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Biografie

10.09.2009

Gerald Clayton Biografie

Mit seinen gerade einmal 25 Jahren formuliert der Pianist Gerald Clayton ein Postulat, daß in der hundertjährigen Geschichte des Jazz nie leicht in die Tat umzusetzen war: “Tradition und Innovation können friedlich nebeneinander existieren.” In Musikarchiven und auf geduldigem Papier mag dies vielleicht zutreffen, aber wenn sich Gerald Clayton selbst an sein Klavier setzt, dann scheint diese Koexistenz von Tradition und Innovation alles andere als friedvoll zu sein, dafür aber umso spannender.

Für seine dynamische Spielweise wurde der junge Pianist, der in seiner kurzen Laufbahn schon einige Auszeichnungen gewann, in der Jazz Times und der Los Angeles Times bereits begeistert gepriesen. Auch die New York Times lobte seinen “Oscar-Peterson-ähnlichen Stil” und seine “immens respekteinflößende Präsenz”. Die Leser des amerikanischen Jazzmagazins Down Beat nahmen Clayton 2008 bei der jährlichen Reader’s Poll in die Liste der vielversprechenden pianistischen Talente auf, die man unbedingt im Auge behalten sollte. Darüber hinaus erregte Clayton auch als Komponist schon einige Aufmerksamkeit: zum Beispiel mit Werken, die er im Auftrag der New Yorker Jazz Gallery komponierte oder die vom BBC Orchestra in Großbritannien aufgeführt wurden. Von der National Foundation for the Advancement of the Arts (NFAA) wurde er mit einem Level 1 Award ausgezeichnet, von seiner Musikhochschule 2002 zum “Presidential Scholar in the Arts” gekürt und beim in der ganzen Welt renommierten Jazzpiano-Wettbewerb des Thelonious Monk Institute belegte er 2006 hinter dem Armenier Tigran Hamasyan den zweiten Platz.

Obwohl Gerald Clayton, der im Schoß einer hochmusikalischen Familie aufwuchs, schon in jungen Jahren sein pianistisches Talent offenbarte, war er keines der üblichen Wunderkinder, die schon früh ins Scheinwerferlicht gedrängt werden. Da sein Vater, der Jazzbassist und Bigband-Leader John Clayton, fünf Jahre lang eine Anstellung als erster Bassist beim Amsterdamer Philharmonischen Orchester innehatte, kam Gerald 1984 im niederländischen Utrecht zur Welt. Auch Geralds Saxophon spielender Onkel Jeff ist in der Jazzwelt kein Unbekannter. Nach Beendigung seines Engagements in Amsterdam ging John Clayton mit seiner Familie wieder in die USA zurück und ließ sich in Los Angeles nieder, wo er mit dem Schlagzeuger Jeff Hamilton das Clayton-Hamilton Jazz Orchestra gründete und zwischen 1999 und 2001 als künstlerischer Jazzdirektor für das Los Angeles Philharmonic Orchestra tätig war. Im Alter von sechs Jahren begann Gerald ein elfjähriges klassisches Klavierstudium bei Linda Buck und schrieb sich danach an University of Southern California in Los Angeles ein, um Jazz zu studieren. Abgerundet wurde die umfassende musikalische Ausbildung schließlich an der Manhattan School of Music, an der Gerald Clayton bei Shelly Berg, Billy Childs und Kenny Barron Piano und Komposition studierte.

In seiner noch jungen Karriere trat Clayton in den USA und vor internationalem Publikum bisher schon an der Seite von so etablierten Jazzgrößen wie Lewis Nash, Al Foster, Terrell Stafford und Clark Terry auf. In Duo-Piano-Konzerten war er außerdem schon mit Koryphäen wie Hank Jones, Benny Green, Kenny Barron, Mulgrew Miller und Tamir Hendelman zu hören. Doch auch mit Innovatoren der jüngeren Generation - wie etwa Trompeter Ambrose Akinmusire, Saxophonist Dayna Stephens oder Schlagzeuger Kendrick Scott  - spielt der 25jährige Pianist oft zusammen. Zwischen 2006 bis 2008 tourte Gerald Clayton ausgiebig mit dem Trompeter Roy Hargrove - sowohl als Mitglied seines Quintetts und seiner Bigband als auch mit der NuSoul/Funk/Jazz-Band RH Factor. Momentan ist er zudem Mitglied des Clayton Brothers Quintet. In seiner Diskographie weist der Pianist mittlerweile Einspielungen mit den Clayton Brothers (“Back In The Swing Of Things”/2005 und “Brother To Brother”/2008), Diana Krall (“Christmas Songs”/2005 und “From This Moment On”/2006), Roberta Gambarini (“Easy To Love”/2006 und “So In Love”/2009), Michael Bublé (“Call Me Irresponsible”/2007), Roy Hargrove (“Earfood”/2008 und “Emergence”/2009) und Newcomer Melissa Morgan (“Until I Met You”/2009) auf.

Doch seine eigenen musikalischen Ideen kann der Pianist natürlich am besten mit seinem New Yorker Trio verwirklichen. Im Zusammenspiel mit dem Bassisten Joe Sanders und dem Schlagzeuger Justin Brown versucht er hier die eingangs erwähnte Balance zwischen Tradition und Innovation zu finden. Bei einer Tournee durch Europa und die USA feierten Kritiker das Trio dafür, daß es ihm gelang, seine “dekonstruktivistische Ästethik” mit einem “ausgeprägten Swing-Faktor” unter einen Hut zu bringen. Im Anschluß an die Tournee ging Clayton mit Sanders und Brown ins Studio, um für EmArcy sein Debütalbum “Two-Shade” aufzunehmen. Darauf präsentiert der junge Pianist neben zehn profilierten eigenen Kompositionen auch Bearbeitungen von zwei Jazzstandards: von Cole Porters Klassiker “All Of You” und Dizzy Gillespies “Con Alma”.

“Ich habe von klein auf eine Menge unterschiedliche musikalische Stile gehört”, erklärt Gerald Clayton seine künstlerische Offenheit. “Auch heute noch sauge ich die verschiedensten Einflüsse auf und versuche meine eigene Stimme zu finden, indem ich all diese Kräfte zu einem harmonischen Ganzen bündel. Ich bemühe mich, die verschiedenen Stile und Klänge, die ich mag, so miteinander zu vermischen, daß dabei eine ausgewogene, geschmackvolle musikalische Sprache herauskommt.”

Und “Two-Shades” ist ein erstes Indiz dafür, daß Gerald Clayton bereits auf dem besten Weg ist, dieses Ziel zu erreichen.