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10.01.2007

Lady in black

Elina Garanca, Lady in black

Elina Garanča will keine Primadonna sein: "Man muss wissen, dass man als Mezzo - wenn die Oper nicht gerade Carmen oder La Cenerentola heißt - in jeden Aufführung höchstens die Nummer drei ist, denn zuerst kommen immer der Sopran und der Tenor. Wenn eine Sängerin sehr um ihren Rang besorgt ist, wird sie vielleicht daran arbeiten, ins Sopranfach zu wechseln, falls ihr diese Möglichkeit offen steht. Aber das reizt mich nicht. Rollen wie Gilda oder Lucia passen einfach nicht zu meinem Charakter. Sie sind Opfer, und ich habe keine Lust, Abend für Abend am Schluss der Oper einen tragischen Tod zu sterben. Ich bin lieber die Mörderin!" Und schon deshalb bleibt Garanča auf absehbare Zeit bei ihrer Lage, ganz zur Freude der Opernwelt. Denn die lettische Mezzosopranistin zählt derzeit zu den wichtigsten jungen Stimmen ihres Fachs und das nicht erst, seitdem sie im vergangenen Herbst an der Wiener Staatsoper mit Diana Damrau als Sophie und Adrianne Pieczonka als Marschallin an ihrer Seite als Octavian im "Rosenkavalier" brillierte. Wie vielfältig sie sich dabei selbst versteht, dokumentiert ihr Debüt für die Deutsche Grammophon, das sie unter dem Titel "Aria Cantilena" einmal um die Musikwelt führt.

Jede Rolle braucht spezielle Vorbereitungen, die manchmal weit über das hinausgehen, was man an Konservatorien lernen kann: "Als ich mit meinen ersten Hosenrollen begann, setzte ich mich manchmal in den Park oder neben den Fußballplatz oder Freitagabend in eine Bar und beobachtete die Männer - wie sie sprechen und sich bewegen, ihre Art zu sitzen oder zu stehen und zu gestikulieren. Mein Mann findet diese Angewohnheit etwas entnervend, dass ich dauernd die Menschen beobachte und ihre typischen Verhaltensweisen studiere. Aber ich bringe all diese Beobachtungen in die Darstellung der jeweiligen Rolle ein, ob sie heiter oder tragisch ist - und mir ist es egal, ob die Leute mit mir oder über mich lachen! Das gehört alles dazu, wenn man lebensnahes Theater schaffen will. Für mich gehören Gesang und Darstellung zusammen. Auf der Opernbühne kann das eine nicht ohne das andere existieren." So zählen Vielseitigkeit auf der einen und Ganzheitlichkeit auf der anderen Seite zu den wesentlichen Eigenschaften, die aus der talentierten Newcomerin während des vergangenen Jahrzehnts einen Star gemacht heben, der auf dem Sprung zur Weltkarriere steht.

Elina Garanča hat das Zeug zur neuen Joan Sutherland, die übrigens zu ihren musikalischen Vorbildern seit den Teenagertagen gehört, als das Mädel beschloss, die ursprünglich angestrebte Musical-Bühne zugunsten der Oper hintan zu stellen: "Mit 17 legte ich Sutherlands Platte mit 'Casta diva' auf und sang bei geöffnetem Fenster lautstark mit, bis die Nachbarn schrien, ich solle endlich aufhören!" Natürlich hat Elina Garanča nicht aufgehört, sondern im ganz im Gegenteil mit viel Begeisterung weiter gemacht. Manchmal grenzte diese Euphorie sogar an Leichtsinn, als sie während ihrer Ausbildung in Wien 1998 beispielsweise gefragt wurde, ob sie für die erkrankte Agnes Baltsa einspringen und die Rolle der Giovanna Seymour in "Anna Bolena" übernehmen könne. Die damals 22jährige Studentin sagte zu, hatte gerade mal zehn Tage zur Vorbereitung, um überhaupt zum ersten Mal auf einer großen Bühne eine große Rolle zu übernehmen. Es hätte schief gehen können, doch das Wagnis gelang und führte dazu, dass Garanča über Nacht zum Stadtgespräch der Wiener Opernsociety wurde. Wahrscheinlich geht es überhaupt nur so, mit einer Mischung aus Talent, Professionalität und Mut, um sich über die Meisterklassen der Hochschulen hinaus zu profilieren.

Für Garanča jedenfalls sind die Weichen gestellt. Sie gehört bereits zu den Mezzo-Diven der neuen Generation und sie ist sich im Klaren, dass sie nun mit ihrem internationalen CD-Erstling für die Deutschen Grammophon den bestmöglichen Eindruck machen, und dabei zugleich ehrlich und unverwechselbar bleiben muss: "Ich habe daher ein Programm gewählt, das die Entwicklung meiner Stimme zeigt und einige meiner jetzigen und künftigen Opernrollen herausstellt. Ich denke auch an das internationale Publikum und singe daher italienische, französische, deutsche, spanische und portugiesische Stücke. Alle Zuhörer sollen sich von dieser CD angesprochen fühlen." Die Aufnahmen für "Aria Cantinela" entstanden im Sommer vergangenen Jahres in der Dresdner Lukaskirche und brachten Garanča mit der Staatskapelle Dresden unter Fabio Luisi zusammen, auch das eine Kombination, die unter einem guten Stern stand.

Denn Garanča, die sich vor der Kamera als hochgeschlossene Diva in schwarz präsentiert, erwies sich vor den Mikrofonen als eine hochsensible Interpretin, deren fein emotionale Melodieführung perfekt mit der leidenschaftlichen Orchesterleitung des Pultkollegen aus Genua harmonierte. So geht alles in allem mit diesem Album eine Künstlerin an den Start, die man fortan nicht mehr überhören, übersehen wird. Und auch nicht will.

Weitere Informationen zur Mezzosopranistin Elina Garanča erhalten Sie auf Ihrer Künstlerwebsite bei KlassikAkzente.


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