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28.10.2009

Pop is beautiful

Fauré Quartett, Pop is beautiful © Mat Hennek / DG

Fragen wir mal den Duden. Da steht als Erklärung für „populär“ zunächst „beliebt, allgemein bekannt“, außerdem „Anklang, Beifall findend“. So gesehen ist „populäre Musik“ oder kurz „Popmusik“ ein tautologischer Begriff. Denn welche Musik wird schon geschrieben ohne den Wunsch, dafür Beifall zu ernten? Gehen wir noch einen Schritt weiter. Wenn nun das Fauré Quartett ein Album „Popsongs“ nennt, dann kann vieles dahinter stecken. Mozart beispielsweise, auch manches von Beethoven oder vielleicht der Kaffeehausklang des frühen vergangenen Jahrhunderts, beliebte und allgemein bekannte Melodien etwa aus dem Fundus guter Unterhaltung. Es gibt aber ebenso andere Möglichkeiten und da die vier Musiker sich blendend auf die Möglichkeiten der Mehrdeutigkeiten verstehen, haben sie ein Programm mit überraschenden Adaptionen zeitgenössisch populärer Lieder unserer Tage erarbeitet, das in vieler Hinsicht aus dem Rahmen fällt.

Und das mit den Begrifflichkeiten ebenso unkonventionell umgeht wie mit der Musik an sich. Denn genau genommen ist keines der Lieder, das der Pianist Dirk Mommertz, die Geigerin Erika Geldsetzer, der Bratschist Sascha Frömbling und der Cellist Konstantin Heidrich in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Sven Helbig für ihr Programm ausgewählt haben, ein Popsong im Sinne von allgemein bekannt. Vielmehr handelt es sich um Nebenlinien des guten Geschmacks, auch um avancierte und ihrer Zeit voraus gestaltende Musik, die von dem Klavierquartett in die Form eines dramaturgisch ausgefeilten Zyklus' gegossen werden. Paddy McAloons Combo Prefab Sprout zum Beispiel hat, obschon eine der ästhetisch wegweisenden Bands seit den Achtzigern, bis heute kein Lied veröffentlicht, das auch nur annähend den Status eines Hits erreicht hätte. Songwriterinnen und Sänger wie Feist, Ryan Adams oder auch der Avantgarde-Haudegen John Cale werden in Kreisen fortgeschrittener Hörer ganz vorn auf der Prioritätenliste platziert und eine Gruppe wie Steely Dan ist die Verkörperung des augenzwinkernd guten Geschmacks schlechthin. Doch selbst wenn Künstler wie A-ha, die Pet Shop Boys oder Polarkreis 18 am Start sind, hat das Fauré Quartett sich dem Reiz des schnellen Wiedererkennens widersetzt, wohl wissend, dass genau das dem Projekt seinen entdeckenden, erforschenden Charme genommen hätte.

„Popsongs“ will etwas anderes. Dieses Album plant nicht, die vermeintliche Harmlosigkeit durch Übersetzung in einen anderen ästhetischen Aggregatzustand zu nobilitieren. Es will vielmehr der Musik überhaupt Genüge tun. Denn alle Lieder dieser Aufnahme haben etwas Besonderes. Es sind Miniaturen verdichteter Empfindungen und Erfahrungen, die bereits auf den Alben ihrer Urheber zu den Juwelen der Gestaltung gehören. Das Fauré Quartett hat sie nun in eine andere Sprache übersetzt, ihnen neue Zusammenhänge in Form eines sich stringent entwickelnden Spannungsbogens gegeben und sie schließlich mit dem Esprit raffinierter Grenzüberschreitung interpretiert. Das Ensemble, das sich bei der Umsetzung von Arrangeuren wie Torsten Rasch, Wieland Reissmann, Peter Hinderthür und Michael Kaden hat helfen lassen, vermeidet dabei souverän die Untiefen der Sentimentalität und spielt die „Popsongs“ mit soviel Ernst wie nötig und soviel Spaß wie möglich. Auf diese Weise ist moderne Kammermusik entstanden, die Chancen hat, im großen Stil Beifall zu finden, ohne dafür ihre Identität preisgeben zu müssen. Das ist bei einem Projekt, das Neuland betritt, nicht selbstverständlich.

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