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22.11.2007

Interview 2007 - Deutsche Übersetzung

Eagles “Long Road out of Eden” Interview Clips
Übersetzung ins Deutsche.

Die erste Frage muß einfach sein: Wieso hat es so lange gedauert?

Don Henley: Das waren mehrere Dinge, weißt Du? Wenn Du Dich erinnern willst, wir waren für 14 Jahre getrennt. Das machte schon einen Großteil der Zeit aus. Wir sind eigentlich schon wieder seit 13 Jahren zurück. Wie ich immer sage, als wir noch junge Männer in den Zwanzigern waren, und so egozentrisch, wie junge Männer in dem Alter nun einmal sind, da hatten wir keine Familien, um die wir uns kümmern mussten. Auch keine Kinder und Schulen und all diese Dinge, mit denen wir nun Leben. Man hatte einfach mehr Zeit, wir dachten nur ans Songschreiben und an Mädchen. So wurden unsere Alben alle ein wenig schneller fertig. Wobei wir auch damals nie die Schnellsten waren, eher Schildkröten als Hasen, wenn es darum ging, ein Album zu machen. Schon damals in den 70ern hat es von Mal zu Mal länger gedauert. Wir reden von diesem neuen Album schon seit 1994, seit wir wieder zusammen sind, aber wir haben das Projekt nie so richtig ans Laufen bekommen. Zunächst einmal gab es da auch einige persönliche Probleme innerhalb der Band und das mussten wir hinter uns lassen. Dann haben wir auch beim Personal einige Wechsel vollzogen. Erst dann konnten wir uns wirklich zusammen setzen und arbeiten. Vor allem die Ankunft dieses hervorragenden Musikers namens Stuart Smith war sehr gut. Er war ein echter Katalysator für unsere Kreativität, die Vielseitigkeit der Band und er brachte einen neuen, sprühenden Funken in die ganze Sache. Der Hauptteil des neuen Albums ist in den letzten beiden Jahren entstanden. Angefangen hat es schon davor, aber der Löwenanteil der Sachen, die man hören kann, sind in den Jahren 2006 und 2007 entstanden. Wir sind aber auch sehr anspruchsvoll, was unsere Musik angeht und so sind wir sehr zögerlich an die Dinger heran gegangen. Wir waren nie wirklich gut darin, zu touren und gleichzeitig zu schreiben und Songs aufzunehmen. Nach einiger Zeit auf Tour zog es uns alle nach Hause, um bei der Familie zu sein, um abzuschalten, was ein Hindernis sein kann. Schließlich haben wir es aber geschafft. Wir machen uns keine Gedanken über die Zeit, die bis zum Fertigstellen des Albums verstrichen ist, denn wir sind vor allem froh über das, was dabei heraus gekommen ist. Tatsächlich denke ich, dass dieses neue Album das beste Werk ist, was wir je gemacht haben. Es ist ein Doppelalbum, was eigentlich gar nicht so geplant war. Aber da wir nun vier Leute sind, die alle Songs schreiben und auch singen, und jeder irgendwie seinen Teil zu dem Album dazu tun wollte, ging es nicht anders. Es passen nur 72 Minuten Musik auf eine CD, wenn man keine qualitativen Abstriche machen will. So wurde dann ein Doppelalbum darauf, was wir aber für den Preis eines normalen Albums heraus geben werden.

Joe Walsh: Ich denke nicht, dass es so lange gedauert hat, wenn man wie die Eagles über die Zeit denkt. Ich denke, es war ok so. Hey, wir haben früher alle im selben Auto gelebt. Wir waren einen Monat unterwegs und haben jede Minute zusammen verbracht. Wir machten einfach unsere Aufnahmen und alles, was dabei heraus kam, das nannten wir dann „Kunst“. Heute leben wir nicht mehr in einem Auto, sondern über das ganze Land verteilt. Wir haben alle unsere Familien und damit auch all diese Verpflichtungen aus dem Erwachsenenleben. So war es einfach nicht leicht, mal einen Monat zu finden, wo wir alle zusammen kommen konnten , um an der Sache zu arbeiten. Das hat uns oft zurück geworfen.

Timothy B. Schmit: Aus meiner Sicht der Dinge heraus ist es sehr frustrierend, wenn immer wieder Konflikte zwischen den Parteien auftraten. Einige der Jungs waren immer wieder sehr angespannt, so dass man nicht wirklich arbeiten konnte. Ich habe mir das immer wieder angeschaut und auch oft versucht, zwischen den Fronten zu vermitteln, aber weißt Du, manchmal müssen solche Sachen auch einfach ausgetragen werden. Früher hat es mir einfach viel ausgemacht, wenn sich Dinge verzögert haben oder es nicht so lief, wie es laufen sollte. Aber nun ist das nicht mehr so. Nun stehe ich mehr über den Dingen. Ich kann das nun auch nicht mehr ändern, es war frustrierend, aber nun haben wir es ja schließlich geschafft.

Glenn Frey: Ich will einmal den zeitlichen Ablauf betrachten. Die Band hat sich 1980 getrennt und es hat 14 Jahre gedauert, bis wir mit „Hell Freezes Over“ wieder zurück gekommen sind. Also kann man diese Zeit schon einmal vergessen, die zählt nicht. In der Zeit während „Hell Freezes Over“ und danach haben wir mehrfach versucht, ins Studio zu gehen. Aber es ist einfach nicht passiert. Die gute Nachricht ist, dass wir uns nicht verrückt gemacht haben. Ich wusste einfach genug zu dieser Zeit um zu wissen: „Es ist nicht die richtige Zeit. Wenn die Zeit kommt, dann werden wir ein Album machen.“ 2001 hatten wir dann wirklich konkrete Pläne, ein Album zu machen. Wir waren im Sommer auf Tour in Europa. Wie hatten Stuart Smith in der Band an der Gitarre. Wir hatten noch zwei Keyboarder. Wir hatten eine Bläsersektion. Wir hatten die komplette Show umgestellt, wiederbelebt und einige der Arrangements umgestellt. Das waren alles Sachen, die wir machen konnten. Und wir sind dann nach Europa gegangen und hatten die beste Zeit zusammen, seit den 70ern. Neben der Tatsache, dass wir gut gespielt hatten und auch gut sangen, kam vor allem die Kameradschaft zwischen uns wieder auf. Wir haben die Tour genossen und das Zusammensein. Es hat Spaß gemacht, jeden Tag zum Soundcheck zu gehen. Wir hatten Spaß daran, ins Flugzeug zu steigen und in ein anderes Land zu fliegen. Die Musik war gut und ich denke, Stuart war ein echter Glückstreffer. Also haben wir im Herbst 2001 angefangen. Wir wollten die ersten Aufnahmen machen und luden all unsere Sachen am 10. September ein, um dann am Folgetag die Aufnahmen zu starten. Das war dann Dienstag, der 11. September und um 9 Uhr ging mein Telefon. Don war es und sagte „Schalt Deinen Fernseher an.“ Und ich meinte „Ich hab den Fernseher an.“ Dann sagte er: „Wir werden heute nichts aufnehmen.“ Ich sagte: „Wo ist das Problem? Sicher werden wir das nicht, nach dem, was passiert ist.“ So haben wir weiter gewartet, warteten einige Tage. Das hat uns noch einmal ein wenig verlangsamt, aber dann später im Herbst sind wir ins Studio und haben einige Tracks aufgenommen.

Während also 3 Jahrzehnte zwischen den Studioalben liegen, hat es sechs Jahre gebraucht, um das neue Album aufzunehmen. Da waren viele Stops und Neustarts dabei. Es gibt ja auch eine lange Geschichte von Konflikten innerhalb der Band. Wie hat das eure Arbeit beeinflusst?

Don Henley: Hmm nein, wir haben diese Sachen schon länger hinter uns gelassen. Es war auch eine unserer ersten Sorgen, wie man ein modernes Album machen kann, was in die jetzige Zeit passt und all diese Sachen. Schließlich haben wir das hinter uns gelassen. Wir haben uns gesagt: „Wisst ihr was, wir müssen einfach nur die Eagles sein. Wir sollten einfach das sein, was wir sind und auch genau so klingen.“ Offensichtlich hat sich die Technik enorm verändert, seit wir 1978 unser letztes komplettes Studioalbum gemacht haben. Alles hat sich geändert. Wir sind alle nicht so die technischen Experten und so haben wir uns mit Leuten umgeben, die wirklich mit all diesem Kram umgehen können. So gab es dann auch wenig Diskussionen über Sound, Aufnahmetechnik, Produktion und all diese Sachen. Die wirklich quälenden Unterschiede kamen auf, als es um die Auswahl der Songs ging, die aufgenommen werden sollten und vor allem um die Auswahl der Songs, die es auf das Album schaffen. Das ist eine natürliche Sache. Wir haben mehr Songs aufgenommen, als dann letztendlich auf dem Album zu finden sind. Und natürlich sind auch einige Songs auf dem Album, von denen ich denke, dass sie da eigentlich nicht sein sollten, wenn ich ehrlich bin. Es gibt einige Leute in der Musikindustrie, zum Beispiel diesen bekannten DJ in Los Angeles, der meint, dass es das beste Album ist, was wir je gemacht haben. Er sagte: „Ich habe erwartet, dass es gut wird, aber nicht, dass es so gut wird.“ Ich selbst muss erst einmal ein wenig Abstand von dem Album gewinnen, um es dann aus einem anderen Blickwinkel zu beurteilen.

Joe Walsh: Wir hatten einige Fehlstarts, als wir mit den Aufnahmen begonnen hatten. „Vielleicht sollten wir dieses oder jenes machen.“ Und wie hat es geendet? Wir waren nicht wir selbst! Und wir sollten einfach nicht versuchen, nicht wir selbst zu sein. So haben wir beschlossen, Eagles Musik zu machen, wie wir sie kennen und sie dann einfach so zu nehmen, wie sie ist.

Timothy B. Schmit: In jeder Gruppe von Menschen gibt es automatisch eine Hackordnung. Die Hackordnung in dieser Band gab es aber schon, als ich dazu gestoßen bin. Ich habe schon meine eigene Meinung, aber ich bin nicht einer dieser Menschen, der sich in den Mittelpunkt drängen muss. Manchmal muss ich mir auch einmal auf die Zunge beißen, was gut ist. Natürlich sehe ich mich schon als integrierten Teil der Band, aus einigen offensichtlichen, aber auch weniger offensichtlichen Gründen. Ich weis nicht so recht, wie ich es in Worte fassen soll. Ich denke, es muss auch immer jemanden geben, der eine gewissen Stabilität mit sich bringt, der nicht Wellen schlägt. Jemand, der sagt: „Ok, ihr habt entschieden, das ist ok, ich bin mit dabei.“ Das ist meine Natur. Ich stelle mich auch ein wenig zurück. Das sind die Leute, welche die Band einmal gegründet haben, die Leute, welche all diese Klassiker als Hits hatten. Ich fühle mich schon geehrt genug, dass ich nach all dieser Zeit ausgewählt wurde, um ein Teil der Band zu sein. Das ist alles sehr aufregend für mich. Ich habe eine Menge von ihnen gelernt und ich hoffe, dass sie auch ein wenig von mir lernen konnten. Für mich ist das einfach eine Chance. Es gibt genug andere in der Band, die Wellen machen, wieso sollte ich also auch welche machen? Wenn es um eine kreative Diskussion geht, dann bin ich dabei und habe auch keine Probleme, meine Meinung zu vertreten. Aber ich weis einfach auch, wann es mal Zeit ist, ein wenig zurück zu stehen.

Wenn die Band so lange nicht mehr in einem Studio war, und die Welt hat sich ja nun weiter gedreht, wie schwer war es, den richtigen Sound zu finden?

Don Henley: Ich fand das sehr interessant und mochte es. Es ist einfach etwas anderes, als einen 30 Jahre alten Song zu spielen, den man schon im Schlaf spielen kann. Irgendwann schaltet man dann auf Autopilot und denkt darüber nach, was man denn gleich essen könnte oder denkt an ganz andere Dinge, weit weg von dem Song. Manchmal driftet man einfach weg. Hier mussten wir konzentriert sein. Das ist großartig. Das ist das, was wir ja eigentlich machen wollen. Dahinter steckt aber auch Arbeit. Einige der Songs sind einfach, aber viele sind wirklich schwer. Der Paul Carrack Song, den Timothy singt, der hat eine Menge an Akkorden. Nach all den Proben und Interviews und all dem, was wir im Moment machen, muss ich abends immer noch nach Hause gehen und mit meiner Gitarre üben. Und das so lange, wie ich meine Augen aufhalten kann. Wir haben noch einiges zu tun, bis es zum ersten Konzert kommt.

Joe Walsh: Als „Hotel California“ heraus kam, da hatten wir nicht die geringste Ahnung, wie es auf die Leute wirken wird. Jeder dachte, dass wir wussten, was wir getan haben, aber wir hatten nicht einen Schimmer. Und nun sind wir durch die gleiche Situation gegangen, es ist als wenn man mit einer weißen Leinwand beginnt und mit einem netten Bild endet. Bei diesem Album denkt sicher auch wieder jeder, das wir wissen, was wir da machen, aber so wirklich wussten wir es selbst erst in den letzten 16-18 Monaten. Erst da begriffen wir, dass wir etwas zu sagen hatten und wo der Sinn des Ganzen liegt.

Glen Frey: Es gab eine Zeit, da haben wir hin und her überlegt: „ Was für eine Art von Album wollen wir machen?“ Könnten wir uns wirklich vorstellen, dass wir irgend eine Art von HipHop machen? Oder etwas, das wir ‚Boys II Men’ klingt? Verstehst Du, was ich meine? Das passte nicht. Ich sag Dir, was wirklich geholfen hat, die Kurve zu kriegen. Die Leute lieben es, wenn wir singen. Das ist zum Hauptkriterium für den Stil des Albums geworden. Singen da die Eagles? Ist das ein Song, wo wir unsere Background Stimmen zu singen können? Hat der Song einen großartigen Chorus, wo wir unsere Harmonien einbauen können? Für uns kam es einfach nur darauf an: Klingt es wie die Eagles? Und: Singen wir?

Wieso habt ihr Euch entschlossen, ein Doppelalbum zu machen?

Glenn Frey: Wir haben einfach immer mehr Songs bekommen. Als wir schließlich acht oder neun Songs hatten, da überlegten wir, was denn noch auf das Album muss, um es abzuschließen? Wir brauchten einen Song von Joe, da hatten wir noch keinen. Wir brauchten einen schnelleren Song von Glenn, den hatten wir auch noch nicht. So stellte sich die Frage, welche Songs denn das Album füllen sollten. Wir sind eine Band mit vier Sängern. So hatten wir im Laufe des Jahres plötzliche eine Flut an Songs und es war doppelt so viel Material wie sonst. Und wir haben uns mit diesem Fluss auch immer weiter treiben lassen. Ich habe meinen Manager im Frühjahr angerufen und gefragt, wie viel denn auf eine CD aufgenommen werden kann, ohne das sie aus den Nähten platzt. Er sagt etwas von 73 oder 78 Minuten, aber da waren wir schon lange drüber hinaus. Also haben wir uns entschieden, dass es zwei CDs werden sollen. Dadurch hatten wir die Chance, noch einige andere Sachen zu machen. So bin ich sehr froh, dass es nun zwei großartige Songs von Joe sind und auch zwei Songs von Timothy. Das Album ist also aus sich selbst heraus weiter gewachsen. Als wir das erkannten, da fragten wir uns, ob zwei CDs nicht zu riskant sein könnten. Aber wir fanden nichts, was wir hätten streichen können. Was sollten wir wegnehmen? Lieber einen Schmit-song oder doch einen Henley Song? Jeder wollte doch seinen Beitrag zu der CD leisten. Also ist es nun ein Doppelalbum und jeder kann darauf etwas für sich finden. Für die Leute, die Timothy lieben, die Leute, die Joe lieben und sein Gitarrenspiel, die Leute, die Dons Stimme mögen und seine Kompositionen oder aber meine Stimme. Es gibt etwas für Leute, die Liebeslieder mögen, oder aber auch etwas provokanteres Material. Wir waren in der Lage, all das auf dem Album zu lassen. Ich kann einfach keine Tiefen in dem Album sehen. Ich wüsste nicht, was man hätte streichen können.

Gab es eine Zeit, als ihr dachtet, das Album würde niemals erscheinen?

Joe Walsh: Eigentlich sollte es die Plattenfirma sein, die sagt: „Ihr seit über eurem Budget. Macht fertig! Wir bringen es so raus.“ Aber wir hatten keine Plattenfirma. Nirgends. Ich wünschte, wir hätten eine gehabt, denn das erzeugt Spannung und Konflikte und das fördert aber auch den kreativen Prozess. Ich wünschte, wir hätten das gehabt, denn dann wäre das Album schon vor drei Jahren fertig gewesen, weil wir einfach gemusst hätten. Aber wir mussten halt nicht. Also haben sich die Eagles all die Zeit genommen, die nötig war, um alles selbst zu entscheiden.

Timothy B. Schmit: Weil es sich immer weiter zog und dauerte, setzten wir uns eine eigene Deadline, hauptsächlich aus Marketinggründen. Ich habe keine Zweifel, dass wir immer noch im Studio sitzen würden, wenn wir diese Entscheidung nicht getroffen hätten. Ich bin sehr sicher. Durch diese Deadline, als die in den letzten Wochen immer näher auf uns zu kam, arbeiteten wir immer härter. Wir hatten nicht nur einige Songs fertig zu stellen, sondern wir hatten auch teilweise noch neue Songs angefangen und auch die mussten wir irgendwie fertig bekommen. So werden auch manche Sachen erst dann fertig, wenn man wirklich zeitlich schon mit dem Rücken an der Wand steht. Es war harte Arbeit. Ich meine das sinnbildlich, nicht so wie die Arbeit von Straßenarbeitern oder so. Aber wir hatten unsere 12-Stunden Tage bis in die Nacht hinein im Studio und das am Ende auch mal sechs oder sieben Tage die Woche. Wir haben wirklich bis genau zur Deadline gearbeitet. Wir haben den letzten Song erst in der Nacht fertig gestellt, als am nächsten Morgen der Termin für das Mastering anstand. Genau bis zu diesem Tag.

In den USA habt ihr einen Vertrag mit der WalMart Group geschlossen, was den Vertrieb des Albums angeht. Wie kam es dazu?

Don Henley: Ich sehe das als eine gute geschäftlichen Entscheidung und das war es wohl auch. Wir sind es, wie viele anderen Künstler auch, einfach nur wirklich leid, mit den Majorlabeln, vor allem in den USA zusammen zu arbeiten. Wir sind in unseren Karrieren immer wieder schlecht behandelt oder bestohlen worden von diesen Firmen und das reicht dann irgendwann. Außerdem ist da noch die Tatsache, dass die großen Plattenfirmen die digitale Entwicklung auf dem Markt komplett verschlafen haben und sich nun gerade so über Wasser halten können. Das Geschrei und Gezeter ist groß, wie man einen neuen Weg, ein neues Modell finden kann, um die Musik draußen zu den Leuten zu bringen, ohne dass man die Major Label braucht. Einige haben es über das Internet versucht, aber mit nur recht mäßigem Erfolg. Einige sind zu Starbucks gegangen, einige zu Apple, einige zu den unabhängigen Kleinplattenfirmen, einige zu BestBuy, wieder andere zu Target. Die Leute versuchen alles. Das ist wie im wilden Westen. Es gibt neue Grenzen da draußen. Wir haben uns für WalMart entschieden und wir haben uns die Entscheidung nicht einfach gemacht. Wir machten unsere Hausaufgaben und haben auch einige Gedanken in die Sache investiert. Es gab eine Menge Konferenzen und Treffen mit den Entscheidungsträgern bei WalMart. Wir haben uns die Geschichte der Firma angeschaut, aber auch, was sie in der Zukunft planen, was ihre Angestelltenpolitik, aber auch den Umweltschutz angeht. Sie haben einen beeindruckenden Plan, wie sie mehr Verantwortung für die Umwelt übernehmen können. Sie unternehmen schon die ersten Schritte, machen Untersuchungen. Sie haben den Anteil an Verpackungsmaterial drastisch reduziert und verlangen das auch von ihren Zulieferern. WalMart ist eine sehr große und mächtige Firma, so haben sie die Chance, einiges zu ändern, was in diesem Geschäft in diesem Land passiert. Sie haben die Möglichkeit, auch andere Firmen zu beeinflussen, nicht nur hier, sondern auch woanders, wie zum Beispiel in China. Sie haben zwei junge Männer eingestellt, die Umweltschutzexperten sind und einen entsprechenden Abschluss vom College haben. Sie lassen sich von ihnen beraten. Ich bin per Telefon und Email im ständigen Kontakt mit diesen Leuten und lasse mich immer auf den neusten Stand bringen. WalMart will überall in den USA „grüne“ Märkte eröffnen, den ersten wird es in einem Vorort von Dallas geben. Diese Läden brauchen weniger Strom und arbeiten generell effizienter. Ich war nie ein echter Fan von diesen Großhändlern und auch nicht von großen Handelsketten. Mein Vater war ein kleiner Geschäftsmann und er hasste diese Ketten und Franchiseunternehmen, weil sie ihm das Leben so schwer machten. Aber wir versuchen auch in der realen Welt zu leben. Wir wollen unsere Musik nicht nur so gut wie möglich and die Fans geliefert wissen, sondern auch zu einem erschwinglichen Preis. Es sind 20 Songs auf dem Album. Es ist ein Doppelalbum, aber es wird zum Preis von einem normalen Einzelalbum verlauft. WalMart verdient sicher nichts mit diesem Album. Aber sie nutzen es als Lockangebot, um Leute in ihre Läden zu kriegen.

Habt ihr Pläne, mit dem Album nächstes Jahr auf Tour zu gehen? Wahrscheinlich dauert es sicher eine lange Zeit, bis eine solche Eagles Tour auf die Beine gestellt ist?

Don Henley: Also soweit ich es im Moment weis, und das ist ok für mich, planen wir keine Tour im nächsten Jahr. Glenn wird wohl in einem Musical mitmachen, ich starte ein Solo-Projekt und ich hab keine Idee, was Timothy und Joe machen werden, aber Joe hat immer irgend etwas zu tun. Ich selbst habe noch einige Sachen vor, bevor der Vorhang meiner Karriere fallen wird, da freue ich mich schon drauf. Nach all der Arbeit brauchen wir auch eine Pause voneinander. Wir haben Jahre, Monate zusammen im Studio gesessen und nun diese ganze Publicityarbeit. Wir werden zusammen nach London gehen und dann geht es zurück nach LA, um für einige der Songs ein paar Filmaufnahmen zu machen. Danach denke ich, dass wir die Pause brauchen. Das heißt nicht, dass es vielleicht am Ende nächsten Jahres eine Tour geben könnte. Wir werden dann im Sommer entscheiden, ob wir im Herbst dann eine Tour machen wollen. Aber nach dem aktuellen Stand kann ich nur ganz ehrlich sagen, dass wir keine Pläne für eine Tour haben, mal abgesehen von den sechs Shows, die wir hier in LA spielen werden.

Diese Band war ja tot und vergangen. Da war einiges an Bitterkeit, Argwohn, zerbrochene Freundschaften und zerbrochene Beziehungen. Nun seid ihr zurück mit dem wohl besten Album eurer Karriere. Wie fühlt sich das an?

Don Henley: Ich würde jetzt nicht sagen, dass alles vergessen und dass nun alles rosig aussieht. Aber ich kann sagen, dass wir gelernt haben, mit der Sache umzugehen. Es gab schon immer Tumult in dieser Gruppe. Immer, vom ersten Tag an. Aber Ende der 70er wurde es dann so schlimm, dass wir uns einfach trennen mussten. Seit 1994 sind wir nun wieder zusammen und es ist immer noch kein Bett aus Rosen. Aber wie ich schon vorher gesagt habe, haben wir alle unsere Hochs und Tiefs und wir haben einfach gelernt zu akzeptieren, dass dies nun einmal der Weg ist, wie es läuft. Es wird niemals ein sanfter Ritt sein. Und wir gehen nicht mehr so emotional an die Sache, es ist nicht mehr so, dass wir nachts nicht mehr schlafen könnten oder dass man es einfach nicht mehr aushält. Wir wissen, wann es Zeit ist, einfach einmal zu gehen. Wir wissen, wer wir sind. Wir kennen uns alle sehr gut und wissen, was wir von dem anderen zu erwarten haben. Es gab Zeiten in den letzten Monaten bei den Aufnahmen dieses Albums, da wollte ich sinnbildlich jemanden umbringen. Aber tief in mir wusste ich auch, dass es wieder eine Zeit geben wird, wo alles wieder in Ordnung ist und so kommt man dann darüber hinweg.

Joe Walsh: Ich fühle mich wie eine nachweislich kreative Person aus der Generation, die ich repräsentiere. Ich fühle mich gut dabei. Es ist schön, dass man sich nicht nur auf den Lorbeeren ausruht, die man sich mit 20 Jahre altem Kram verdient hat. Es ist schön, dass man aktuelle Sachen hat, die diese Reputation unterstreichen. Außerdem denke ich, dass es großartig ist, dass all diese Jungs wieder zusammen gekommen sind, um dieses Album zusammen zu machen. Die ganze Reise. All diese Sachen, die Diskussionen, wir haben wirklich alles durchgemacht, was ein Mann durchmachen kann. Aber wir haben uns, das finde ich gut. Ich bin dankbar dafür, dass wir noch einmal einen rausgehauen haben, das wir weiter an unserem Handwerk arbeiten. Das ist das, was wir machen und das ist das, was für uns weiter da sein wird.

Timothy B. Schmit: Ich dachte, es wäre schon alles vorbei gewesen in den 14 Jahren, in denen wir wirklich getrennt waren. Aber danach wurde alles wieder sehr lebendig. Was ich fühle? Es ist großartig. Ich meine, wenn mir jemand damals in meiner Jugend, als ich lernte wie man spielt und singt, wenn mir damals einer gesagt hätte, dass ich noch auf diesem Level bin, wenn ich nahe an die 60 gehe, ich hätte gesagt, er sei nicht mehr bei Verstand. Wir können immer noch das machen, was wir lieben, auf unserem Niveau und in unserem Alter. Es könnte einfach nicht besser sein.

Glenn Frey: Was ich gelernt habe durch den Kurs, den ich mit den Eagles, aber auch so in meinem Leben gegangen bin ist, dass es in jeder wertvollen Beziehung Höhen gibt, aber eben auch tiefe Täler. Jeder kann mit den Höhen umgehen. Es ist immer großartig, wenn alles gut läuft. Aber der wahre Test ist, wie man mit Widrigkeiten, Unstimmigkeiten, Unterschieden und vor allem mit unterschiedlichen Meinungen umgeht. Die Eagles waren schon immer eine Gruppe aus sehr unberechenbaren Menschen. Wir sind sehr kreativ, sehr leidenschaftlich, und wir geizen nicht mit Meinungen. Wir waren uns oft uneinig. Aber wir haben gelernt, dass man den anderen akzeptieren muss, denn er wird sich einfach nicht ändern. Ich bin wie ich bin, Joe ist wie er ist, Timothy ist Timothy und Don ist Don. Und weil wir gelernt haben, mit all den Widrigkeiten weiser umzugehen ist der Grund, wieso wir in der Lage waren, wieder zusammen zu kommen und diesen Job zu erledigen.

Ihr hättet auch einfach weiter touren können, die alten Hits spielend. Aber dann wärt ihr nicht anderes gewesen als eine Tribute Band von euch selbst. Hättet ihr das gekonnt?

Don Henley: Ich habe schon seit zwei oder drei Jahren gesagt, dass ich nicht denke, dass wir eine Tour machen sollten, wenn wir kein neues Material haben. Da war ich von überzeugt. Sicher wären die Leute weiter gekommen, aber irgendwann nach spätestens zwei oder drei weiteren Jahren hätte sie wohl gesagt „Nein, es reicht langsam.“ Ich denke, dass Glenn da auch dieser Meinung war, dass wir wirklich neues Material brauchten. Das wird auch einer der Gründe sein, wieso wir das Album überhaupt fertig bekommen haben, weil wir nur so weiter touren können. Nun ist es ein Doppelalbum geworden und das gibt uns noch mehr Auswahl. Wie ich schon gesagt habe, planen wir aber keine Tour in nächster Zukunft. Es gibt keine Pläne, die über die sechs Shows im Nokia Theatre hinaus gehen. Danach wird Glenn in einem Musical in New York eine Rolle spielen. Und ich werde weiter an meinen Soloprojekten arbeiten. Ich habe immer noch einen Vertrag mit Warner für zwei weitere Alben. Und ich habe einige Dinge, die ich noch machen will. Also, vielleicht wird es in Zukunft mal wieder eine Tour geben, aber nicht im Moment.

Glenn Frey: Ich fühlte, und ich denke, die anderen stimmen mir da zu, dass wir ein neues Album brauchten nach „Hell Freezes Over“. Es war toll zu sehen, dass wir immer noch unser Publikum hatten und das es auch neue Leute gab, die unsere Sachen erst kennen gelernt hatten, als wir getrennt waren. S war großartig, um die Welt zu reisen und zu sehen, dass die Leute immer noch unsere Sachen mögen. Und dann sind wir noch einmal rund um die Welt gereist, ein zweites Mal und da begann es, dass uns klar wurde, dass wir ein neues Album brauchten. Das war eine wirkliche Herausforderung. Die alten Eagles zu sein war einfach. Jeder war satt und wusste, was er zu tun hatte, jeder hatte seine eigene Verantwortung bei dem was er zu tun hatte. Wir lernten die alten Sachen und spielten sie besser, als wir es in den 70ern getan hatten. Aber nicht nur in meinem Hinterkopf war immer der Satz, dass wir ein neues Album machen mussten. Die Fans verdienten eine neue CD. Sie sind uns treu geblieben und wenn es irgendeinen Weg gab, eine CD für die Fans zu machen, aber auch für uns selbst, dann sollten wir diese Möglichkeit auch nutzen. Ich war der Meinung, dass wir es endlich anpacken sollten, sonst wären wir wirklich nur noch eine Tribute Band von uns selbst gewesen. Nun waren wieder alle Möglichkeiten da. Ich bin aufgeregt, das neue Album heraus zu bringen und nicht direkt auf Tour zu gehen. Ich will sehen, wie es angenommen wird, ich will dem Album die Chance gehen, zu keimen und in den Herzen und in den Köpfen unserer Fans zu wachsen. Weil wenn ich wieder auf Tour gehen würde, wenn wir uns dazu entscheiden, dann will ich sieben erfolgreiche Songs von diesem Album spielen. Ich will nicht nur „How Long“ spielen und dann nahtlos mit „Hotel California“ und „Peaceful Easy feeling“ weiter machen. Ich will viele der neuen Songs spielen, weil sie einfach gut sind, weil wir wirklich singen. Wir haben gute Alben gemacht, und da sind gute Songs dabei. Wir haben eine gute Auswahl getroffen und die Produktion ist auch gut. Das wird ein neues Kapitel sein, was geschrieben werden wird, weil wir es geschafft haben, in den letzten zwei Jahren zusammen zu sein und dieses Album zu beenden.

Joe Walsh: Es denke das war etwas, an das wir alle irgendwann gedacht haben, wenn man so viele Shows spielt. Wir spielten den alten Kram immer und immer wieder. Aber irgendwann fühlt man sich wie ein Las Vegas Foyer Künstler oder sowas. Man fühlt sich wie eine Hure, die für Bargeld immer wieder diese 20 Jahre alten Songs spielt. Wenn man aber einen kreativen Menschen seiner Generation repräsentieren will, dann muss man das auch machen.


Quelle:
http://www.CountryMusicNews.de

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