen in früheren Jahrhunderten dazu, weitere Brutalitäten und Sadismen zu schildern.« Tja, die Kirche hat es noch immer nicht gern, wenn man auf ihre Verbrechen hinweist.


Und wegen dieser beiden Indizierungen wurde die Serie vom Markt genommen?


Das war die Entscheidung des Pabel-Verlags. Es gab ja noch zwei weitere Indizierungen, und das bedeutete, dass die Serie zwar weitergeführt, aber nicht mehr an Jugendliche verkauft und nicht mehr öffentlich beworben werden durfte. Das bedeutete aus wirtschaftlicher Sicht das Ende.


Der »Dämonenkiller« lief zunächst als Subserie im »Vampir-Horror-Roman« des Pabel-Verlag und sollte eigentlich nur zehn Romane umfassen. Wie kam es dazu, dass dann doch ein solches Projekt daraus wurde?


Die Verkaufszahlen waren so gut, dass man im Verlag beschloss, die Serie fortzuführen. In Band 12 gab es eine Umfrage, die so große Resonanz fand, dass der »Dämonenkiller« ab Band 18 sogar als eigenständige Serie lief. Klar hätten wir am Anfang einiges anders gemacht, wenn wir das vorher gewusst hätten. Aber eigentlich bin ich insgesamt ganz zufrieden.


Offiziell hat ja Ernst die Exposés allein geschrieben, aber wie lief die Arbeit daran genau ab?


Er schrieb die erste Nummer, und als die angenommen war, setzten wir uns zusammen. Später arbeitete er die weiteren Expos aus. Aber vorerst mussten noch einige Dinge geklärt werden … Bei Heyne gab es eine Serie namens »Mafia-Killer«, daraus wurde der »Dämonenkiller«. Ich war vier Wochen in London gewesen, da nahmen wir einfach die Baring Road, dort hatte ich gewohnt. Sonderlich viel Gedanken hatten wir uns damals nicht gemacht, es sollte ja wie gesagt nur um zehn Bände gehen.


Hast du eine Lieblingsfigur in der Serie?


Natürlich die Hexe Coco Zamis, bei deren Charakterentwicklung ich mich gegenüber Ernst durchgesetzt habe. Gott sei Dank.


Ernst hat einmal bestätigt, dass der Vorname »Coco« auf seinem Mist gewachsen ist. Der Nachname »Zamis« dagegen kam von dir.


Das stimmt. Ich hatte ein Mädchen namens Eva Zamis kennengelernt, das eine Blondine war, und als wir über den Namen der Hexe beratschlagten, schlug ich »Zamis« als Familiennamen vor. »Eva« kam natürlich nicht in Frage. Ernstl akzeptierte ihn, und er wollte Coco als Vornamen. Der gefiel mir nun gar nicht, aber er bestand darauf, und ich hatte mich bald an ihn gewöhnt.Zu deutlich ist mir noch in Erinnerung, wie wenig Ernstl von meiner Beschreibung von Coco Zamis in Band 2, als sie Hunter kennenlernt und verführt, begeistert war: »Wie eine billige Hure hast du sie agieren lassen, das habe ich mir ganz anders vorgestellt«, wütete er am Telefon. Irgendwann platzte mir dann der Kragen, und ich sagte ihm, er solle zum Teufel gehen … Ich könne es nicht besser und er solle sich seine Expos  in den — ... Ich glaube noch immer, dass ich Coco gut getroffen habe … Bei unserem nächsten Treffen waren wir beide wieder gesittet.


Dann habt ihr die Serie im großen und ganzen also zu gleichen Teilen entwickelt?


Erst ab der Nummer 12 steuerte ich einige Ideen bei. Band 13 und 14 gehörten dazu. Und dann immer stärker, als der »Dämonenkiller« zur eigenen Serie wurde. Aber damit man mich nicht falsch versteht, der wichtigere Ideenlieferant war Ernstl.


Wie viel Kurt Luif und wie viel Ernst Vlcek steckt in den Figuren, die in der Serie eine Rolle spielen? Gibt es reale Vorbilder für Dorian Hunter, Coco Zamis etc.?


Das mit Coco habe ich ja schon geschrieben. Schwarzhaarig musste sie sein, vollbusig auch. Sinnliche Stimme. Für mich sah sie wie Liz Taylor aus – nicht die ganz Junge, die ist zum Kotzen, sondern so, wie sie mit Mitte 20-30 war. Das war ihr Aussehen – wie sie dagegen agieren sollte, das war uns anfangs sicherlich völlig unklar. Da hatten wir auch unterschiedliche Ansichten, aber letztendlich haben wir wohl eine ganz gute Lösung gefunden, oder? Was Dorian angeht, da soll es eine TV-Serie gegeben haben, in der der Held einen Schnauzer hatte. Aber uns war das Aussehen von Hunter egal. Ein Macho sollte er sein, kein Weichei. Seine Laster hat Hunter natürlich von uns. Wir rauchten beide Kette, und ich trank viel Bourbon, Ernstl eigentlich alles. (Das Rauchen habe ich mir nicht abgewöhnt, aber das Saufen. Alkohol schmeckt  mir nicht mehr!)



Wie siehst du die Entwicklung der Serie in den letzten Jahren? Durch die Hörspiele hat DORIAN HUNTER natürlich eine Menge neuer Fans gewonnen. Kennst du dich umgekehrt auf dem Hörspielmarkt aus?


Überhaupt nicht. Ich hatte zuvor noch nie ein Horror-Hörspiel gehört! Als ich die Belege von Dennis Ehrhardt bekam, hielt ich die erste Nummer misstrauisch in Händen. Die Aufmachung gefiel mir. Ich hörte kurz rein, das war es aber auch schon. Dann kam die zweite CD, da hatte Coco ihren ersten Auftritt … Coco war weit weniger schlimm besetzt, als ich befürchtet hatte. Mit jeder weiteren Nummer fand ich die Serie besser. Kurz gesagt, ist es genial, was Marco Göllner daraus gemacht hat. Schon die erste Folge war sehr gut gestaltet, das Gespräch mit Helnwein … und dann der Aufritt von Marvin Cohen in Folge 7 – ein Geniestreich. Meine Romanvorlage war ja eher schwach, das Expo von Ernstl noch dürftiger. Das Hörspiel ist da um eine Klasse besser. – Die Nummer 8 gefiel mir nicht so gut, aber auf Nummer 9 freue ich mich schon. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich, vor Grauen geschüttelt, den Roman geschrieben habe. Und das Grauen schien auf die Redakteurin Sybille Illfeld übergeschwappt zu sein. Sie rief mich schockiert an. So was Grauenhaftes habe sie noch nie gelesen, ob ich den Verstand verloren hätte, das könne man so nicht bringen etc. Sie entschärfte es dann, ist aber noch immer nichts für schwache Nerven, oder?


Die Handlung von Folge 9 weist Parallelen zu einem frühen »John Sinclair«-Roman mit dem Titel »Das Rätsel der gläsernen Särge« auf. Dort bekommt Sinclair es ebenfalls mit Ghouls zu tun, und Opfer landen bei lebendigem Leib in gläsernen Särgen. Bei ersten Rezensionen von Folge 9 tauchte dementsprechend die Frage auf, ob du dich hier von »John Sinclair« hast inspirieren lassen.


Von »John Sinclair« konnte ich mich nicht inspirieren lassen, da ich ihn damals, 1974, schlicht und einfach nicht kannte. Ich hatte für Bastei zwar den »Gespenster-Krimi« Nr. 46, »Das Dämonenhaus« verfasst, ansonsten interessierte mich jedoch überhaupt nicht, was dort oder bei anderen Heftverlagen erschien.


Zudem erschien der »Sinclair«-Roman »Das Rätsel der gläsernen Särge« ca. ein halbes Jahr nach »Im Labyrinth des Todes«, nämlich im Juli 1974.


Ich bin kein Hellseher, aber vielleicht hat sich Jason Dark ja ein paar Anregungen geholt ...


Wie fällt dein bisheriges Fazit zu den DORIAN HUNTER-Hörspielen aus?


Mir fehlen zwar die Vergleichsmöglichkeiten, aber ich habe mich im Internet informiert, und die anderen Serien müssen ja ziemlich schwach und dümmlich sein. Da ist Dorian Hunter eine ganz andere Ware. Das ganze Team ist großartig, auch Claudia-Coco, aber Thomas Schmuckert ist ein Volltreffer, so haben sich Ernstl und ich Dorian Hunter vorgesellt. Marco Göllner ist ein wahrer Künstler, weiter so!


Meinst du, dass der Geist der Serie mit den Stimmen, der Musik, den Coverillustrationen gut getroffen wurde?


Ja, das passt alles wunderbar zusammen!


Im Mai wird Folge 10, »Der Folterknecht«, übrigens live in Hamburg (23.5.) und Berlin (25.5.) aufgeführt. Karten gibt es unter www.zaubermond.de. Wirst du dabei sein?


Nein, ich reise nicht gern.


Die Fans wollen, dass ich diese Frage stelle, obwohl wir die Antwort schon ahnen: Juckt es dich hin und wieder in den Fingern, noch einmal zur Feder zu greifen und vielleicht sogar einen »Dämonenkiller«-Roman zu verfassen?


Nein, es juckt mich nicht. Einigen Fans ist ja bekannt, dass ich kaum meine eigenen Romane lese. Vor ein paar Wochen habe ich dann doch wieder mal einen alten DK von mir gelesen, und ich war begeistert, wie ich das damals geschrieben hatte. Das ist Vergangenheit. Und soll es auch bleiben.



Das vollständige Interview findet ihr im kostenlosen Zaubermond-Lesermagazin „MysteryPress“ Ausgabe März 2010, zu beziehen über den Zaubermond-Verlag.

 


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