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26.05.2010

Jede Stimme zählt

Das Phänomen Stimme fasziniert immer mehr Menschen. Mit der Zusammenstellung „Die schönsten Stimmen der Welt“ sind einige der wichtigsten Künstler der Gegenwart auf einem Album versammelt.

Elina Garanca, Jede Stimme zählt

Man kann noch etwas bewegen. Cecilia Bartoli hat das erfahren, als sie im vergangenen Jahr „Sacrificium“ präsentierte. Denn das Album mit Repertoirestücken, die ursprünglich für Kastraten geschrieben worden waren, fand nicht nur ein umfangreiches Echo in der internationalen Presse, sondern führte auch dazu, dass eine musikalische Ära insgesamt unter einem dezent veränderten Licht gesehen wird. Denn auch die Jahre des Barocks und der Klassik haben ihre Skelette im Schrank, die gerade mit der Unterdrückung der Männlichkeit im Dienste der Kunst ein deutliches Beispiel fanden. Dass dabei nur umso schönere Musik entstand, die nun auch in die Programme etwa der großen römischen Mezzosopranistin Eingang findet, ist die Kehrseite der Medaille. Für den Sampler „Die schönsten Stimmen der Welt“ jedenfalls bedeutet es, dass mit Bartolis Interpretation von „Come nave in mezzo all’onde“ ein Juwel der Opernkunst in die Zusammenstellung aufgenommen werden konnte.

Überhaupt ist die Kompilation von einer faszinierenden Vielfalt der musikalischen Anknüpfungspunkte geprägt. Da gibt es beispielsweise den Waliser Bryn Terfel, der mit viel Humor und Nachdruck sich einem Bösewicht der Operngeschichte widmet. Kollegen seines Stimmfachs wie Thomas Quasthoff und Altmeister Dietrich Fischer-Dieskau – der in diesem Frühling übrigens seinen 85. Geburtstag feiert – wenden sich klassischen Highlights etwa von Franz Schubert zu. Ein echter Schwerpunkt sind natürlich die Tenöre. Zum einen feiert das Triumvirat Carreras / Domingo / Pavarotti sein 20-jähriges Bestehen, weshalb das berühmte Konzert von Rom 1990 einer Generalüberholung unterzogen wurde. Ausschnitte davor sind auf „Die schönsten Stimmen der Welt“ ebenso enthalten wie Kostproben des Könnens aktueller Koryphäen wie Juan Diego Flórez, der mit einer Arie aus Christoph Willibald Glucks „Orphee et Eurydice“ vertreten ist, oder auch Jonas Kaufmann, der ein Lied aus der „Schönen Müllerin“ zum Besten gibt. Und mit dem „unvergessenen Fritz Wunderlich“ wird außerdem ein Vorgeschmack auf die edle Edition geboten, die im Spätsommer zum 80.Geburtstag an einen der wichtigsten Sänger des vergangenen Jahrhunderts erinnert.

Mindestens ebenso prominent sind natürlich die Frauen auf „Die schönsten Stimmen der Welt“ vertreten. Anna Netrebko gehört zum Defillee der Stars, frisch zurück an der Spitze der Hitparaden mit ihrem Recital „In The Still Of Night“. Ihr zur Seite stehen Kolleginnen wie die extravagante Measha Brueggergosman, der Liebling der französischen Opernszene Patricia Petibon mit Impressionen des Barocks, die introvertierte Magdalena Koszena mit einer Arie von Johann Sebastian Bach und die vielseitige, immer wieder überraschende schwedische Mezzo-Sopranistin Anne Sofie von Otter, die sich in ihrem aktuellen Programm dem französischen Barock zugewandt hat. Unterm Strich bietet „Die schönsten Stimmen der Welt“ damit einen ebenso umfassenden wie pointierten Überblick über die Möglichkeiten der klassischen Stimmkunst, der für die Liebhaber populärer Melodien ebenso viel zu bieten hat wie für die Freunde der Entdeckungen.


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