Biografie
Franz Degenhardt - Biographie
Am 14. November 2011 starb, kurz vor seinem 80. Geburtstag, der deutsche Liedermacher und Protestsänger Franz-Josef Degenhardt. Mit ihm stirbt ein Stück Jugendzeit der 68er-Generation.
In der musikalischen Tradition französischer Chansonniers wie George Brassens und Jacques Brel, mit einem Deutsch vom Schlage Berthold Brechts und Kurt Tucholskys, wurde Degenhardt in den 1960ern zum Star der Studentenbewegung und „stilbildend auf eine ganze Generation deutscher Liedermacher“ (Meyers Taschenlexikon Musik).
Gemeinsam mit Wolfgang Neuss, Hanns Dieter Hüsch und Dieter Süverkrüp gilt Degenhardt als Gründervater der deutschen Liedermacherbewegung, Pendant zur US-amerikanischen Folkbewegung der 1960er. Neben Hannes Wader ist der promovierte Jurist das Sprachrohr des linken Spektrums der alten Bundesrepublik gewesen.
Am 03. Dezember 1931 kam Franz-Josef Degenhardt in Westfalen zur Welt. Seine Eltern waren streng katholisch und Antifaschisten. Nach dem Abitur studierte Degenhardt Rechtswissenschaften.
Sein Debüt als Liedermacher hatte Degenhardt 1963 mit einem Auftritt bei Radio Bremen. Ab 1964 trat er auf den heute legendären Burg-Waldeck-Festivals (dem Woodstock der deutschen Folkbewegung) in Erscheinung, die auch der Karrierestartpunkt für Reinhardt Mey waren. Zur selben Zeit war Degenhardt ein bekanntes Gesicht auf den viel beachteten Ostermärschen der Friedensbewegung.
Degenhardts berühmtester Song „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ („sing nicht ihre Lieder, geh doch in die Oberstadt, mach´s wie deine Brüder...“) hat sicher stark autobiografische Züge. Dieses Lied vom gutbürgerlichen Jungen, der entgegen aller Mahnungen von „Mutter, Vater und Pastor“ immer wieder „durch das Gartentor schleicht“, mit den Lausbuben der „Unterstadt“ Karten spielt, den Mädchen unter die Röcke schielt, den Rattenfängerliedern von Engelbert, dem Blöden lauscht...später in die Schule kommt, wo man ihm das Haar und die Sprache glatt kämmt.
Immer noch bekomme man „Gänsehaut bei diesem 1965 entstandenen Lied, das eigentlich ein bitterer Personenroman ist, in dem sich das Leben der deutschen Nachkriegsgeneration spiegelt“, rezensierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
1969 ließ sich Degenhardt als Anwalt in Hamburg nieder, verteidigte Mitglieder der APO und später auch der RAF. Als Liedermacher sang er gegen die Notstandsgesetze, gegen den Vietnam-Krieg, später gegen den Radikalenerlass und die Berufsverbote an. In der damaligen BRD der 1960er und 70er, aufgerüstet und gepanzert als Bollwerk des Antikommunismus, driftete Degenhardt immer weiter nach links. 1978 trat das ehemalige SPD-Mitglied in die frisch gegründete DKP ein.
Lieder wie sein „2 Juni 1967“ klingen heute, in Zeiten der „Schwarmintelligenz“ und Großen Koalitionen, immer noch brisant und revolutionär, geradezu prophetisch.
Neben dem bärtigen Barden der deutschen Beatniks, neben dem Ton angebenden Genossen ist Franz-Josef Degenhardt auch ein renommierter Schriftsteller und Drehbuchautor gewesen. Sein Roman-Erstling „Zündschnüre“ (1973) hielt sich mehrere Monate in der SPIEGEL-Bestsellerliste und wurde fürs Fernsehen vom WDR verfilmt (Regie: Reinhard Hauff). Sein zweiter Roman „Brandstellen“ wurde 1977 von der DEFA (DDR) verfilmt (Drehbuch: Gerhard Bengsch, Regie: Horst E. Brandt).
1970 erhielt Franz-Josef Degenhardt den Deutschen Schallplattenpreis. 1980 und 2008 konnte der Liedermacher den Preis der Deutschen Schallplattenkritik entgegen nehmen. 1983 den Deutschen Kleinkunstpreis. 1986 und `88 ehrte der Südwestfunk ihn mit seinem Liederpreis.
„Politik gehöre für ihn in die Kunst, zitiert der Degenhardt-Nachruf auf Tagesschau.de ein seltenes Interview mit ihm, kurz vor seinem 75. Geburtstag. "Es ist ja kein Singen, kein Lesen, kein Malen außerhalb historischer Horizonte möglich. Es ist immer öffentlich, gesellschaftsbezogen und damit auch politisch."
In seiner Karriere hat Franz-Josef Degenhardt 32 Alben aufgenommen. Die am 02. Dezember 2011 bei Universal veröffentlichte große Degenhardt-Retrospektive „Gehen unsere Träume durch mein Lied“ war anlässlich seines 80. Geburtstags geplant. Nun erscheint sie im Todesjahr Franz Josef Degenhardts. Zusammengestellt von seinem Sohn Kai, umfasst „Gehen unsere Träume durch mein Lied“ die gesamte Karriere des legendären Liedermachers auf 4 CDs.

