Backstage
Elina Garanca BACKSTAGE EXCLUSIV

Aktuelles Album

Facebook

News

20.01.2010

Elīna Garanča und Rossinis Märchenstunde

Elina Garanca, Elīna Garanča und Rossinis Märchenstunde

Die Kenner erinnern sich. Anfang der 1990er Jahre nahm das Teatro Comunale in Bologna eine Rossini-Oper ins Programm, die lange Zeit zu den selten gespielten Werken des Komponisten gehörte. In der Hauptrolle war eine junge römischen Mezzosopranistin namens Cecilia Bartoli zu hören, die derart überzeugend das Märchen vom Aschenbrödel sang, dass „La Cenerentola“ prompt wieder in die erste Liga der Spielpläne rutschte. Zu recht übrigens, denn Rossinis Oper glänzt nur so vor wunderbaren Melodien. Und deshalb ist die Hauptrolle der Angelina des Bühnenmelodrams auch eine Paradepartie für Elina Garanca, eine der faszinierendsten Mezzosopranistinnen der Gegenwart, die damit im vergangenen Sommer an der Metropolitan Opera in New York brillierte. Nun ist die umjubelte Aufführung auch auf DVD erhältlich - ein Fest der Sinne und der Musik.

Für Gioacchino Rossini war es eine turbulente Zeit, wo er oft an zwei bis drei Bühnenstücken gleichzeitig arbeitete. Der junge Mann hatte als 18jähriger mit der Aufführung seiner zweiten Oper „La cambiale di matrimonio“ (1810) debütiert, kurz darauf mit „Tancredi“ (1813) und „L’italiana in Algeri“ (1813) zwei regelrechte Genrehits geschaffen und galt seitdem als wichtigster lebender Komponist für das mit dem Erstarken des Bürgertums boomende Musiktheater. Da er immens kreativ war und auch unter Druck arbeiten konnte, entstanden daher bis zum „Guillaume Tell“ (1829) immerhin 34 italienische und fünf französische Opern und begründeten den Ruhm der italienischen Bühnenmusik im 19.Jahrhundert. Insofern war „La cenerentola ossia La bontà in trionfo“ („Aschenbrödel oder der Triumph der Herzensgüte“) nur ein Werk unter vielen, das Rossini im Auftrag de Intendanten des Teatro Valle geschrieben hat.

Die turbulenten Verhältnisse der eilig inszenierten Uraufführung am 15.Januar 1817, mitten während der Karnevalszeit, die im sittenstrengen Rom ausgiebig als Trieb- und Gefühlsventil genossen wurde, täuschen allerdings ein wenig über die spätere Rezeption des Werkes hinweg. Nach der Feuerprobe, die eher mäßig aufgenommen wurde, landete das Stück trotzdem auf den Spielplänen anderer Opernhäuser. Mit ein wenig mehr Vorbereitung fand die Geschichte vom sittenstarken Mädchen, das ihren Prinzen bekam, schließlich zuerst in Rom, dann in anderen italienischen Großstädten, schließlich auch in London (1820) und New York (1826) ein begeistertes Publikum. Trotzdem geriet „La cenerentola“ zwischenzeitlich in Vergessenheit. Das lag jedoch eher an den stimmlichen Moden, die das Fach des Koloratur-Alts unpopulär werden ließen, als an der Musik. Jedenfalls dauerte bis weit ins 20.Jahrhundert, bis man die Oper wieder häufiger auf den Programmen fand und sie inzwischen mit famosen Mezzo-Stimmen in der Hauptrolle wieder zu den Hits auf den großen Bühnen zählt.

„La cenerentola“ mit Elīna Garanča in der Partie der auf ihren Märchenprinz hoffenden Angelina wurde in der New Yorker Metropolitan Opera am 9.Juli vergangenen Jahres aufgezeichnet. Für die Mezzosopranistin war es bereits die zweite große Rolle, die sie dort angeboten bekam, nachdem sie bereit als Rosina in „Il barbiere di Siviglia“ umjubelt wurde. Sie meisterte die Aufführung mit betörender Souveränität und einem Charme, der selbst die Kritiker so verzückte, dass etwa der Rezensent in der New York Times hingerissen von ihrer „strahlenden Stimme“ schwärmte. Und natürlich hatte sie ein hervorragendes Team an ihrer Seite, mit Lawrence Brownlee als Don Ramiro, dem Fürsten von Salerno, und Alessandro Corbelli als Don Magnifico, Baron von Montefiascone. Dirigiert wurde die von Cesare Lievi inszenierte Produktion von Maestro Maurizio Benini, der das Ensemble und Orchester des Hauses mit vorbildlicher Vitalität im Griff hatte. So lohnt es aus vielerlei Gründen, sich die Doppel-DVD von „La cenerentola“ in die eigenen Heimoper zu holen. Denn besser präsentiert, mit brillanterem Ton und besseren Darstellern kann man sich Rossinis Schmuckstück kaum vorstellen.


KOMMENTARE

Kommentar speichern