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03.07.2014

Eliot Sumner, 2014

2010 veröffentlichte Eliot Sumner ihr Debüt-Album "The Constant" unter dem Pseudonym I Blame Coco, ein Spitzname aus Kindertagen. Jetzt ist sie nach vier Jahren schreiben, touren und gutem alten Erwachsen werden zurück – und diesmal entledigt sie sich ein für alle Mal des künstlichen Bandnamens. "Jetzt oder nie", meint sie. "Ich bin stolz auf die Musik, die ich mache, und jetzt ist es an der Zeit, auch mit meinem echten Namen dafür zu stehen."

Eliots neue EP "Information" zeugt von einem neuen Sinn für Konzentration und Klarheit. Die drei Songs darauf tragen zwar immer noch den Electro-Pop-Stempel von I Blame Coco, doch sie offenbaren auch überraschendere Einflüsse von ihrer Lieblingsband aus Teenager-Zeiten, den Bad Seeds, bis hin zu noch obskureren Klängen. "Die Platte ist viel organischer. Sie hat eine Menge Energie. Ich habe sehr viel Krautrock gehört, das hat einen großen Einfluss gehabt. Ich finde, es hört sich alles frisch an und dabei doch ziemlich vertraut. Solche Musik würde ich mir wahrscheinlich selbst anhören, das ist gut."

"Information", der Titeltrack und Opener der EP, ist ein über sechs Minuten langer Song mit Synthesizern und Strings, der mit einer langen, souveränen Instrumentalpassage endet. Er wurde von Duncan Mills produziert, der schon mit The Vaccines, Spector und den Crocodiles zusammengearbeitet hat, und in den Strongroom-Studios in London aufgenommen. "'Information' ist ein Trennungssong", erklärt Eliot. "Es geht darum, dass man die Situation nicht versteht. Heutzutage müssen dank sozialer Netzwerke immer alle jederzeit alles wissen. Das Problem dabei ist aber, dass die Leute so an kurze Informationsschnipsel gewöhnt sind, dass keiner mehr eine richtige Aufmerksamkeitsspanne hat. Ich zumindest nicht. Es geht um das Streben danach, alles zu erfahren. Wir haben das Stück in einem Take aufgenommen und es ist schön, dass es jetzt auf dem Album ist."

"Come Friday" dagegen, ist ein gitarrenlastigerer Song mit hymnenhaftem Refrain und auch er versteht es mit strahlenden, himmelstürmenden Melodien einen eher finsteren Inhalt zu verschleiern. "Das ist einer meiner Lieblinge, aber nicht gerade ein fröhlicher Song. Er handelt davon, immer noch in jemanden verliebt zu sein und dieser Person nicht zu gestatten, ein neues Leben zu beginnen. Sehr egoistisch also. Ich habe den Song im Zug geschrieben, dann sind wir zurück nach Guildford gefahren und haben ihn bei meinem Bandkollegen zu Hause aufgenommen."

Dann ist da noch "Wobbler", ein bedrohlicher Trauerwalzer, den Eliot auf Reisen geschrieben hat. Darin wird die Geschichte einer Person erzählt, die "Menschen, ehemalige Geliebte, aus reiner Freude tötet", sagt sie lächelnd. "'Murder Ballads' ist eines meiner Lieblingsalben und ich wollte eine fiktionale Geschichte über Eifersucht schreiben, ein schreckliches, sinnloses Gefühl. Es bringt einem nichts." Eliot ist jetzt 24 und macht Musik, seitdem sie fünf Jahre alt war, eine Gitarre in die Hand nahm und sich selbst das Spielen beibrachte.

Sie wuchs inmitten von Musikern auf und eines Tages fing sie an, "Leute zu imitieren, wie sie beim Gitarrespielen aussahen". Danach gab es kein Zurück mehr. In der Schule gründete sie eine Band, die den ausgetretenen Pfad einschlug, bei Talentshows aufzutreten. "Ich finde, wir waren eine der besseren Bands! Ich fand uns echt cool." Ein paar zaghafte Versuche und unvollendete frühe Stücke fanden sogar den Weg ins Internet. Eliot sieht deren Existenz philosophisch. "Ich kann es nicht ändern, also muss ich es wohl zulassen. Vielleicht sollen sie für immer da sein."

Die Erfahrung, schon früh von einem Major Label unter Vertrag genommen zu werden, nachdem sie als I Blame Coco begonnen hatte, Konzerte zu spielen und Songs zu schreiben, hatte positive und negative Seiten. Eliot sagt nun, dass es ein sehr junges Alter sei, um sich in dieser Welt zurechtzufinden. "Ich verstehe, dass es schwierig ist, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der 17 ist. Da ist man noch keine komplett entwickelte Persönlichkeit. Man ändert stündlich seine Meinung."

Sie brachte die Single "Caesar" heraus, auf der Robyn einen Gastauftritt hat und die ein guter Vorgeschmack auf ihren frischen, melodischen Electro-Pop war. "Selfmachine", die zweite Single von "The Constant", erwies sich als echter Dauerbrenner und wird bald in einer neuen, auf das Wesentliche reduzierten Version wiederveröffentlicht. "Ich liebe diesen Song wirklich und er verdient es auch." Nach dem Erscheinen von "The Constant" war Eliot zwei Jahre lang auf Tour, spielte auf der ganzen Welt Headliner-Shows und Festivals, was ihrer von Natur aus nomadischen Wesensart entgegenkam.

"Es macht so viel Spaß, ich finde das wirklich toll. Jeder würde es doch mit 19 oder 20 total cool finden, die Welt zu bereisen und live zu spielen." Das Tourleben bot ihr auch den Vorteil fester Strukturen. "Meine Aufmerksamkeitsspanne ist ja nicht so gut, da helfen geordnete Abläufe." Wenn es auch vier Jahre gedauert hat, neues Material zu schreiben und aufzunehmen, faul ist sie während dieser Zeit nicht gewesen.

"Ich habe mit verschiedenen Sachen experimentiert, mit Schreibmethoden. Ich habe mit Clint Mansell zusammengearbeitet, wir wollten eigentlich auch das Album zusammen machen, nachdem wir schon beim Soundtrack des Films Filth zusammengearbeitet hatten. Aber er hatte so viel zu tun und es ließ sich nicht mehr rechtzeitig in die Tat umsetzen. Ich will gern mehr Soundtracks machen, mit ihm zusammenzuarbeiten war also… Es war ein Segen für mich, zu sehen wie er arbeitet."

Dazu kommt, dass sie, auf einer persönlichen Ebene, ganz einfach Zeit brauchte, um erwachsen zu werden. "Ich bin wirklich sehr erwachsen geworden. Ich habe quasi Winterschlaf gemacht, mich auf die Suche nach meiner Seele begeben", witzelt sie. Glücklicherweise wurde sie fündig, höchstwahrscheinlich im Lake District. "Ich zog mich fünf Monate lang dorthin zurück, in totaler Isolation, nur mein Hund war dabei. Das war super. Ich kam mir vor wie Bilbo Beutlin. Ich habe da oben ein Album geschrieben, nicht das, was ich jetzt herausbringe, aber es ist sehr düster, langsam und komplex."

Vielleicht, fügt sie hinzu, erscheint es irgendwann sogar als eine Sammlung von B-Seiten. Mit neuen Songs und neuer Energie im Gepäck beweist Eliot Sumner, dass sie seit 2010 gelernt hat, ein Star zu sein. "Es kommt mir vor, als würde ich ein neues Kapitel aufschlagen, in meinem Leben und auch in musikalischer Hinsicht", sagt sie. Und wenn sie auch über Herzschmerz singt, 2014 scheint ein gutes Jahr für sie zu werden. "Ich bin sehr glücklich."


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