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16.03.2010

An der Grenze zum Wunderbaren – das Fauré Quartett spielt Mendelssohn

Fauré Quartett, An der Grenze zum Wunderbaren – das Fauré Quartett spielt Mendelssohn

Heute ist klar. Felix Mendelssohn war eines der musikalischen Genies des 19.Jahrhunderts. Und er schuf bereits als Jugendlicher Werke von derart ausgereifter Finesse, dass es vielen seiner Zeitgenossen die Sprache verschlug, einschließlich übrigens des ehrwürdigen Geheimrats Goethe, dem er bei einer Gelegenheit eines seiner Klavierquartette vortrug und dafür ehrliche Bewunderung erntete. Tatsächlich haben gerade diese frühen Kammermusikstücke eine faszinierende Mischung aus  kompositorischer Perfektion und juveniler Ausdrucksdichte, die den Hörer in den Bann ziehen. Das Fauré Quartett hat nun das zweite und dritte Klavierquartett auf einer CD eingespielt, die sich unter dem Titel „Wunderkind“ der Klangwelt des jungen Genius widmen.

Felix Mendelssohn war der Spross einer zum Protestantismus konvertierten jüdischen Bankiers- und Gelehrtenfamilie. Sein Großvater war der Philosoph Moses Mendelssohn, sein Vater wiederum war praktischer veranlagt und gehörte zur High Society der Berliner Gesellschaft. So kam es, dass im Familienkreise jeden Sonntag von einem kleinen Ensemble Musik gemacht wurde. So kam es auch, dass der Sohn zwar streng, aber humanistisch und musisch umfassend erzogen wurde. Und so konnten sich alle Talente des Buben tatsächlich nahezu ungestört entfalten. Felix Mendelssohn spielte schon als junger Mann virtuos Klavier, komponierte und dirigierte makellos, konnte flüssig Griechisch und Latein, schrieb pointierte Prosa und dichtete, zeichnete und malte über Niveau. Da er sich selbst der größte Kritiker war, entwickelte es sich zu einem seriösen, rundherum verlässlichen, gebildeten und quasi-aristokratischen jungen Mann, der von seiner Umwelt sehr geschätzt wurde. Er komponierte für nahezu jede mögliche Form in anhaltend hoher Qualität, sorgte als Dirigent und hauptamtlicher Kapellmeister in Leipzig dafür, dass unter anderem Bach wiederentdeckt und Schubert (wie auch Schumann) überhaupt aufgeführt wurden. Zwischendurch leitete er auch eigene Werke und schrieb, schrieb, schrieb, unablässig bis zu seinem frühen Tod 1847.

Erstaunlich, wenn auch nicht wirklich überraschend, ist in diesem Zusammenhang die Souveränität, mit bereits der Zwölf- bis Fünfzehnjährige Meisterwerke schrieb. So entsprangen seine Klavierquartette dem jugendlichen Überschwang der Jahre 1821 bis 1825 und erwiesen sich als herausragende Stellungnahmen des Übergangs zwischen den Stil-Epochen, die sich zwar der Strenge  und Formklarheit der klassischen Vorgänger von Mozart bis Beethoven bewusst sind, sie aber bereits in die emotionale Offenheit und den aufgerüttelten Duktus des romantischen Zeitalters überführen. Das Mitte der neunziger Jahre von Musikstudenten in Karlsruhe gegründete und inzwischen international renommierte Fauré Quartett knüpft genau an diesem Punkt an und widmet sich in seinem aktuellen Programm zwei der vier Quartette aus der Perspektive jugendlicher Emotionsdichte, ohne darüber die gesamte Künstlerpersönlichkeit Mendelssohns zu vergessen. Hier ist Leidenschaft unmittelbar spürbar, mit einer immensen Kraft und einem natürlichen Nachdruck gespielt, der die Stücke als organischen Ausdruck einer Persönlichkeit darstellt, die einen besonderen Draht zum Kern der Kunst hatte. „Was dieser kleine Mann im Fantasieren, Vom-Blatt-Spielen und Komponieren vermag, das grenzt ans Wunderbare, und ich habe es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten“, soll der Weimarer Geheimrat einst im Anschluss an ein Hauskonzert Felix Mendelssohns geäußert haben. Die Aufnahmen von „Wunderkind“ des Fauré Quartetts machen deutlich, was ihn derart fasziniert haben mag.

Weitere Informationen auf der Artistseite.


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