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13.04.2012

Stimmen aus dem Netz - “Water Night” von Eric Whitacre

Kein anderer zeitgenössischer Komponist nutzt die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke so virtuos wie Eric Whitacre. Der Initiator des “Virtual Choir” ist damit zu einem Hauptakteur der globalen Chormusik-Szene geworden.

Eric Whitacre, Stimmen aus dem Netz

Erinnern Sie sich noch an Napster? Die Musiktauschbörse, mit der kurz vor dem Millennium die illegale Verbreitung von Musikdateien begann, bedrohliche Dimensionen für die Musikindustrie anzunehmen? Eine Vielzahl von Musikern wie die Band Metallica lief Sturm gegen das von Studenten gegründete Portal, dessen Community kurz vor seinem Aus im Februar 2001 auf etwa 80 Millionen Nutzer weltweit angewachsen war.

Doch nicht alle Musiker haben negative Erinnerungen an das Netzwerk. Im Gegenteil: Eric Whitacre ist sich im Rückblick sicher und dankbar dafür, dass erst Napster die weltweite Verbreitung seiner Musik ermöglicht hat. Heute ist der US-amerikanische Dirigent und Komponist einer der erfolgreichsten Protagonisten der internationalen Chormusik-Szene. Und für seine Arbeit ist der Community-Gedanke nachwievor von zentraler Bedeutung.

Der erste virtuelle Chor

Whitacre initiierte das erste gemeinsame Chorsingen im Internet, den “Virtual Choir”. Dazu stellte er die Partitur seiner Chorkomposition “Lux Aurumque” und ein Video auf seine Webseite, in dem er das Stück dirigiert. Er rief alle Interessierten dazu auf, sich beim Mitsingen zu beteiligen und mit der Webcam zu filmen. Aus den über 185 Videoeinsendungen setzte Whitacre am Ende eine hochwertige Aufnahme zusammen und präsentierte sie auf der Video-Plattform Youtube: ein virtueller Chor mit Stimmen aus dem Netz.

Mittlerweile ist das im Juli 2009 veröffentlichte Video 3 Millionen Mal geklickt worden. Ein Erfolg, der auch in der Folgezeit nicht abriss, als Eric Whitacre im Oktober 2010 gemeinsam mit dem 2.052 Stimmen umfassenden “Virtual Choir 2” eine Neuauflage seines Erfolgswerkes “Sleep” auf Youtube feierte. Und Anfang 2012 erreichte die Karriere von Eric Whitacre ihren vorläufigen Höhepunkt: Er erhielt den Grammy für sein bei Decca erschienenes Album “Light & Gold”, das Aufnahmen von “Lux Aurumque” und weiterer Eigenkompositionen mit der von ihm geleiteten Gruppe professioneller Sänger, den “Eric Whitacre Singers”, enthält.

Das neue Album “Water Night”

Gemeinsam mit den “Eric Whitacre Singers” hat er auch “Water Night”, sein neues Album für die Decca, aufgenommen. Es enthält eine Reihe von Ersteinspielungen neuer und älterer Werke aus Whitacres Feder, etwa die im vergangenen Jahr entstandenen Stücke “Alleluia” und “Oculi Omnium”, in dem sich über einer schwebenden Klangballung ein Sopran in himmlische Sphären erhebt - ein imposantes Beispiel für die mittlerweile als “Whitacre Chords” apostrophierten, pan-diatonischen Clusterbildungen des Komponisten.

Im Stück “Equus” ruft Eric Whitacre mithilfe des London Symphony Orchestra Erinnerungen an Philip Glass und John Adams wach, deren minimalistische Filmmusikentwürfe er als wichtige Inspirationsquelle schätzt. Das pastorale “The River Cam”, von Whitacre zum 60. Geburtstag des Cellisten Julian Lloyd Webber geschrieben und von jenem wiederum für “Water Night” eingespielt, atmet dagegen den Geist Edward Elgars und Ralph Vaughan Willams’. Für “Goodnight Moon” hat sich Eric Whitacre vom gleichnamigen Kinderbuch von Margaret Wise Brown inspirieren lassen. Das grazile Stück für Streicher und Sopran wird von Hila Plitmann gesungen, der Grammy-Preisträgerin und Ehefrau des Komponisten.

Virtual Choir 3

Mit der Arbeit am Titelstück “Water Night” geht unterdessen der “Virtual Choir” in seine dritte Runde. Eric Whitacres Ziel ist es diesmal, gemeinsam mit den mithilfe des Internets partizipierenden Sängern und Sängerinnen aus aller Welt bestmögliche Ergebnisse zu erzielen. “This time, it's all about raising our game”, verkündet der euphorische Eric Whitacre auf seiner Webseite. Kostenlose virtuelle Workshops und Masterclasses sollen bei der Einstudierung des Werkes helfen. Und am Ende soll “Water Night” in einer audio-visuellen Installation präsentiert werden, die um die ganze Welt reisen wird.

Zum nächsten Mitsingkonzert in der “realen” Welt lädt Eric Whitacre am 15.04.2012 um 16.00 Uhr in die Berliner Philharmonie ein. Alle Gesangsbegeisterten sind dazu aufgerufen, gemeinsam mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und dem Rundfunkchor Berlin Whitacres “Songs of Immortality Nr. 2” zu singen. Die Proben beginnen um 10.00 Uhr.


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