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15.06.2009

Florence And The Machine Bio 2009

Ihre besten Songs schreibt Florence, wenn sie betrunken oder richtig schön verkatert ist, weil sich genau dann die nötigen Freiräume auftun, ihr dann die wildesten Ideen kommen, die sich wie von selbst aus den Fragmenten zusammensetzen, die sie in ihren Skizzenbüchern und Hirnwindungen mit sich herumträgt. „Du denkst vollkommen klar“, erklärt sie, „aber trotzdem bist du nicht ganz da. Du schwebst durch deine eigenen Gedanken und kannst unterwegs all das einsammeln, was du für den jeweiligen Song brauchst. Ich mag diese schrägen Verknüpfungen, die sich manchmal in unserem Universum ergeben. Für mich fühlt sich das Leben wie ein endloser LSD-Trip an, wenn die Dinge einfach so aus dem Nichts wieder hochkommen.“

Man kann sich das Wesen von Florence am besten als einen großen Haufen Widersprüche vorstellen: Sie ist knallhart und ängstlich zugleich, ein Nervenbündel, in dem auch Leidenschaft, dunkle Seiten und absolute Freude miteinander verschnürt sind. „Ich fühle die Dinge schon sehr intensiv; darum muss auch Musik für mich so ein intensives Erlebnis sein. Entweder bin ich richtig am Boden zerstört oder aber überglücklich; müde oder aber komplett fieberhaft bei der Sache. In letzterem Zustand kann ich definitiv die besten neuen Ideen finden, aber es ist auch der gefährlichste Gefühlszustand. Entweder kommen ein paar gute Songs dabei heraus, oder vielleicht ein paar gebrochene Herzen. Oder kaputte Tische. Oder Gläser.“

Auf der Bühne mag sie zwar furchtlos wirken, aber zugleich fällt sie viel zu schnell ein Urteil über sich selbst. Immerhin haben wir es hier mit einer Frau zu tun, die sich ihren Platz am Camberwell College of Arts gesichert hat, indem sie ein überdimensionales Schild aus Blumen angefertigt hat, mit dem sie sich selbst beschimpfte: „Du bist ’ne Fut.“ Sie bezeichnet sich selbst als „Geek“ und verliert laut eigener Aussage jegliche Kontrolle über ihr Leben, wenn sie verliebt ist. Zudem ist sie eine echte Seltenheit, ein Juwel in dieser Ära des billigen Karaoke-Gesangs: eine Künstlerin, die ihre eigene Stimme gefunden hat.  

Ihre gewaltige Stimme, gepaart mit schrulligen Melodien und in sich geschlossenen Klangwelten haben ihr bereits den Critics Choice Award bei der diesjährigen Verleihung der BRITS beschert. Es gibt Menschen, die sie mit Kate Bush vergleichen. Aber zugleich finden sich in ihrer Musik auch düstere Elemente à la Tom Waits und Nick Cave, und sollte jemand einen Hauch von Björk raushören, nimmt sie das ebenfalls gerne als Kompliment entgegen. Dennoch steht Florence im Großen und Ganzen allein auf weiter Flur: überaus anregend und spannend, dieser Ort, wie sie selbst sagt, wenn auch etwas unheimlich.

Ihr Debütalbum „Lungs“ besticht mit einer langen Zutatenliste: Harfen, Chöre, Schlagzeug, Liftschachts, Metallteile, Liebe, Tod, Feuerwerkskörper, Streichquartetts, Stampfen, Geseufze, schräges elektronisches Heulen, Lämmer, Löwen, Erbrochenes, Glasscherben, Blut, Mond, Sterne, Drinks, Särge, Zähne, Wasser, Brautkleider... und dann noch die Pausen dazwischen. Die Stille. In ihren Songs entwirft sie gotische Szenarien, Märchenreisen in Fantasiewelten, und obwohl schon sehr viel in ihre Texte hineininterpretiert wurde, sagt Florence, dass alles eigentlich ganz einfach ist: „Alles dreht sich um Jungs!“, lacht sie. „Das gesamte Album handelt von der Liebe – und von dem damit verbundenen Schmerz. Die Leute halten meine Texte für verrückt, aber ich finde, dass die Platte einfach nur ehrlich und aufrichtig ist. Ich habe mich nicht darum bemüht, besonders schrullig zu klingen. Stattdessen sollen einfach nur die Gefühle im Vordergrund stehen.“
 
Als Älteste von drei Geschwistern ist Florence in Camberwell, im Süden von London aufgewachsen. Fragt man sie, wie sie das erste Mal mit Musik in Kontakt gekommen ist, erinnert sie sich daran, wie sie neben ihrem Vater auf der Truhe, in der er seine Vinylschätze aufbewahrte, zu den Rolling Stones tanzt. Irgendwann sang sie dann die Songs von Nina Simone und Dusty Springfield mit, erweiterte ihr Portfolio um Arien, wurde noch vor der Teenage-Zeit Skate-Punk, bis sie schließlich mit den anderen Kids vom Camberwell-College endlose Partys in besetzten Häusern feierte. Was definitiv nach einem eklektischen Mix klingt, ist für sie durch ein zentrales Element verbunden – das Gefühl, das in der Musik transportiert wird. „Für mich muss Musik nur ein greifbares Gefühl auslösen, und schon mag ich sie. ‘A Change is Going To Come’ von Sam Cooke, Eva Cassidy, wie sie ‘Wade In The Water’ singt, ja sogar ‘Umbrella’ von Rihanna – ich stehe auf so viele unterschiedliche Sachen. Ich lege Songs von Beyoncé, Lil Wayne, ‘Hurricane’ von Bob Dylan und Bruce Springsteens ‘Going Down’ nacheinander auf.“

Florence entdeckte die Freiräume, die sie suchte, indem sie immer mehr Zeit in Clubs und Pubs verbrachte und andauernd auf irgendwelchen Bühnen oder einfach nur in ihrem Zimmer sang. Als das Thema Schule durch war, hatte sie bereits Songs wie „Kiss With A Fist“ geschrieben, und sie war sich sicher, dass sie Musikerin werden wollte, nur wusste sie leider nicht, wie sie das anstellen sollte. Nach einem Jahr als Barfrau schrieb sie sich daher bei der Kunst-Akademie ein, wo sie Zelte unter ihrem Tisch aufbaute, um dort ihren Rausch auszuschlafen. Ihren Lehrern erzählte sie natürlich, dass sie und ihr Zelt als Installation zu verstehen waren...

Erst als sie das eindringliche „Between Two Lungs“ schrieb nahmen die Dinge langsam Gestalt an. Anstatt klassische Percussion-Instrumente zu benutzen, hämmerte Florence mit bloßen Händen auf der Studiowand herum. Die Melodie strickte sie auf dem Klavier, obwohl sie nicht wirklich spielen kann; und dann nahm sie den Hintergrundgesang als erstes auf, bevor Strophe und Refrain überhaupt geschrieben waren. Das Resultat klingt vollkommen unkonventionell auch ein bisschen bescheuert, na klar, aber zugleich auch einfach nur grandios, dieser seltsame und sehnsüchtige Song darüber, wie man sich in der Liebe verlieren kann. „Ich hatte endlich meine Stimme gefunden, und ich fühlte mich einfach fantastisch“, erinnert sie sich. „Ich habe regelrecht lernen müssen, dass mein Ansatz der richtige für mich war, dass ich nur meinen Instinkten vertrauen musste. Das gesamte Album handelt von diesem Glauben an mich selbst.“

Ach ja, und was The Machine betrifft, das ist eine verdammt unbeständige Bestie. Mal ist es nur Florence und ein Schlagzeug oder ein Klavier, aber momentan handelt es sich dabei um eine siebenköpfige Band, zu der unter anderem Rob Ackroyd (Gitarre), Chris Hayden (Schlagzeug), Isabella Summers (Keyboards) und Tom Monger (Harfe) gehören. „Mit den meisten von ihnen arbeite ich schon sehr lange zusammen, und sie kennen meinen Style, wissen, wie ich schreibe. Sie wissen genau, worum es mir geht.“

Auf der Bühne verwandeln sich Florence & The Machine gemeinsam zu einer ganz anderen Art von Über-Bestie: Kein Konzert gleicht dem nächsten, und Florence präsentiert sich gerne mal wie eine Besessene in Second-Hand-Klamotten, die sie oft erst am Tag der Show in irgendeinem Ramschladen abgreift. „Absolute Ungezwungenheit, das ist das Ziel“, sagt sie abschließend. „Es klingt zwar wahnsinnig kitschig, aber ich will die Leute berühren. Allerdings meine ich damit jetzt nichts Schräges. Ich will ihnen nur dabei helfen, das zu fühlen, was ich fühle.“


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