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16.07.2008

Die Stimme Uruguays

Erwin Schrott, Die Stimme Uruguays

Biographien von Opernstars haben zumeist etwas Unwirkliches. Da wird von einem Erfolg zum nächsten gehetzt und als Leser bekommt man das Gefühl, das hier einzelne Gestalten das Pensum ganzer Generationen absolvieren wollen. Auch Erwin Schrott kann inzwischen die einschlägigen Kritiken und Engagements vorlegen, die ihn in der Wertschätzung von Publikum und Spezialisten als einen der Gewinner des Spiels charakterisieren. Allerdings ist er sich auch klar darüber, dass vieles von dem, was hell auflodert, schnell verglühen kann. Nicht zuletzt deshalb hat er gewartet, bis ihm die Zeit reif schien und die Decca auf ihn zukam, um ein internationales Solo-Debüt zu präsentieren. Seiner Kunst hat das gut getan, denn schon lange nicht mehr wirkte ein Bass-Bariton bereits am Anfang seiner Schallplattenkarriere so vollendet wie Erwin Schrott.

Nun war es alles andere als sicher, dass Erwin Schrott jemals als Sänger sein Glück versuchen könnte. Geboren 1972 in Montevideo in Uruguay war er zwar bereits als Knabe ein begabter Sänger und pflegte die ersten Stimmversuche unter anderem in Kinderchören der Stadt, die zuweilen zu Opernaufführungen herangezogen wurden. Ansonsten aber half er seinem Vater schon mal als Autowäscher oder in dessen neu gegründetem Restaurant, als sich dieser in Zeiten der Depression eine Existenz aufbaute. Immerhin, Schrott fand aber auch den Weg ans städtische Konservatorium und als sich in High-School-Zeiten der Wunsch verdichtete, es als Sänger zu versuchen, fand er bei der Pianistin und Regisseurin Emilia Rosa eine erfahrene Beraterin.



Sie riet ihm, er solle sein Glück in der Ferne suchen. Zwar debütierte Schrott als 22jähriger Roucher in der Oper"Andrea Chénier" in Montevideo mit einigem Erfolg, aber erst nachdem er wenig später über Nordamerika nach Italien ging, zeigte sich so etwas wie ein Silberstreif der Berufsperspektive am Horizont. Er bekam die Möglichkeit, in Washington mit "L'elisir d'amore" aufzutreten, wurde von Riccardo Muti in Rossinis Oper "Moїse et Pharaon" begleitet, sang in Turin im "Boris Godunov" und fand mit kleineren Rollen seinen Weg an Häuser wie die Met in New York. Wirklich aufmerksam wurde die Opernwelt auf den neuen Bass-Bariton, als der 1998 Placido Domingos Operalia-Wettbewerb gewann. Das war dann einer der Katalysatoren, die dafür sorgten, dass man Erwin Schrott von nun an weltweit auf den renommierten Bühnen hörte.

Und doch hielt er sich damit zurück, seine Kunst auf CD zu veröffentlichen. So konnte sein Arien-Album für die Decca zu einem echten Debüt werden: "Das war eine wunderbare Herausforderung für mich und eine völlig neue Erfahrung, weil ich noch nie vor einem Mikrofon gestanden hatte", resümiert der Künstler seine Erlebnisse mit diesem Projekt. "Ich wollte es einfach so gut machen, wie ich nur konnte". Das allerdings ist ihm vollauf gelungen. Denn die zwölf Arien seines Solo-Recitals dokumentieren einen ebenso warmherzigen wie präzisen, ebenso leidenschaftlichen wie herausragenden Sänger, dem es nicht nur, aber vor allem mit Melodien von Mozart gelingt, die Hörer mitzureißen. Egal ob Leporello, Don Giovanni oder Figaro, Schrott überzeugt durch sein immenses Talent, die Rollen bereits nach wenigen Tönen zu verkörpern und aus tiefster Überzeugung heraus zu präsentieren. Das gilt für Mozarts Charaktere ebenso wie für die Pendants in den Opern von Verdi, Berlioz, Gounod und Meyerbeer, die die zweite Hälfte des Programms prägen, das er gemeinsam mit dem Orquestra de la Comunitat Valenciana unter der Leitung von Riccardo Frizza verwirklicht hat. "Opernhäuser in aller Welt werden sich in Kürze um ihn reißen", meinte unlängst die New York Times. Nach diesem Album wahrscheinlicher denn je.


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