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14.01.2009

Schönheit und mehr

Elina Garanca, Schönheit und mehr Gabo / DG

Für Elina Garanča ist es auch eine Rückkehr zu ihren Anfängen. Denn schon als junge Gesangsstudentin widmete sie sich dem Belcanto, nicht aus Größenwahn, sondern weil ihre damalige Lehrerin sie dazu anleitete. Nun ist die lettische Mezzosopranistin eine der Starvokalistinnen ihrer Generation und da liegt es nahe, dass sie sich auch mit einem eigenen Programm dieser vertrauten Leidenschaft widmet. „Bel Canto" heißt ihr zweites Album für die Deutsche Grammophon unter eigenem Namen und setzt die Linie, die 2007 mit dem Debüt „Aria Cantilena" begann, eindrucksvoll fort. Denn hier singt jemand Höhepunkte des virtuosen Repertoires, als gäbe es nichts Leichteres als Musik von Donizetti, Bellini und Rossini.

Die Kunstform des Belcantos ist eng mit der Geschichte der Bürgerlichkeit verbunden. Sie entstand an einer Epochenschwelle, als durch die Französischen Revolution zum einen die überkommenen altadeligen Unterhaltungsmuster des Höfischen aus der musikalischen Welt verbannt worden waren, andererseits aber ein zunehmend sich per se und in Reaktion auf die restaurativen Kräfte im Anschluss an den Wiener Kongress selbstbewusst definierendes Bürgertum nach Ausdrucksformen suchte, die seinen Anspruch auf kulturelle Führungskraft verdeutlichten. Dazu kam ein gesteigertes Zerstreuungsbedürfnis größerer, vor allem urbaner Bevölkerungsschichten auf der einen Seite, außerdem die für die (nord)italienischen Metropolen bereits seit der Renaissance typischen Tendenzen zu künstlerischer Offenheit und ein anhaltender Boom der florierenden Opernlandschaft.  So konnte eine musikalische Gattung entstehen, in der sich Virtuosentum und Leistungsethik, melodisches Bewusstsein und eine Tendenz zum inhaltlichen Eskapismus, frühromantisches Genie und erfolgsorientierter Pragmatismus komplementär vereinten.

Belcanto ist daher zu einem schön um der Schönheit der Musik willen, auf der anderen Seite aber ein Prüfstein für die Fähigkeiten der menschlichen Stimme, verpackt in eingängige Melodien für ein nach Unterhaltung sich sehnendes Publikum, das im Idealfall auch noch die kritischen Untertöne historischer Anspielungen verstand. Und aus diesem Grund hat er sich zu einer vielschichtigen Kunstform entwickelt, die auch nach knapp zwei Jahrhunderten noch reichlich Stoff für gestalterische Herausforderungen in sich birgt. Er ist mehr als „L'art pour l'art" und nebenbei eine Schatzkiste vergessener oder wenig gesungener Highlights des vokalen Repertoires. „Der Belcanto begleitet mich schon seit dem Beginn meines Studiums" erinnert sich Elina Garanča an die Entstehung ihres faszinierenden aktuellen Albums. „Meine erste Lehrerin am Konservatorium von Riga, eine Russin, fand, dass meine Stimme besonders geeignet für den Belcanto sei. Ich stand noch am Anfang meiner Laufbahn und konnte eigentlich nichts richtig singen, aber sie erkannte, dass Färbung und Timbre meiner Stimme zu diesem Repertoire passen."

Inzwischen ist ein knappes Jahrzehnt ins Land gegangen. Elina Garanča hat alle Fertigkeiten und Erfahrungen gesammelt, um diese knospende Kunst in eine strahlende Blüte zu verwandeln. „Das Album war lange in Vorbereitung" kommentiert die Sängerin weiter. „Das gab mir die Zeit, mich sehr gründlich mit der Musik zu beschäftigen. Ich habe beispielsweise in einer Wiener Bibliothek verschiedene Autographen studiert und auch die Deutsche Grammophon hat mich reichlich mit Musik versorgt. Ich weiß noch, dass ich einmal eine Sendung mit 20 Opernpartituren erhielt. Ich sah die Werke Seite für Seite durch und prüfte Arien, Duette und Ensembles, um herauszufinden, wie sie zu meiner Stimme passen würden. Es gibt von diesen Komponisten so viel herrliche Musik, die wir noch gar nicht kennen".

So wurde „Bel Canto" kein Album, das sich nur an den Hits des Genres entlang arbeitet, sondern präsentiert ein buntes und weites Spektrum famoser Melodien. Es reicht von Rossinis „Tancredi" und „Maometto II" über Bellinis „Adelson e Salvini" bis hin zu Donizettis „Lucrezia Borgia", „Maria Stuarda"  und „L'assedio di Calais". Elina Garanča zur Seite steht dabei Roberto Abbado, der Orchester und Chor des Teatro Communale di Bologna passgenau auf die Besonderheiten der Werke und der Stimme der Solistin abstimmt. Unterm Strich ergibt sich damit eine herausragende Aufnahme, die die Kompetenz einer strahlenden und betörenden Vokalistin mit der Eloquenz einer raffiniert auf Wirkung bedachten Musik verbindet. Und das Elina Garanča im kommenden März und Juni nicht zuletzt auch mit insgesamt acht Konzerten in deutschen Konzertsälen in verschiedenen Kombinationen live präsentieren wird.

www.elina-garanca.de

Tourtermine Elina Garanča:

13.03.2009 Hamburg Laeiszhalle
16.03.2009 Stuttgart Liederhalle
18.03.2009 Berlin Philharmonie
20.03.2009 Düsseldorf Tonhalle
23.03.2009 München Philharmonie im Gasteig
25.03.2009 Frankfurt Alte Oper
10.06.2009 Baden-Baden Festspielhaus
14.06.2009 Baden-Baden Festspielhaus


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