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Aktuelles Album

George Michael, Symphonica, 00602537924462

Symphonica

(Vinyl LP)

Biografie

29.01.2014

George Michael, "Symphonica", 2014

George Michael

"Symphonica" – VÖ: 14.03.2014

Biografie 2014 

Mit der Veröffentlichung von "Symphonica", seinem sechsten Soloalbum, das in Deutschland am 14. März 2014 erscheint, schlägt George Michael das nächste Kapitel seiner mehr als drei Jahrzehnte umspannenden Karriere auf. Aufgenommen wurde der neue Longplayer im Rahmen der gleichnamigen Tournee, die der 50-jährige Brite in den Jahren 2011 und 2012 absolvierte; unterstützt wurde George, selbst Co-Produzent des Albums, dabei von der inzwischen verstorbenen Producer-Legende Phil Ramone. Die erste Single "Let Her Down Easy" wird ab dem 03. Februar im Radio zu hören sein; sie erscheint digital, wie das Album, am 14. März. Der Song "Let Her Down Easy" stammt im Original von Terence Trent D'Arby.

Seit er sich im Jahr 1982 erstmals mit dem ausgelassenen "Wham! Rap (Enjoy What You Do)" musikalisch zu Wort gemeldet hat, ist George Michael zu einem der größten internationalen Popstars unserer Zeit avanciert. Seither hat er weit über 100 Millionen Alben verkauft – was um so beeindruckender ist, wenn man bedenkt, dass Deutschland gerade mal rund 80 Millionen Einwohner hat, von Großbritannien mit seinen 63 ganz zu schweigen. Er hat die Charts von den Alpen bis nach Australien dominiert, von Tokio bis Tampa Stadien gefüllt. Schon mit seinem ersten Soloalbum, "Faith" aus dem Jahr 1987, hat er die Popwelt auf den Kopf gestellt – und seither ein extrem facettenreiches und zugleich extrem erfolgreiches Werk vorgelegt.  

Genau genommen beginnt seine Geschichte natürlich schon vor dem Jahr 1982, und zwar in Radlett, einer Pendlerstadt mit 60.000 Einwohnern, nordwestlich von London gelegen: Einige Szenen von Kubricks "A Clockwork Orange" wurden hier gedreht. Und hier landete auch ein gewisser Georgios Kyriacos Panayiotou, geboren am 25. Juni 1963, nachdem es seine liebevolle Familie mit griechisch-zypriotischen und britischen Wurzeln aus dem Norden Londons dorthin verschlagen hatte. Wie Teenager nun mal sind, träumten auch George und sein bester Freund Andrew Ridgeley, der mit ihm zur Bushey Meads Comprehensive School gegangen war, davon, später einmal Popstars und überhaupt eine ganz große Nummer zu werden: "Ich wollte einfach geliebt werden", sollte George später gestehen. "Mein Ego brauchte das einfach." Tief im Inneren wussten die beiden Teenies natürlich ganz genau, dass es nie und nimmer so kommen würde. Solche Träume gingen schließlich nie in Erfüllung...

Allerdings werden derartige Träume hin und wieder dann doch Wirklichkeit, und so gelten Wham! heute als Inbegriff des Frühe-Achtziger-Sounds: Zwischen der Veröffentlichung der bereits erwähnten ersten Single von 1982 und ihrer letzten, "The Edge Of Heaven/Where Did Your Heart Go" aus dem Jahr 1986, sollten Ridgeley und er 25 Millionen Platten verkaufen. Als sie dann am 26. Juni 1986 vor 72.000 Fans im Wembley-Stadion ihr monumentales Abschiedskonzert gaben, waren die beiden noch immer genauso dicke Freunde wie fünf Jahre zuvor. Wham! sind nie alt geworden, sie haben nie ihr Ausrufezeichen eingebüßt, und doch konnte George schon während dieser Jahre, 1985, um genau zu sein, seinen ersten von insgesamt drei Ivor Novello Awards als "Songwriter of the Year" in Empfang nehmen. Auch in den USA hatten Wham! zwei #1-Singles und ein #1-Album gelandet – es hieß "Make It Big", weil so schließlich ihr Traum als Teenager gelautet hatte –; zudem waren sie die erste Band aus dem Westen, die in China auftreten sollte, und parallel zu den musikalischen Aktivitäten hatte George schon während seiner Zeit mit Wham! damit begonnen, sich für wohltätige Zwecke zu engagieren: Erst nahm er "Do They Know It's Christmas" mit Band Aid auf, und danach spendete er sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Single "Last Christmas/Everything She Wants" an die Äthiopische Hungerhilfe.

Selbst als Wham! noch auf der Welle des Erfolgs surften und George parallel dazu mit seinem Freund und Sparringpartner Elton John an Stücken wie "Nikita" und "Wrap Her Up" arbeitete, war bereits abzusehen, dass er eine Solokarriere einschlagen würde. Seine Songs waren schlichtweg zu reif, zu erwachsen geworden für ein locker-lustiges Gute-Laune-Duo wie Wham!. Genau genommen hatte er sich schon 1984 auf Solo-Neuland vorgewagt, und zwar mit einem Song, den er als 17-Jähriger ("ein wirklich frühreifer Text ist das", scherzte er hinterher) auf der Heimfahrt mit dem 32er-Bus geschrieben hatte: "Careless Whisper" (in den USA als Titel von Wham! feat. George Michael veröffentlicht, dabei war's eigentlich nur seiner) bescherte der Menschheit nicht nur eine der besten Textzeilen überhaupt – "guilty feet have got no rhythm" –, denn zugleich war es der Beweis, dass es George eben nicht nur um die pure Ausgelassenheit von Tracks wie "Wake Me Up Before You Go-Go" oder "Young Guns (Go For It)" ging. "Careless Whisper" erstürmte die Spitze der US-Charts und landete unter anderem auch in Australien, Kanada, Frankreich, Holland, Italien, Irland, Südafrika, der Schweiz und in Großbritannien auf Platz 1; in Deutschland war's Platz 3.

Um gewissermaßen zu beweisen, dass "Careless Whisper" nicht bloß irgendeine musikalische Eintagsfliege war, veröffentlichte George schon vor dem großen Abschiedskonzert von Wham! seine zweite Solo-Single "A Different Corner": Wieder Platz 1 in den britischen Charts, dazu Top-10-Platzierungen in den USA, Australien, Deutschland, Österreich, Holland, Irland, der Schweiz – an diesem Punkt musste man nun wirklich kein Meteorologe sein, um zu erkennen, woher der Wind wehte...

Seine erste Veröffentlichung nach der Auflösung von Wham! war jedoch gar kein weiteres Solo-Stück: Nachdem er im legendären Apollo Theater in Harlem mit Stevie Wonder eine atemberaubende Version von "Love's In Need Of Love Today" präsentiert hatte, wurde George die seltene Ehre zuteil, als erster weißer Sänger überhaupt ein Duett mit Aretha Franklin einzusingen, der "besten Soul-Sängerin der Welt", wie er sie hinterher bezeichnete. Ihre euphorisch-lebensbejahende und später mit einem Grammy ausgezeichnete Duett-Single "I Knew You Were Waiting (For Me)" ging postwendend an die Spitze der Charts in etlichen Ländern, unter anderem in den USA, UK, Australien, Irland und Holland.

Nachdem George daraufhin noch auf dem gleichnamigen Album von Jody Watley (Shalamar) als Vokalgast zu hören gewesen war, erschien kurze Zeit später endlich jenes Album, das einen absoluten Meilenstein seiner Karriere darstellt: "Faith", sein Solodebüt, sofort auf Platz 1 in etlichen Ländern, schließlich mit 10-fach Platin in den USA und 5-fach Platin in UK ausgezeichnet. Aufgenommen in den Puk Studios in Jütland (unter anderem aus steuerlichen Gründen, George wollte eigentlich die ganze Zeit nach Hause) und im Sarm West Studio 2 in West-London, überraschte "Faith" jeden, der von dem ehemaligen Wham!-Mitglied nur oberflächlichen Party-Sound, nicht aber derartigen Tiefgang erwartet hatte.

"Faith" ist dasjenige Album, das George – mit Ausnahme des Songs "Look At Your Hands", bei dem ihm sein guter Freund aus Kindheitstagen David Austin zur Seite stand – komplett im Alleingang geschrieben, produziert und arrangiert hat. Zugleich ist es das Album, das sich 12 Wochen lang an der Spitze der US-Charts und vier seiner insgesamt sechs US-#1-Hits hervorbringen sollte: den Titelsong "Faith", "Father Figure", "One More Try" und "Monkey".

Von Journalisten und Kritikern gefeiert und mehrfach als britisches Pendant zu "Thriller" bezeichnet, hat sich "Faith" allein in den Staaten über 10 Millionen Mal verkauft – weltweit sollte das Album in knapp 25 Millionen Haushalten landen –, womit George Michael endgültig die Verwandlung vom globalen Teenie-Idol zum erwachsenen Weltstar vollzogen hatten. Im englischen Sprachraum bezeichnet man einen derartigen Karrierewandel noch heute als "doing a George Michael" – ein Ausdruck, den er selbst nie hören mochte –, aber zugleich ebnete "Faith" den Weg für all die unzähligen musikalischen Highlights, die darauf folgen sollten...

Obendrein war "Faith" das Album, das den Kaminsims im Hause Michael schlagartig mit Awards füllen sollte: Es gab einen Grammy in der Kategorie "Album of the Year", gleich drei American Music Awards ("Favorite Album (Soul/R&B)", "Favorite Male Vocalist (Soul/R&B)" und "Favorite Male Vocalist (Pop/Rock)") und schließlich noch einen MTV Award für "Father Figure" (Beste Regie) und zwei Ivor Novello Awards als "Songwriter Of The Year" sowie für den "International Hit Of The Year".

Highlights hatte "Faith" etliche: "I Want Your Sex", seine Ode an die Monogamie, entfachte eine kontroverse Diskussion – "Ich bin damals ehrlich gesagt davon ausgegangen, dass die BBC den Song aus dem Programm nimmt", so George. "Ein paar Wochen lang galt ich als der ultimative Antichrist" –; das polternde "Monkey" verhandelte Drogenmissbrauch und ging mit seiner Überdosis Funk sofort ins Blut; "Look At Your Hands" sezierte das Grauen, das mit häuslicher Gewalt einhergeht, doch andererseits waren da auch Momente purer Schönheit, die sowohl in "Father Figure", "Kissing A Fool" (ein #1-Hit in Kanada) und dem in Irland erstplatzierten "One More Try" herausklangen – letzterer ist übrigens immer noch Georges persönlicher Favorit, wobei die Wahl unter derartigen Klassikern natürlich nicht leichtfallen kann. "Hand To Mouth" hatte sogar einen politischen Einschlag, denn der Song lässt sich als Absage an die Thatcher-Politik dieser Jahre lesen. Am unfassbarsten daran war jedoch schon damals die Tatsache, dass George all diese Stücke mit gerade mal 24 Jahren geschrieben hatte. Was jedoch nicht heißt, dass er zu dieser Zeit besonders zufrieden mit sich und seinem Leben war: "Einer der Gründe, weshalb das Album so erfolgreich war", kommentierte er im Jahr 2010, "ist wohl, dass die Leute diese Einsamkeit in den Songs heraushören konnten."

Der Erfolg von "Faith" führte natürlich auch zur legendären "Faith"-Tour, in deren Rahmen George sowohl Solo- als auch Wham!-Stücke präsentierte, abgerundet mit der einen oder anderen Coverversion. Zwischen Februar 1988 und Juni 1989 tourte er durch 19 Länder und spielte 137 Konzerte; die Choreographie stammte von Paula Abdul, und für das Nelson Mandela Freedom Concert im Wembley-Stadion spielte er sogar noch ein zusätzliches Set aus drei Coversongs. Zugleich trug die massiv angelegte Tournee dazu bei, dass kein anderer Musiker im Jahr 1988 so viele Platten in den USA verkaufen sollte wie George: "Ich habe noch nie einen berühmten Menschen getroffen, der sich gegen das Leben als Star gesträubt hätte", sagte er, und zwar mit demselben Enthusiasmus, mit dem er auch seinen unstillbaren Ehrgeiz zugegeben hatte. 1988 konnte er außerdem den renommierten BRIT-Award in der Kategorie "British Male Solo Artist" in Empfang nehmen, danach arbeitete er noch am "Spell"-Album seines Bassisten Deon Estus mit, wie auch am sagenumwobenen Kollaborationsprojekt Boogie Box High.

Abgesehen davon, dass er in diesem Jahr den Video Vanguard Award bei den MTV Europe Video Music Awards für seine bisherige Karriere in Empfang nehmen konnte, nahm George sich das Jahr 1989 frei – "um den Kopf mal frei zu bekommen", wie er sagte. Dermaßen befreit und mit klarem Kopf, veröffentlichte er im September 1990 sein von den Beatles beeinflusstes zweites Soloalbum "Listen Without Prejudice Vol. 1". Genau genommen war der Titel des Albums gar nicht mal als Appell gemeint, sich seine Songs vorurteilsfrei zu Gemüte zu führen: So ichbezogen war er dann doch nicht. Die Stimmung der LP war noch düsterer, die Songs klangen noch erwachsener und reifer, doch hielt das seine britischen Fans keineswegs davon ab, sein Zweitwerk kurzerhand auf Platz 1 der Charts zu befördern. In den USA war's Platz 2, gleich hinter MC Hammer, und auch das war keine Schande: Der Rapper mit den überdimensionalen Beinkleidern war nun mal ein guter Sprinter... nur hatte George es schon immer auf die Marathondistanz abgesehen.

Es folgte die nächste Single-Hitserie, ein BRIT-Award für das "Beste Album" verlangte noch mehr von der Statik des Kaminsims' ab, und seine Videos zeigten alles Mögliche – bis auf George (der sich, was das angeht, schon immer bedeckt gehalten hat). Ein Cover der Vogue, geschossen von Herb Ritts, hatte es ihm dermaßen angetan, dass er im Video zur dritten Single des Albums, "Freedom '90", gedreht unter der Regie des späteren "Fight Club"- und "The Social Network"-Regisseurs David Fincher, die Models Christy Turlington, Cindy Crawford, Naomi Campbell, Linda Evangelista und Tatiana Patitz auftreten ließ. Alle fünf machte dieses Video zu absoluten Supermodels, die von nun an nur noch beim Vornamen genannt wurden. George Michael mag zwar für die Musik verantwortlich gewesen sein, aber er hatte schon immer betont, dass sich nur die Musik verkauft, die auch wirklich künstlerisch etwas taugt – und so wurde ihm, als ob er damit seine Evolution als Musiker noch einmal unterstreichen wollte, kurz danach von Großbritanniens renommiertester Kunst-TV-Show, der "South Bank Show", eine ganze Sendung gewidmet.

Stets für überraschende Ansätze und neue Ideen zu haben, hielt Georges nächste Tour im Jahr 1991, die "Cover To Cover"-Tour, genau das, was der Titel versprach: Es war ein fast schon schwindelerregender Coversong-Rundumschlag, in dessen Rahmen er unter anderem Songs wie "Living For The City" von Stevie Wonder, "Killer" von Adamski, "Suzanne" von Leonard Cohen und – vielleicht am herausragendsten – "Don't Let The Sun Go Down On Me" von Elton John präsentierte. Das während der "Faith"-Tour aufgenommene Duett mit Elton John hatte zuvor ebenfalls in Großbritannien, den USA, Frankreich, Holland und der Schweiz den ersten Platz der Charts erobert; sämtliche Einnahmen aus dem Singleverkauf waren an das London Lighthouse, eine AIDS-Anlaufstelle, und die Kinderhilfsorganisation Rainbow Trust geflossen.

Kurz danach holte eine andere gemeinnützige Einrichtung, die Red Hot Organisation, George ins Boot, der für derartige Projekte immer zu haben war: Ihr "Red Hot + Dance"-Album war ein Benefiz-Release für die Red Hot Foundation, eine AIDS-Forschungsstiftung, auf der größtenteils Remixversionen von existierenden Songs versammelt waren, so z.B. von Madonna und Lisa Stansfield. George hingegen stellte gleich drei neue Songs exklusiv zur Verfügung – unter anderem den treffend betitelten Track "Too Funky". Zudem trat er sogar im Video dazu auf, wenn auch nur kurz, und auch dieser Track ging rund um den Globus in die Top-10 der Charts. 

Zwar bahnte sich zu dieser Zeit bereits ein kräftezehrender Rechtsstreit mit seinem Label Sony Music an, doch wollte George erst noch ein paar Live-Songs in die Charts katapultieren und weiteren Charitys unter die Arme greifen: Die "Five Live"-EP aus dem Jahr 1993 bestach mit einer grandiosen Version von Queens "Somebody To Love" (aufgenommen mit Queen zusammen), die beim Freddie Mercury Tribute Concert entstanden war – Brian May hatte den Auftritt der beiden als die beste Performance des Abends gelobt, ein Ritterschlag –, und seiner Interpretation von "Papa Was A Rollin' Stone", deren Video schließlich sogar den "International Viewers' Choice"-Award bei dem MTV EMAs gewinnen sollte. Diesmal gingen die Einnahmen an den Freddie Mercury Phoenix Trust, und noch im selben Jahr trat George am Welt-AIDS-Tag als Headliner beim Concert of Hope in der Wembley-Arena auf, wobei selbst Diana, die Princess of Wales, im Publikum saß und zuhörte.

Im November 1994 meldete sich George eindrucksvoll bei den MTV European Music Awards in Berlin zurück: Mit dem Song "Jesus To A Child", endlich neuem Material, nachdem er zuvor drei Jahre lang keinen neuen Track geschrieben hatte. Obwohl der sieben Minuten lange Song alles andere als radiofreundlich war, entpuppte sich auch "Jesus To A Child" als #1-Hit in den britischen Charts (in Australien, Irland und Norwegen übrigens auch), während er es in den USA in die Top-10 schaffte.

Das spärliche Output hatte die Leute zu noch größeren Fans gemacht: Im Januar 1995 wurde "Careless Whisper" zum absoluten All-Time-Favorite im London Listener gewählt, und George selbst wurde von den Zuhörern von Capitol Radio zum "Best Male Singer" gewählt. Auch einen "Outstanding Contribution To Music"-Award bekam er von ihnen zugesprochen, während inzwischen kein anderer Künstler häufiger im britischen Radioprogramm vertreten war als George Michael.

Sobald George dann offiziell sein einstiges Label Sony verlassen und einen Vertrag mit Virgin Records (in den USA: DreamWorks) unterzeichnet hatte, veröffentlichte er im Mai 1996 sein drittes Soloalbum "Older". "Das ist mein erstes durch und durch ehrliches Album", sagte er damals über das in jenen Tagen – also bevor es die Spice Girls gab – erfolgreichste Album des Labels. Musikalisch gewagt und abenteuerlich, war "Older" auch inhaltlich mutig, und trotzdem stellte George damit den Rekord auf, sechs Singleauskopplungen nacheinander in den britischen Top-3 zu platzieren. 1996 war das Jahr, in dem er den Preis als "Best British Male" sowohl bei den MTV Europe Awards als auch bei den BRITs gewinnen sollte; dazu gab's den dritten Ivor Novello Award als "Songwriter Of The Year" und auch den Titel als "Best Male Singer" bekam er von Capitol Radio gleich noch einmal verliehen. Der Song "Fastlove" räumte bei den MTV Video Music Awards den "International Viewers' Choice"-Award ab, während sich "Older" sage und schreibe 147 Wochen lang in den britischen Albumcharts hielt, nachdem es diese Charts zuvor getoppt hatte (wie auch die Bestenlisten in Österreich, Australien, Norwegen, Holland und Schweden.)

Irgendwie fand George zwischendurch sogar noch die Zeit, den Song "Desafinado (Off Key)", ein Duett mit der legendären Astrud Gilberto, für das "Red Hot + Rio"-Charity-Album aufzunehmen. Und um all seinen Fans (und wohl auch sich selbst) in Erinnerung zu rufen, dass er nicht nur in Stadien, sondern auch in kleineren Konzertsälen glänzen konnte, spielte er für BBC Radio 1 eine Reihe von intimen Shows vor nur 200 Leuten bzw. für MTV vor nur 500 glücklichen Fans.

1997 bekam George seine zweite Auszeichnung als "Best British Male" bei den BRITs; dazu erschien eine Neuauflage von "Older", erweitert um die zweite Disc "Upper", auf der vier Remix-Versionen, zwei neuere Stücke und interaktives Material versammelt waren. Oh, und dann gab's 1997 natürlich auch noch das Wham!-Best-of-Album "If You Were There" – und tatsächlich: waren ja eigentlich gar nicht so übel gewesen, die beiden Typen, oder?

Auch im nächsten Jahr ging's mit einem Best-of-Album weiter: "Ladies And Gentlemen, The Best of George Michael" bestand aus zwei Teilen bzw. zwei CDs, "For The Heart" und "For The Feet", was einerseits seine bisherigen Karrierehighlights säuberlich getrennt auf den Punkt brachte, zugleich aber eine Gelegenheit war, ein paar grandiose Non-Album-Tracks endlich doch noch einmal unterzubringen. Zu den drei brandneuen Songs dieser Veröffentlichung zählten "Outside" mit seinem unfassbar lustigen Video und eine energiegeladene Version von Stevie Wonders Stück "As", aufgenommen mit der stets brillanten Mary J. Blige. Die Compilation räumte in Großbritannien gleich acht Platinauszeichnungen ab, die ganze Nation feierte seinen lustigen Auftritt in der Talkshow "Parkinson", und auch die "Hall of Fame"-Liste von Capitol FM dominierte er damit zum achten Mal (wie übrigens auch die norwegischen Charts).

Neues Jahr, neue unerwartete Treats für die Fans: Beim NetAid-Charity-Konzert im Oktober 1999 spielte George sogar eine Interpretation von "Brother, Can You Spare A Dime", einem uralten Stück aus der Feder von Yip Harburg und Jay Gorney. Besagter Klassiker aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise durfte wenig später, im Dezember, natürlich auch auf seinem Coversong-Album "Songs From The Last Century" nicht fehlen: George hatte für dieses Album nur seine absoluten Lieblingssongs ausgewählt und neu interpretiert, unter anderem "Roxanne" von Sting und "Miss Sarajevo" von Passengers (U2 + Eno), die beide als Singles ausgekoppelt wurden (wieder einmal mitsamt Videos, in denen George nicht zu sehen war), sowie die Klassiker "Secret Love", "You've Changed" und eine radikale Neuinterpretation von "Wild Is The Wind", den zuvor unter anderem Johnny Mathis, Nina Simone und David Bowie eingesungen hatten. Obwohl es kaum Marketingmaßnahmen dazu gab, ging auch dieses Cover-Album in die deutschen Top-10 und wurde in UK mit zweifachem Platin ausgezeichnet.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends drosselte George Michael das Tempo zunächst ein wenig; trotzdem trat er im Jahr 2000 unter anderem beim Wohltätigkeitskonzert "Equality Rocks" im Washingtoner RFK-Stadion auf (dem bis dahin größten Konzert, das veranstaltet wurde, um das Bewusstsein für die LGBT-Gruppen zu stärken) und auch bei Luciano Pavarottis "Pavarotti And Friends"-Event in Modena, wo George eine unvergleichliche Performance von "Brother, Can You Spare A Dime" präsentierte – so unvergleichlich, dass einige italienische Zeitungen hinterher sogar schrieben, George hätte den ganzen Abend damit gerettet. Und tatsächlich gehörte jener Auftritt in Modena zusammen mit seiner Darbietung von "Somebody To Love" beim Freddie Mercury Tribute-Konzert zu den absoluten Live-Meilensteinen seiner Karriere. Eine Aufnahme davon sollte schließlich auf dem "Pavarotti And Friends For Cambodia And Tibet"-Album veröffentlicht werden, und die beiden sangen außerdem auch "Don't Let The Sun Go Down On Me" noch einmal gemeinsam ein. Auch in Sachen Studioaufnahmen hielt er die Füße dann doch nicht gänzlich still: Er ging gemeinsam mit Whitney Houston ins Studio, um ihren Song "If I Told You That" noch einmal neu aufzunehmen.

2001 war's dann wirklich ruhiger um ihn, doch im Jahr 2002 unterzeichnete George seinen neuen Vertrag mit Polydor Records. Wenig später landete er auch schon auf dem ersten Platz in Kroatien, Dänemark, Italien, Portugal und Spanien, und kehrte obendrein in die britischen Top-10 zurück – mit der Überdosis Funk von "Freeek!", seiner ersten selbstgeschriebenen Single seit "Outside" aus dem Jahr 1998. Das von Joseph Kahn realisierte Video dazu vereinte Science-Fiction-Elemente mit viel Sex-Appeal und war schon deshalb ein absoluter Hingucker, weil George hier als Geschäftsmann, Forscher, Cowboy und in Leder gekleideter Hundeabrichter zu sehen war! Ähnlich wild ging's weiter, unter anderem mit dem satirischen "Shoot The Dog", das um ein Sample von The Human League gestrickt war, während im animierten Videoclip Seitenhiebe in Richtung George Bush, Tony Blair und David Seaman abgefeuert wurden. Die Message dieses Songs war dabei keineswegs als Scherz gemeint, sondern ein sehr ernstes Anliegen für ihn: Obwohl manche darüber spotteten, war er zu jener Zeit einer der wenigen, die sich lautstark gegen den Irak-Krieg aussprachen. Und wie sich hinterher zeigen sollte, war das ja auch die einzig richtige Einstellung dazu.

Im Jahr 2003 arbeitete er fleißig an dem mit Spannung erwarteten "Patience"-Album; die einzige Unterbrechung war sein Beitrag für das Charity-Album "War Child" (und damit verbunden sein Auftritt bei "Top Of The Pops"), für das er eine düstere Version von Don McLeans Antikriegslied "The Grave" aufnahm. Acht Jahre nach dem letzten Studioalbum mit eigenen Kompositionen – in der Musikwelt eine halbe Ewigkeit –, fragten sich inzwischen selbst seine eingeschworenen Fans, ob er mit dem nächsten Longplayer noch an die Meilensteine vergangener Tage würde anknüpfen können (obwohl er inzwischen wieder bei seinem einstigen Label, Sony, gelandet war). Doch derartige Bedenken entpuppten sich als vollkommen unnötig...

Schon die ausgelassene Single "Amazing" genügte, um selbst die letzten Zweifler davon zu überzeugen, dass etwas ganz Großes kommen sollte: So kam's dann auch, und "Patience" ging unter anderem postwendend in Deutschland, Großbritannien, Polen, Dänemark und Schweden auf den ersten Platz der Albumcharts. In den Staaten hatte er sich seit "Older" aus dem Geschäft verabschiedet, lud dann aber Oprah Winfrey und ihre Crew zu sich nach Hause ein, um ihnen dort "Amazing", "Father Figure" und "Faith" vorzuspielen – danach ging das Album sofort auf Platz 12 in den USA. Keine Frage: George war zurück. Mehr zurück ging eigentlich gar nicht

Im Juli 2005 teilte sich George mit Ex-Beatle Paul McCartney bei Live 8 die Bühne, wo sie eine unfassbare Version von "Drive My Car" zum Besten gaben. Wenig später erschien sein Duett mit Ray Charles, "Blame It On The Sun", auf dessen postum veröffentlichtem Album "Genius And Friends".

2006 begann mit "George Michael: A Different Story", einem unter der Regie von Southan Morris entstandenen Dokumentarfilm, an dem unter anderem Größen wie Boy George, Mariah Carey, Noel Gallagher, Elton John, Andrew Ridgeley und Sting mitgewirkt hatten. Der Film ließ wirklich keinen Aspekt seiner Karriere unbeleuchtet: Seine Kindheit, die Jahre mit Wham!, die "Faith"-Phase... bis hin zu einem Ausblick in die Zukunft. Es war ein durch und durch ehrliches Porträt, so ehrlich wie George es immer war – was manch einer womöglich sogar als "zu ehrlich" einstufen würde. Wie er das sah? Er fand den Film super!

Das "Patience"-Album hatte alles, nur eine Tour dazu hatte es nicht gegeben. Als dann sein Duett mit Tony Bennett, "How Do You Keep The Music From Playing?" von dessen "Duets: An American Classic"-Album, im Kasten war, war es wirklich höchste Zeit für die nächste große Tour, nachdem die "Cover To Cover"-Konzerte aus dem Jahr 1991 nun schon anderthalb Jahrzehnte zurücklagen. Nach dem Startschuss in Barcelona im September 2006 ging's bis zum Finale in Kopenhagen im August 2008 rund um die Welt: Die gefeierte "25 Live"-Tour führte durch 27 Länder – George spielte nach 17 Jahren seine ersten US-Gigs! –, und 2,5 Millionen Menschen strömten in die Arenen und Stadien, um seine einzigartige Show zu sehen. Die Tour, mit der George 25 Jahre im Musikgeschäft zelebrierte, umfasste auch die allerersten beiden Abende im renovierten Wembley-Stadion sowie ein sehr viel intimeres Charity-Konzert für britische Krankenschwestern, das im Roundhouse in Camden Town stattfand.

Noch während der Tour erschien das Compilation-Album "Twenty Five" mit drei brandneuen Songs, einer davon ein Duett mit Paul McCartney, der zusammen mit George "Heal The Pain" vom "Listen Without Prejudice Vol. 1"-Album neu aufgenommen hatte: Klarer Fall, dass so eine Aufnahme sofort auf Platz 1 der UK-Charts landen musste, aber auch im Rest der Welt waren Top-10-Platzierungen die Folge. Obendrein erschien das Album auch noch als DVD mit 40 Songs, und dann wurde George gleich noch eine seltene Ehre zuteil: Die "South Bank Show" widmete ihm und seinem Werk gleich noch eine Folge.

Als die ausgiebige Tournee dann vorbei war, machte er gleich im Anschluss mit diversen TV-Auftritten weiter, zunächst bei "The Catherine Tate Show" und "Ricky Gervais's Extras" in UK, darüber hinaus aber auch in den Staaten, wo er regelmäßig in der Sitcom "Eli Stone" auftrat, deren Episoden sogar allesamt nach Songs von ihm betitelt waren. Auch im Finale von "American Idol" 2008 war George dabei und legte eine spektakuläre Performance von "Praying For Time" hin. Kurz vor Jahresende gab's mit dem "December Song (I Dreamed Of Christmas)" auf der Website von George noch ein Geschenk für seine Fans, das er mit David Austin geschrieben hatte und das im Jahr drauf noch einmal kommerziell veröffentlicht werden sollte.

2009 kletterte die DVD "Live In London", die während der beiden Konzerte in der Earls Court Arena im Rahmen der "25 Live"-Tour gedreht worden war, auf Platz 1 der britischen DVD-Charts. Danach trat er in der Londoner O2-Arena an der Seite von Beyoncé auf, um mit ihr "If I Were A Boy" zu singen, und war zusammen mit Joe McElderry in der TV-Show "The X Factor" zu sehen, wo die beiden eine Duett-Version von "Don't Let The Sun Go Down On Me" zum Besten gaben.

Auch 2010 hatte eine ganze Reihe von Highlights; drei davon waren ganz klar die ausverkauften Shows in Perth, Sydney und Melbourne, schließlich war er davor zuletzt im Jahr 1988 im Rahmen der "Faith"-Tour in Australien aufgetreten.

Im Jahr danach war die Ausbeute sogar noch reichlicher: Im Januar erschien eine Neuauflage von "Faith", und zwei Monate später war er für die Wohltätigkeitsorganisation Comic Relief aktiv und danach beim Red Nose Day dabei. Comic Relief hatte er schon häufiger unterstützt, nachdem er den gesamten Erlös aus seiner mit Mary J. Blige aufgenommenen Single "As" gespendet hatte und in einem "Little Britain"-Sketch an der Seite von Matt Lucas und David Walliams als Lou'n'Andy aufgetreten war. 2011 drehte er daraufhin nicht nur einen neuen Sketch mit James Corden ("Gavin & Stacey"), sondern lieferte mit einer Neuinterpretation von New Orders "True Faith" auch noch die offizielle Comic-Relief-Single des Jahres. Der Begriff Neuinterpretation trifft es in diesem Fall wirklich, weil er nicht bloß eine Coverversion von "True Faith" aufnahm, sondern den Song in eine massive Ballade verwandelte, die daraufhin Unmengen von Geld in die Kassen der Organisation spülen sollte.

Vor Kreativität geradezu übersprudelnd, eröffnete George seine letzte Tournee, "Symphonica: The Orchestral Tour", am 22. August 2011 in der Prager Staatsoper. Mit Orchesterunterstützung präsentierte er dieses Mal eine Mischung aus Eigenkompositionen und Coversongs, und die Konzerte in ganz Europa, unter anderem in der Royal Albert Hall, wurden von Fans und Kritikern gleichermaßen in den höchsten Tönen gelobt. Am 6. November des Jahres spielte er eine ganz besondere "Symphonica"-Show im Londoner Royal Opera House, deren Erlös dem kurz zuvor unter dem Dach der Elton John AIDS Foundation gegründeten Elizabeth Taylor Memorial Fund zugute kam – ein Konzert, das sich auch Elton John, Kylie Minogue, Rupert Everett, David Walliams, Lara Stone und etliche andere Celebrities nicht entgehen ließen. Hinterher waren es £987.000, die an diesem einen Abend für die Charity-Organisation zusammenkamen.

Noch im selben Monat sollte George in der Wiener Stadthalle auftreten, musste jedoch wenige Stunden vor Beginn der Show ins Krankenhaus, weil er an einer schweren Lungenentzündung erkrankt war. Auf Anraten der Ärzte wurden die nachfolgenden Konzerte abgesagt, doch George versprach, alle verbleibenden Europakonzerte nachzuholen. Ein Versprechen, das er neun Monate später einlösen sollte.


Bevor er jedoch die "Symphonica"-Tour fortsetzte, veröffentlichte George mit "White Light" eine brandneue Single, um damit das 30-jährige Jubiläum der ersten Wham!-Single "Wham Rap! (Enjoy What You Do)" zu zelebrieren. Als er dann im August 2012 bei der Abschlussfeier der Sommerolympiade in London auftrat, präsentierte er neben "Freedom! '90" auch diesen neuen Song und begeisterte das Publikum.   

Auch die Nachholtermine der "Symphonica"-Tour sorgten im Jahr 2012 durchweg für Furore, nicht zuletzt am 9. September in Paris, wo George als erster zeitgenössischer Popstar überhaupt in der Opéra Garnier auftreten durfte. Besagter Abend fand ebenfalls im Zeichen einer Wohltätigkeitsorganisation statt, denn die Einnahmen kamen Sidaction zugute, der größten AIDS-Charity Frankreichs. Außerdem war ein Filmteam um David Austin und Caroline True in Paris mit dabei, um die "Symphonica"-Show in diesem einzigartigen Rahmen zu filmen; die Aufnahmen werden im Frühjahr 2014 erstmals zu sehen sein.

Seit dem krönenden Abschluss der "Symphonica"-Tour im Oktober 2012 in London, hat sich George auf das konzentriert, was er am besten kann: neue Songs schreiben, aufnehmen und produzieren. Am 14. März 2014 meldet er sich daher nun mit "Symphonica" zurück, seinem neuen Album, das während der gleichnamigen Tour entstanden ist. Produziert wurde das neue Album von George und dem legendären Phil Ramone, der im März 2013 im Alter von 79 Jahren gestorben ist. Der 14-fache Grammy-Gewinner Ramone, der in seiner über 50-jährigen Karriere mit Hunderten von Künstlern gearbeitet hat (unter anderem Bob Dylan, Frank Sinatra, Ray Charles, Billy Joel, Paul McCartney, Aretha Franklin, Barbra Streisand und Karen Carpenter), hatte unter anderem auch das "Songs From The Last Century"-Album co-produziert. "Symphonica" ist Phil Ramones letzte Produktion.