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01.10.2012

Eagle-Eye Cherry

"Er meldet sich zurück!" – Bei vielen Künstlern dient diese gern bemühte Floskel schon bei einer Zeitspanne von ein bis zwei Jahren zwischen der Veröffentlichung von zwei Alben dazu, um zu signalisieren: es gibt was Neues! Bei Eagle-Eye Cherry liegt der Fall etwas anders.

Er ist ohne Zweifel ein Künstler mit einer der Stimmen, die in den späten 90er und frühen Nuller-Jahren im internationalen Musikzirkus mit dem größten Wiedererkennungswert gesegnet waren. Sein Debütalbum "Desireless" aus dem Jahre 1998 setzte sich direkt nach Veröffentlichung 29 Wochen lang in den Charts fest – nicht zuletzt aufgrund der starken ersten Single des Albums "Save Tonight". Ein Song, der – würde es diese Plakatierung auch für Musik geben – mittlerweile zum "Weltkulturerbe" zu zählen wäre. Der weltweit erfolgreiche Hit dominierte 26 Wochen lang die Verkaufscharts und hielt sich ganze 31 Wochen in den Airplay-Hitlisten, davon 15 Wochen lang in den Top Ten.

Auch die Singles der Nachfolge-Alben "Living In The Present Future" (2000) und "Sub Rosa" (2003) schafften allesamt Platzierungen in den Airplaycharts, dazu gehören die Singles "Falling In Love Again", "Are You Still Having Fun" und "Long Way Around", die er gemeinsam mit seiner Halbschwester Neneh Cherry aufnahm. Das Hamsterrad drehte sich für Eagle-Eye Cherry. Es wurde schneller und schneller. Während viele andere Kollegen im Musikbusiness sich in solchen Zeiten keine Zeit mehr zum Luft holen nehmen und sich bis zum plötzlichen Kollaps verzehren, trat Eagle-Eye Cherry auf die Bremse und aus besagtem Hamsterrad raus.

"Es war einfach an der Zeit, ein bisschen Abstand zu gewinnen", reflektiert der am 7. Mai 1968 in der schwedischen Hauptstadt Stockholm als Sohn der Musiker Don und Moki Cherry geborene Eagle-Eye Cherry nachdenklich. "Ich kam gerade von einer großen Live- und Promotion-Tournee für meine dritte Platte und fühlte regelrecht, wie ich anfing auszubrennen."

Nun, fast sieben Jahre später, taucht er aus seinem selbst gewählten Exil wieder auf. Und ein "Er meldet sich zurück!" bekommt auf seinem neuen Album "Can‘t Get Enough"; eine andere Bedeutung. "Der Gedanke, dass Zeit relativ ist, ergibt für mich heute mehr Sinn denn je", erklärt er. "Es fühlt sich gar nicht so lange an, aber wenn ich darüber nachdenke, bin ich doch überrascht, wie viel Zeit vergangen ist. Mein Leben hat sich komplett verändert, während ich weg war ", fährt er fort, "genau wie die Musikindustrie ..."

In diesen sieben Jahren ist viel passiert. "Als wir uns gerade richtig in die Aufnahmen für dieses Album reingekniet haben, ist meine Mutter [die schwedische Künstlerin Moki Cherry] völlig unerwartet gestorben. Das brachte alles zum Stillstand", blickt Cherry zurück. Das Interessante ist, als mein Vater starb [der wegweisende, schwer einzuordnende Trompeter und Multi-Instrumentalist Don Cherry] fing ich gerade an Musik zu machen – mir fehlte der Fokus, ich suchte meinen Weg. Als wir ihn verloren, stellte ich fest, dass er so viel in seinem Leben für Musik und andere Bereiche getan hatte, dass ich es ihm schuldete, mich zusammenzureißen. Ich musste aufhören, meine Zeit zu verschwenden und vorankommen. So entstand mein erstes Album. Das Gleiche passierte, als meine Mutter starb: Ich wusste, ich muss raus und mich an die Arbeit machen."

Das Ergebnis dieser Arbeit ist das konzentrierteste, dynamischste Werk der gesamten Karriere des Singer-Songwriters Cherry. Ein unwiderstehlich direktes Album, das technisch einwandfreies Pop-Handwerk meisterhaft mit einer sehr menschlichen Kombination aus Verletzlichkeit und Staunen verbindet. Eine Mischung, die Cherry auf der ganzen Welt zum begehrten Liveperformer gemacht hat. "Es war eine bewusste Entscheidung, es direkt und einfach zu halten", erklärt Cherry. "Ich suchte meine Kollaborateure aus und wir beschlossen, Folgendes zu machen: es auf das Wesentliche reduzieren und so geradeaus wie möglich klingen lassen."

Cherry arbeitete abwechselnd mit den Co-Produzenten Klas Åhlund von den Teddybears, Peter Svensson von den Cardigans und seinem langjährigen Gitarristen und Sideman Mattias Torell, über den Cherry liebevoll sagt: "Er ist der Tonto zu meinem Lone Ranger". Der Sound auf "Can’t Get Enough" ist auf den Punkt. Ohne dabei aber kleinlich zu wirken. Cherrys Songs – eingängig, neugierig und vor allem aufrichtig – stehen im Mittelpunkt. Die erste Single "Can’t Get Enough" ist entwaffnend in ihrer Klarheit, Groove und Melodie sind quasi untrennbar und gleichermaßen ansteckend.

Cherrys naturgegebenes Talent als Geschichtenerzähler besteht darin, die Songs auf "Can’t Get Enough" Konflikte etablieren zu lassen, ihnen auf den Zahn zu fühlen, sie zu entschärfen und so sogar komplexeste Themen nachvollziehbar werden zu lassen. "Tatsächlich mag ich manchmal Texte, die nicht ganz so direkt sind", sagt er, "aber diesmal ging es eben genau darum, es nicht übermäßig kompliziert zu machen. Am Ende hatte ich große Freude an dem, was dabei herauskam ...". Wenn er in einem Song wie "Free" fundamentale Gegensätze freilegt ("When you hated me / you freed me to love …" // "Als du mich hasstest / gabst du mir die Freiheit zu lieben ...") läuft Cherry zu bestechender Form auf – unschuldig und gleichzeitig provokant.

Die neuen Songs auf "Can’t Get Enough" zeigen einen Künstler, der durch den zeitlichen Abstand wiedererstarkt ist und begierig darauf, die Kraft der Musik zu feiern und wirken zu lassen. Genauso wie am Anfang seiner Karriere: Neugierig, entspannt und erstarkt hervorgegangen aus massiven Umbruchsituationen. Denen in seinem privaten Umfeld, als auch denen in einer sich massiv verändernden Musiklandschaft.

"Ich hatte ein paar Demos von neuen Songs", erinnert Cherry sich, "und holte mir Reaktionen von den Leuten um mich herum ein. Ich realisierte ziemlich schnell, dass sich das Business verändert hatte. Auf die alte Art würden die Dinge einfach nicht so schnell gehen. Mir war klar, dass ich einfach für mich selbst weitermachen und die Platte fertig aufnehmen musste. Ohne diese ganzen Versuche der Einflussnahme Dritter. In den Meetings redeten sie immer zuerst darüber, wie schwer es da draußen mittlerweile sei; darüber, wie es früher war", bemerkt Cherry trocken. "Es herrschte ein sehr negativer, deprimierter Vibe. Die Leute meines jetzigen Labels – mit denen wir uns schließlich auch zusammentaten, um das Album zu veröffentlichen – waren die Ersten, die reinkamen und sagten ‘wir lieben die Musik – was können wir damit anstellen?’ Das hat mich beeindruckt. Ihre Prioritäten waren die gleichen wie meine."

"Can’t Get Enough" ist ein Album "Marke Eigenbau". Während der Aufnahmen testete Cherry einige der Songs live und bekam vielversprechende Reaktionen. "In einem Set neue Songs vorzustellen, steigert die Intensität der Show", stellt er fest. "Als ich diese Songs schrieb – ganz besonders war das bei "Go Simmer Down" der Fall – fühlte ich förmlich, wie das Publikum reinkommen und richtig abgehen würde. Als wir ihn dann tatsächlich vor Leuten spielten, wurde ich nicht enttäuscht."

Cherry erkennt gerne an, dass er der quasi ‚eingebauten’ Hingabe schwedischer Musiker und ihrer ganz eigenen Herangehensweise an Popmusik einiges verdankt. "Mein Vater tourte und arbeitete schon lange bevor ich geboren wurde mit Musikern aus Schweden", erzählt der schwedisch-amerikanische Songtüftler. "Dann machten Bands wie Abba oder Roxette auf sich aufmerksam. Schwedische Musiker haben eine großartige Arbeitsethik und einen stark ausgeprägten Sinn für Pop und Schlichtheit. Außerdem fühlen Schweden sich mit der englischen Sprache sehr wohl ... Aber die Tatsache, dass es sich wiederum auch nicht um ihre Muttersprache handelt, verschafft ihnen eine gewisse Naivität, die perfekt für Pop-Songwriting ist."

Schwedisch war Eagle-Eyes erste Sprache, und obwohl er auch fließend Englisch spricht, profitieren seine Texte von einer Art ‚Unbeschwertheit des Außenseiters’, indem sie Widersprüche hervorheben und Fragen stellen, die ebenso unbedeutend wie elementar sind. "Ich bin der ewige Außenseiter", sagt er verschmitzt. "Wenn ich in den Staaten bin, fühle ich mich halb schwedisch – wenn ich in Schweden bin, fühle ich mich halb amerikanisch."

Und noch während Cherry letzte Hand an die Fertigstellung "Can’t Get Enough" anlegte, feierten er und seine Freundin die Ankunft ihres ersten Kindes Daisy – ein weiteres gute Zeichen aus dem Kreislauf von Verlust, Verwirrung und Erneuerung. Das Album "Can’t Get Enough" erscheint am 05.10.2012


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