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Franco Fagioli BACKSTAGE EXCLUSIV

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17.09.2015

Biografie

»Der Eindruck bleibt bestechend: Mit ihrem durchaus ungewöhnlichen Timbre schmiegt und schmeichelt sich die Stimme des argentinischen Counters durch die zehn Minuten lange Linie, legt sich butterweich in Alttiefen, um sich gleich darauf aufzuschwingen in reine Höhen, ein Symbol von gefährdeter, gleichwohl gelungener Freiheit. Das gilt umso mehr, wenn Fagioli eine der schnellen Koloraturarien singt, bei denen er in halsbrecherischem Tempo durch die sensationellen drei Oktaven seiner Stimme rasen kann . . . «

Süddeutsche Zeitung über eine Aufführung von Catone in Utica, Juni 2015

Nur ein Ausnahmekünstler kann in den ungemein schwierigen Arien glänzen, die von zentraler Bedeutung für die Barockoper und die frühe Belcanto-Oper sind. Franco Fagioli verfügt über das notwendige Zusammenspiel von technischer Beweglichkeit, Vielfalt des Tons und Stimmumfang, um in Werken zu triumphieren, die zahllose andere Countertenöre vor Probleme stellen. Die erstaunlichen Fähigkeiten des aus Argentinien stammenden Sängers werden weltweit von Kritikern gerühmt und ziehen scharenweise Zuhörer an, die unbedingt diesen Künstler erleben wollen, der auf kaum glaubliche Weise die spektakulären Läufe, Sprünge und Verzierungen selbst der schwierigsten Bravourstücke bewältigt.

»Fagioli ist ein hinreißender Interpret, sowohl in ... großen Schaunummern, wo seine Stimmakrobatik einfach überwältigend ist, als auch in langsameren, intimeren Stücken«, schrieb der Londoner Guardian in der Rezension zu Fagiolis Aufnahme von Arien aus der Feder Nicola Porporas, des berühmten Gesangslehrers und Komponisten aus dem 18. Jahrhundert. Andere Kritiker priesen die »legendäre Geschmeidigkeit« der Stimme des Countertenors, seine »erstaunliche stimmliche Beweglichkeit, seinen über drei Oktaven reichenden Stimmumfang und seine riesige Palette von Stimmfarben« sowie »das Feuerwerk seiner Koloraturen und die kühnen Sprünge«. Kein Wunder, dass er als einer der besten Sänger unserer Zeit gilt und zunehmend gefragt ist bei den großen internationalen Opernhäusern, Konzertsälen und Festivals. Im Laufe der letzten zehn Jahre hat er mit den angesehensten Dirigenten gearbeitet, wie beispielsweise Rinaldo Alessandrini, Gabriel Garrido, Nikolaus Harnoncourt, René Jacobs, Marc Minkowski, Riccardo Muti und Christophe Rousset. Er tritt zudem regelmäßig mit Il pomo d’oro und Riccardo Minasi auf.

Franco Fagioli wurde im nordargentinischen San Miguel de Tucumán geboren. Er erhielt Klavierunterricht am Musikinstitut von Tucumán und studierte dann Gesang, zunächst in seiner Heimatstadt und später am Instituto Superior de Arte, dem Ausbildungszentrum des Teatro Colón in Buenos Aires. Den Durchbruch erzielte der schon beeindruckend ausgereifte junge Interpret, als er im Oktober 2003 den 10. Internationalen Gesangswettbewerb »Neue Stimmen« der Bertelsmann-Stiftung gewann. Fagioli bewies sein ungewöhnliches Talent mit einer Reihe von wichtigen Operndebüts. 2005 sang er die Titelpartie in Händels Giulio Cesare am Opernhaus Zürich und hat diese Rolle seither für die Norwegische Oper (2007), die Händel-Festspiele Karlsruhe (2008) und die Finnische Nationaloper (2012) verkörpert. 2007 trat er unter Riccardo Muti erstmals bei den Salzburger Pfingstfestspielen auf und wurde dort begeistert empfangen (die Neue Zürcher Zeitung feierte seinen »glanzvollen Auftritt), als er 2014 auf Einladung Cecilia Bartolis mit einem Programm virtuoser Arien zurückkehrte, die Rossini und Meyerbeer für Giambattista Velluti, den letzten großen Kastraten, geschrieben hatten. Ende 2010 war er Partner von Cecilia Bartoli bei Konzerten in London und Brüssel, und anschließend hat er häufig mit ihr zusammengearbeitet, beispielsweise bei der Welt-Ersteinspielung von Agostino Steffanis Stabat mater.

Fagiolis Vielseitigkeit und Virtuosität kamen 2012 vollends zur Geltung. Bei seinem Debüt bei den Salzburger Sommerfestspielen zeigte er die üppigen tieferen Register seiner Stimme, als er die schwierige Rolle des Andronico in Händels Tamerlano verkörperte. Im Herbst wiederum verblüffte er das Publikum ebenso wie die Kritiker mit seinen Auftritten in Nancy als Arbace in Leonardo Vincis Artaserse, eine Rolle, die für Sopran-Kastraten geschrieben wurde und die er anschließend an mehreren bedeutenden Häusern in Europa sang, unter anderem in Versailles (nachdem er sie zuvor schon auf CD und DVD aufgenommen hatte). Im Jahr darauf faszinierte er die Musikwelt mit dem Album Arias for Caffarelli (»... die Leichtigkeit und geradezu übermenschliche stimmliche Beweglichkeit, mit denen er einige der großen Bravournummern bewältigt, sind einfach atemberaubend«, kommentierte The Guardian). Die Werke auf diesem Album, ursprünglich für den italienischen Starkastraten Caffarelli geschrieben, wurden häufig als unsingbar angesehen. In den letzten Jahren hat Fagioli bei einer Reihe von Opern-Gesamtaufnahmen mitgewirkt, so bei den Welt-Ersteinspielungen von Hasses Siroe (als Medarse) und Vincis Catone in Utica (Cesare) für Decca sowie bei Caldaras La concordia de’ pianeti für Archiv Produktion. Im Juli 2015 wurde Fagioli als erster Countertenor überhaupt von Deutsche Grammophon unter Vertrag genommen. Erste Frucht der neuen Partnerschaft ist die Veröffentlichung von Glucks Orfeo ed Euridice im September 2015, ein Album mit Solo-Arien erscheint 2016.

Fagioli gab sein USA-Debüt Anfang 2010 mit einer triumphalen Interpretation der Titelrolle von Cavallis Giasone am Chicago Opera Theater. »Der sensationelle Countertenor Franco Fagioli ... seine Stimme klingt lieblich, aber voll, und seine sanfte Macho-Manier macht Jasons überwältigende Wirkung auf Frauen glaubhaft«, schrieb die Chicago Tribune. »Wir erleben ein neues goldenes Zeitalter der Countertenöre, und Fagioli ist einer der Gründe dafür.«

Bei den Händel-Festspielen Karlsruhe, wo er regelmäßig auftritt, erhielt Franco Fagioli begeisterte Kritiken für seine Interpretation des Ariodante im Jahr 2010. In den Jahren 2014 und 2015 glänzte er dort in der Titelrolle von Händels Riccardo Primo. Seinen Ruf als einer der gegenwärtig besten Händelsänger bestätigte er mit überragenden Verkörperungen von Figuren wie Poro bei den Händel-Festspielen Halle, Teseo an der Staatsoper Stuttgart und Bertarido in Rodelinda beim Festival della Valle d’Itria 2010 in Martina Franca. Dieser Auftritt als Bertarido war der Auftakt zu einer fruchtbaren Partnerschaft mit dem Dirigenten Diego Fasolis und veranlasste die italienische Fachzeitschrift L’Opera, Fagioli zum »Sänger des Jahres« zu wählen. 2011 erhielt er als erster Countertenor in 30 Jahren die höchste musikalische Auszeichnung Italiens, den Premio Abbiati.

Ende 2014 gab Fagioli sein Debüt am Royal Opera House, Covent Garden als Idamante in Mozarts Idomeneo. Weiterhin standen in der Saison 2014/15 Aufführungen von Catone in Utica mit Riccardo Minasis Ensemble Il pomo d’oro in Wiesbaden und Versailles auf Fagiolis Programm. Die Produktion wird im September 2015 beim George Enescu Festival in Bukarest und im Theater an der Wien wiederaufgenommen. Später in dieser Spielzeit gibt Fagioli Recitals mit Il pomo d’oro in der Londoner Wigmore Hall und im Prager Rudolfinum. 2016 gastiert er erneut bei Cecilia Bartolis Salzburger Pfingstfestspielen, diesmal als Romeo in Nicola Antonio Zingarellis Giulietta e Romeo.

9/2015


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