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16.08.2010

Highlights der Zigeunermusik

Elīna Garanča im Gespräch mit George Hall

Elina Garanca, Highlights der Zigeunermusik © Harald Hoffmann / DG

George Hall: Welche Idee steckt hinter diesem Album?

Elīna Garanča: Da gab es mehrere. Zunächst ging es mir natürlich um das Zigeuner-Thema, ich liebe aber auch die spanische Zarzuela, tatsächlich alles an Spanien – das ganze spanische Tem-perament, die Art, wie die Spanier denken, wie sie leben. Seit ich den Film Carmen mit Julia Migenes und Plácido Domingo zum ersten Mal sah, hat mich das alles fasziniert. Ich muss da-mals acht Jahre alt gewesen sein. Dieses Album ist eine kleine Hommage an Spanien und an das spanische Temperament.

GH: Die Rolle der Carmen ist die wohl berühmteste Verkörperung Spaniens in der gesamten Musikgeschichte. In der letzten Zeit haben Sie sie häufig gesungen – wie gestalten Sie die Figur?

EG: Das lässt sich nicht genau sagen, denn jeder Regisseur betont unterschiedliche Aspekte die-ser Figur. Da muss man flexibel sein – mal geht es mehr um Sex und Gewalt, mal um Freiheit und Verzweiflung oder Schicksal und Lebenslust. Für mich ist Carmen vor allem eine freiheits-liebende Frau, die nur von einem Tag zum anderen lebt. Beim Zuschauer sollte sie ein ganzes Kaleidoskop von Stimmungen auslösen: Man soll sie lieben, sie hassen, sie bemitleiden; man soll mit ihr lachen und sich wünschen, sie wie ein kleines Kind in den Arm nehmen und ihr sa-gen zu können: »Morgen ist alles wieder gut.«

GH: . . . und die Soli der Carmen unterscheiden sich stark voneinander.

EG: Ja, und die Unterschiede entstehen mit der Stimmfärbung – man muss sinnlich klingen, bril-lant oder sehr düster. Bei der »Seguidilla« ist der Part des Don José unerlässlich, man braucht einen Kollegen, der auf das eigene Spiel eingeht und es beantwortet. Wie sinnlich die Carmen erscheint, hängt oft davon ab, wie die anderen Darsteller auf der Bühne auf sie reagieren.

GH: Nur wenige wissen, dass es zwei Fassungen der berühmten »Habanera« gibt. Sie haben beide für dieses Album aufgenommen.

EG: Ich liebe diese frühe Arie, die Bizet später durch eine andere ersetzte – ein wunderbares Stück! Die Möglichkeit, beide dieser sehr unterschiedlichen Habaneras hören zu können, fand ich sehr interessant. Es wäre sicher faszinierend, fast schon schockierend, in einer Inszenierung einmal die erste Fassung zu bringen.

GH: Carmen ist natürlich eine der größten und wahrscheinlich die berühm-teste aller Opern. Aber lassen Sie uns ein bisschen über die Zarzuela sprechen. Viele Leute außerhalb Spaniens wissen nur wenig über diese Form des Musiktheaters.

EG: Zarzuela ist die spanische Form der Operette. Sie wird häufig unterschätzt, doch es gehört schon einiges dazu, eine Zarzuela wirklich gut aufzuführen – das ist auch bei der deutschen Ope-rette so. Denn entgegen der landläufigen Meinung ist die Zarzuela eine ernsthafte Gattung, die meiner Meinung nach stark vom Flamenco geprägt ist. Zarzuela spricht Menschen jeder Natio-nalität an, jedes Publikum in jedem Konzertsaal, in dem ich damit aufgetreten bin.

GH: Wie kamen Sie damit in Berührung?

EG: Mein Mann kommt aus Gibraltar, er ist also in unmittelbarer Nähe zu Spanien aufgewach-sen. Er hat mir diese Gattung nahe gebracht und mir einige bekannte Stücke daraus gezeigt.

Eine Bonusversion von "Habanera" können Sie bei iTunes kaufen.


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