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02.12.2008

Fall Out Boy 2008

Fall Out Boy - "Folie à Deux" (Vö 12.12.2008)

"Ehrlich gesagt waren wir nie die absoluten Kritikerlieblinge oder eine von den 'coolen Bands', aber wir haben trotzdem stets versucht, unseren Fans alles zu geben, und das soll auch in Zukunft so bleiben."

Pete Wentz, Bassist und zweiter Sänger von Fall Out Boy, verfasste diesen Blog-Eintrag wenige Wochen vor der Fertigstellung von "Folie à Deux", dem vierten Studioalbum der Band. Obwohl sich Fall Out Boy in den sieben Jahren seit ihrer Gründung zu einer der größten US-Bands entwickelt haben – angefangen als Vorgruppe in kleinen Klubräumen, wo sonst Kriegsveteranentreffen abgehalten wurden, traten sie schon bald als Headliner in Stadien auf und führten die Charts an –, haben sie eine Konsistenz an den Tag gelegt, die sich in Platten- oder Ticketverkäufen keineswegs messen lässt. Sicherlich klingen sie auf „Folie“ anders als diejenige Band, die einst in der Punk- und Hardcore-Szene von Chicago zusammenfand, aber die neue Platte basiert doch auf derselben Einstellung. Es weht auf ihr derselbe Wind. Denn auch sie ist ein gewagtes Experiment, unfassbar dynamisch und, nun ja, einfach nur catchy – sie hat also sämtliche Eigenschaften, für die der Name Fall Out Boy seit Jahren steht.

"Wir fühlen uns immer noch wie diejenige Band, die 'Take This To Your Grave' aufgenommen hat", sagte Frontmann Patrick Vaughn Stump kurz vor der Fertigstellung der LP in einem Interview. Mit besagtem Album gelang ihnen im Jahr 2003 endgültig der Durchbruch. „Ich könnte das Album zwar heute nicht noch einmal schreiben, aber was unsere Motivation betrifft, hat sich nichts geändert. Überhaupt nichts. Wir verfolgen nach wie vor denselben Ansatz.“

Bemerkenswerterweise fühlt sich „Folie à Deux“ gleichermaßen wie das Ergebnis von jahrelanger Arbeit und wie eine LP an, die so nur genau jetzt entstehen konnte. Hier und heute. Fall Out Boy klingen zuversichtlich und zynisch zugleich, was sie präsentieren, ist inhaltlich und musikalisch anspruchsvoll, absolut persönlich und doch politisch, und darüber hinaus ist es die mit Abstand vielschichtigste Platte, die FOB aufgenommen haben.

Was „Folie“ dagegen nicht ist: Ein „erwachsenes“ Album (soll heißen: langweilig, gemäßigt, zurückhaltend). Im Gegenteil: Die neue LP, deren Titel man als „symbiotischer (oder kollektiver) Wahn“ übersetzen kann, ist definitiv das krasseste musikalische Statement ihrer Karriere. Das machen sie schon mit der ersten Single „I Don’t Care“ deutlich, wenn Stump über einem wahnsinnig druckvollen Klangteppich folgende Zeile schreit: „I don’t care what you think/as long as it’s about me.“ Der Witz daran ist, dass sich der Song insgesamt nach einer überdimensionalen Glamrock-Hymne (à la Gary Glitter) anhört, während der Refrain eine ziemlich „fürchterliche“ Message zum Ausdruck bringt, um es mit dem Sänger zu sagen.

„Die Leute interessieren sich nur für Oberflächlichkeiten, und ich finde das echt tragisch“, berichtet er, wenn man ihn auf den Song anspricht. „Insofern funktioniert dieses Stück wie eine ironische Hymne, weil man sie eigentlich lieber doch nicht mitsingen will. Ich wollte garantieren, dass die Leute die Aussage des Songs nicht umgehen können.“

Obwohl Wentz kürzlich gesagt hat, dass die neue Platte „nicht allzu politisch ist“, finden sich auf „Folie“ doch immer wieder gesellschaftskritische Kommentare. Auf „Coffee’s For Closers“ singt Stump z.B. „Throw your cameras in the air/and wave ‘em like you just don’t care.“ Laut Aussage des Sängers wirft er mit dem Refrain (er singt: „Change will come/but I will never believe in anything again“) einen zynischen Blick auf den Idealismus der Neunziger und auf die Tatsache, dass unsere Gesellschaft zunehmend zu Celebrity-Wahnsinn neigt. „Ich glaube, dass die Leute irgendwann aufgehört haben, an das Gute im Menschen zu glauben. Die Welt zu verändern oder etwas Gutes zu tun scheint für sie inzwischen ein Ding der Unmöglichkeit zu sein“, sagt er.

Musikalisch bewegen sich Fall Out Boy auf „Folie“ derweil in ganz unterschiedliche Richtungen, wobei immer wieder ihr Hang zu epischen Klangwelten durchschimmert; mal sind es Harmonien, die an die Beatles erinnern („America’s Suitehearts“, „20 Dollar Nose Bleed“), während sie im Fall von „Coffee’s For Closers“ sogar mit orchestralen Elementen überraschen. Am beeindruckendsten klingen sie definitiv auf „What a Catch, Donnie“, einem absoluten Ohrwurm, der sich langsam aufbaut und mit diversen Gästen besticht: Elvis Costello, Brendon Urie von Panic at the Disco, Travis McCoy, der Frontmann der Gym Class Heroes, Alex deLeon von The Cab und William Beckett von The Academy Is sind mit von der Partie.

Auch die Fans ihrer Exkurse in Richtung Beats/HipHop, die Fall Out Boy schon auf dem Vorgänger „Infinity On High“ präsentierten, kommen dieses Mal auf ihre Kosten: Auf „Tiffany Blews“ werden Wentz & Co. von Lil Wayne, dem derzeit größten Rapper, unterstützt, während sie auf „w.a.m.s“ mit The Neptunes futuristischen Roboter-Funk kreieren, der auch die erste Hälfte von „Headfirst Slide Into Cooperstown On A Bad Bet“ dominiert (danach entwickelt sich das Stück zu einer übergroßen Rock-Nummer mit Klaviereinlagen).

Da Fall Out Boy schon immer einen Hang zu Konzepten hatten, haben sie vor kurzem eine virale Marketingkampagne namens „Citizens for Our Betterment“ gestartet, die mit einer Reihe von kryptischen Informationsschnipseln im Netz begann und schließlich in einem Gratis-Download eines Mixtapes kulminierte, auf dem neue Tracks und unveröffentlichte Demoversionen von Fall Out Boy und diversen anderen Bands des Labels Decaydance vertreten waren. Da Wentz diese Art der Interaktion mit seinen Fans sehr schätzt, sagt er, dass er sich noch ganz andere Aktionen vorstellen könne. „Diese ganze Kampagne ist Teil des neuen Albums... das Mixtape war Teil der Kampagne, und nun müssen wir sehen, wie sich das alles entwickelt. Ich weiß, dass die Leute von einer viralen Marketingkampagne sprechen, aber letztendlich ist es so, dass wir jeden Tag etwas Neues machen. Indem wir diese autokratische Organisation gegründet haben, wenn man das so nennen kann, haben wir eine vollkommen demokratische Kampagne gestartet, weil die Leute letztlich selbst in der Hand hatten, in welche Richtung sich dieses Experiment entwickelt.“

Alles in allem ist „Folie à Deux“ exakt das künstlerische Statement, das Fall Out Boy dieses Jahr machen wollten. „Ich liebe diese Platte, aber ob ich denke, dass auch die Fans sie lieben werden? Nun, ich weiß es nicht“, hat Stump kürzlich gesagt. „Warum machen wir Alben? Weil wir etwas zu sagen haben. Sobald du nichts mehr zu sagen hast, kannst du kein Kunstwerk mehr erschaffen – dann kannst du allenfalls noch ein Produkt kreieren. Doch das interessiert mich nicht, denn ich will ein Künstler sein.“

Ein paar Absätze über die Geschichte der Band...

Fall Out Boy sind eine im Jahr 2001 in einem Vorort von Chicago gegründete Band. Zwei Jahre später hatten sie bereits ihr erstes Album („Evening Out With Your Girl“) veröffentlicht und einen Vertrag mit Fueled by Ramen unterzeichnet, dem Label von Vinnie Fiorello (Schlagzeuger von Less Than Jake) und seinem Partner John Janick.

Mit „Take This To Your Grave“ aus dem Jahr 2003 revolutionierten sie nicht nur das eingeschlafene Pop-Punk-Genre, sondern konnten auch erste Erfolge im Mainstream-Bereich verbuchen. Nach diversen Tourneen veröffentlichten sie mit „From Under The Cork Tree“ (2005) ihr bislang erfolgreichstes Album, wobei zwei Singleauskopplungen („Sugar We’re Going Down“ und „Dance Dance“) sogar in den Top-10 der Billboard-Charts landeten. Schließlich wurden sie noch für einen Grammy in der Kategorie „Best New Artist“ nominiert.

Währenddessen erweiterte die Band kontinuierlich ihr kreatives Spektrum, unter anderem indem Bassist Wentz sein eigenes Label Decaydance ausbaute (auf dem z.B. Panic at the Disco unter Vertrag sind) und Sänger Stump auf diversen Alben als Gast-Vokalist und Produzent auftrat (z.B. auf dem Hit „Cupid’s Chokehold“ von den Gym Class Heroes). Darüber hinaus unterstützen sie eine Reihe von gemeinnützigen Organisationen wie Invisible Children, Reverb und Rock The Vote.

2007 veröffentlichen sie die LP „Infinity On High“, die geradewegs an die Spitze der US-Charts ging, und traten eine ganze Serie von Stadiontourneen an. Außerdem wollten sie sich mit Auftritten auf allen sieben Kontinenten in nur wenigen Monaten einen Eintrag im „Guinness-Buch der Rekorde“ sichern, doch leider machte ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung und sie mussten ihren Auftritt in der Antarktis absagen.

Dieses Jahr hat Wentz nebenher die Sendung „FNMTV“ auf MTV moderiert. Darüber hinaus hat die Band die Live-CD/DVD „****: Live In Phoenix“ veröffentlicht, auf der unter anderem eine Coverversion von Michael Jacksons „Beat It“ vertreten ist.

Fall Out Boy sind:
Patrick Vaughn Stump – Gesang/Gitarre
Pete Wentz – Bass/Texte
Joe Trohman – Gitarre
Andrew Hurley – Schlagzeug

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