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Biografie

14.11.2016

Biografie

"Sie erinnert an ein früheres musikalisches Zeitalter der großen Gesten und opulenten Stimmen: Die imponierende lettische Mezzosopranistin Elīna Garanča ist ein seltenes, exotisches Geschöpf und gehört zur winzigen Spitzengruppe von wahrhaft großen Sängerinnen unserer Zeit." (The Daily Telegraph, Dezember 2015)

Elīna Garanča, die als Kind einer musikalischen Familie in der lettischen Hauptstadt Riga geboren wurde, nahm im Alter von 20 Jahren das Studium an der Lettischen Musikakademie auf und war schon bald auf dem Weg, eine der weltweit bedeutendsten Mezzosopranistinnen zu werden. Der Beginn ihrer Laufbahn setzte schon die entscheidenden Zeichen: Noch während ihres Studiums sang sie 1998 nach nur zehn Tagen Vorbereitungszeit die Rolle der Giovanna Seymour in Donizettis Anna Bolena und entdeckte eine tiefe Affinität zum Belcanto-Repertoire, mit dem sie seither in zahllosen atemberaubenden Aufführungen geglänzt hat.

Nach dem Examen wurde sie in Deutschland ans Staatstheater Meiningen engagiert, gehörte zum Ensemble der Oper in Frankfurt, sang beim Savonlinna-Opernfestival, war Finalistin in BBC’s Cardiff Singer of the World Competition und gewann den Mirjam-Helin-Gesangswettbewerb in Finnland. Sie festigte ihre frühe Karriere mit Auftritten an der Wiener Staatsoper, bei den Salzburger Festspielen, beim Rossini-Festival der Oper Helsinki, in Paris, Aix-en-Provence, Luzern und Graz, und 2003 hatte sie einen Gastauftritt bei Deutsche Grammophon, als sie mit Anna Netrebko in einer Szene und Kavatine aus Lucia di Lammermoor in Netrebkos Debütalbum Opera Arias zu hören war.

Ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten führten 2005 zu einem Exklusivvertrag mit dem gelben Label. Ihre erste Soloaufnahme, Aria Cantilena, erschien 2007 unter großem Beifall und trug Garanča einen Echo-Preis als "Sängerin des Jahres" ein. 2009 folgte das Album Bel Canto, das ebenfalls mit einem Echo-Preis sowie mit einem BBC Music Magazine Award ausgezeichnet wurde. Habanera wurde 2010 veröffentlicht, Romantique 2012 und Meditation 2014, wobei die beiden letztgenannten Alben wiederum einen Echo-Preis erhielten. Immer wieder waren Kritik und Publikum überwältigt von ihrer stimmlichen Gewandtheit, ihrer dramatischen Präsenz und der ungewöhnlichen Schönheit ihrer Stimme. In der Rezension von Meditation rühmte Classic FM ihre "sahnige, volle Stimme, die jede Phrase mit Gefühl und Feinsinnigkeit gestaltet" und fügte hinzu, das Album "sollte ihren Rang als eine der größten Stimmen und Interpretinnen der heutigen Zeit unterstreichen".

Elīna Garanča hat auch in vielen Opernaufnahmen mitgewirkt, darunter Carmen, Anna Bolena, La Cenerentola und I Capuleti e i Montecchi. Zu ihren frühen Bühnenerfolgen zählen Annio und Sesto in La clemenza di Tito, Charlotte in Werther, Dorabella in Così fan tutte und Rosina in Il barbiere di Siviglia. 2007 trat sie erstmals am Royal Opera House Covent Garden auf, im Jahr darauf gab sie ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York. 2009 kehrte sie in der Titelrolle von Bizets Carmen ans Royal Opera House zurück und war dann an der Metropolitan Opera Star einer Neuinszenierung des Werks, die weltweit in mehr als 1000 Kinos übertragen wurde. Als "Sängerin des Jahres" 2010 wurde sie beim MIDEM Classical Award und auch von Musical America gekürt. 2013 erhielt sie als eine der jüngsten Künstlerinnen überhaupt den Titel einer "Kammersängerin" – in Würdigung der 140 Auftritte in 18 Rollen, die sie seit ihrem Hausdebüt 2003 an der Wiener Staatsoper gesungen hat.

Zu ihren Bühnenrollen 2014 gehörten Léonor de Guzman, die Titelheldin aus Donizettis La Favorite, in konzertanten Aufführungen bei den Salzburger Festspielen und Octavian in Strauss‘ Der Rosenkavalier an der Deutschen Oper Berlin. Nachdem sie Anfang 2015 als Carmen an die Metropolitan Opera zurückgekehrt war, sang sie wiederum Octavian an der Wiener Staatsoper – die Tageszeitung Der Standard pries ihre Bühnenpräsenz, die "ans Magische grenzt", ihre Fähigkeit, "noch der kleinsten Geste große Wirkung" zu verleihen und ihre Stimme, die "eine Klasse für sich" sei. Im April/Mai 2017 wird sie diese Rolle neben Renée Fleming als Marschallin an der Met verkörpern.

In der vorigen Spielzeit trat sie unter anderem als Charlotte an der Pariser Opéra auf und gab ihr erfolgreiches Rollendebüt als Sara, Herzogin von Nottingham, in der ersten Inszenierung der Met von Donizettis Roberto Devereux. Die New York Times schrieb: "… es ist wirklich eine Luxusbesetzung, die große Mezzosopranistin Elīna Garanča mit ihrer opulenten Stimme und ihrem Charisma in dieser Rolle zu haben". Zu den Höhepunkten der Saison 2016/17 zählen der mit Spannung erwartete Auftritt als Léonor in der ersten Produktion der Bayerischen Staatsoper von La Favorite, ihre erste dramatische Verismo-Rolle – Santuzza in Cavalleria rusticana an der Pariser Opéra – und ihre Wiederaufnahme von Octavian in New York.

Neben ihrer Opernarbeit tritt Elīna Garanča auch häufig als Konzertsängerin und in Recitals auf. Allein in den letzten 12 Monaten war sie mit ihrem von Bach bis Duparc reichenden Repertoire unter anderem in Moskau, St. Petersburg, Genf, London, Paris, Zagreb, Lüttich, Wien, Linz, Düsseldorf und Nürnberg zu hören; zu ihren Partnern zählten dabei führende Künstler wie Dmitri Hvorostovsky, Malcolm Martineau und ihr Ehemann, der Dirigent Karel Mark Chichon. Zu den kommenden Höhepunkten ihrer Arbeit gehören eine Konzertreise durch Deutschland und Österreich (Februar 2017), ein Recital in der Carnegie Hall (März 2017), Mahlers Rückert-Lieder mit Gustavo Dudamel und dem Los Angeles Philharmonic Orchestra sowie die Gala der Metropolitan Opera anlässlich des 50. Jahrestags des Einzugs ins Lincoln Center (beides im Mai 2017).

Anfang November 2016 veröffentlicht Deutsche Grammophon Elīna Garančas neuestes Soloalbum, Revive. Die Sängerin stützt sich auf ihre vielfältige Opernarbeit und Lebenserfahrung, wenn sie in dieser Sammlung von Arien aus dem großen romantischen Repertoire die innere Welt einiger der machtvollsten Frauenfiguren in der Welt der Oper ergründet. Das in Valencia mit Roberto Abbado und dem Orquestra de la Comunitat Valenciana aufgenommene Album Revive bietet Musik aus Verdis Don Carlo, Massenets Hérodiade und Saint-Saëns’ Henri VIII sowie berühmte Nummern aus Cileas Adriana Lecouvreur, Saint-Saëns’ Samson et Dalila, Berlioz’ Les Troyens, Mussorgskys Boris Godunow und anderen Opern. Elīna Garančas sehr persönliche Auswahl der Stücke entspricht der Entwicklung ihrer Stimme, die sie befähigt, neues, herausforderndes Repertoire wie Verdi oder den Verismo zu erobern. Ihr neues Album erlaubt einen verlockenden Ausblick auf die vielen künstlerischen Möglichkeiten, mit denen diese vielseitige, leidenschaftliche Mezzosopranistin uns noch erfreuen wird.

10/2016