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02.03.2011

Stimmige Balance zwischen Modernismus und Traditionalismus - "Bond" vom Gerald Clayton Trio

In den USA gilt Gerald Clayton als “Leader einer neuen Generation von Jazzmusikern”. Nun möchte der Pianist mit seinem zweiten Album “Bond” und einigen Auftritten auch europäische Jazzfans überzeugen.

Gerald Clayton, Bond vom Gerald Clayton Trio - Zwischen Modernismus und Traditionalismus © Emra Islek

Gestatten: Bond. Nein, nicht James! Die Rede ist hier nicht vom britischen Supergeheimagenten 007, sondern vom zweiten Album des 27-jährigen Pianisten Gerald Clayton, der für viele Kritiker einer der Supergeheimtipps der amerikanischen Jazzszene ist. Der Titel “Bond” steht in diesem Fall für die engen musikalischen, aber auch persönlichen Bande, die Gerald Clayton mit seinen beiden Spielpartnern Joe Sanders (Bass) und Justin Brown (Schlagzeug) in den zurückliegenden rund vier Jahren geknüpft hat. Dass die Chemie zwischen den drei Akteuren ganz hervorragend ist, zeigte sich bei den Pariser Aufnahmesessions für das neue Album “Bond”: Denn noch in seinen freiesten Momenten klingt das Trio wie eine geschlossene Einheit.

“Die Vorbereitung auf diese Sessions war ein natürlicher Prozess”, erzählt Clayton. “Seit unserem letztem Aufnahmeprojekt [dem für einen Grammy nominierten Debütalbum ‘Two-Shade’] haben wir uns weiterentwickelt und künstlerische Fortschritte gemacht. Wir haben viel Zeit darauf verwendet, unsere musikalischen (und persönlichen) Bande noch mehr zu straffen. Wir haben uns mit eigenen Kompositionen, Jazzstandards und der Musik unserer Zeitgenossen auseinandergesetzt - und das Augenmerk dabei immer darauf gerichtet, musikalisch zu wachsen und im Ausdruck ehrlich zu sein.”

Das Ergebnis dieses Entwicklungsprozesses ist auf “Bond” dokumentiert. Und am besten kommt die immense Reife des jungen Trios vielleicht bei der Interpretation der drei Standards zum Vorschein, die Clayton unter seine eigenen Kompositionen und die seiner Trio-Partner mischte: Frank Loessers “If I Were A Bell” sowie Jerome Kerns “Nobody Else But Me” und “All The Things You Are”. Das Trio erlaubt sich hier zeitgemäße harmonische und rhythmische Freiheiten, ist aber auch - ganz im Sinne der Jazztradition - sehr lyrisch und swingend. So entstehen sehr moderne und aufregend abstrakte Momentaufnahmen dieser Standards. Viel Geschmack, Experimentierfreudigkeit und Sinn für die richtige Balance zwischen Modernismus und Traditionalismus beweist das Trio aber auch in den selbst komponierten zwölf Titeln des Albums.

Von den Qualitäten des erfrischenden Trios kann man sich in Kürze auch live überzeugen: Denn im Mai werden Gerald Clayton, Joe Sanders und Justin Brown für einige Konzerte nach Europa kommen. Fest stehen bisher Auftritte in Köln (am 15.05. Im Alten Pfandhaus) und Wien (am 25.05. im Porgy & Bess). Den Pianisten kann man vorher aber auch schon mit seinem Vater John (Bass) und Onkel Jeff (Altsaxophon) im Clayton Brothers Quintet auf deutschen Bühnen erleben: am 19. April gastieren sie in der Münchener Unterfahrt und am 30. April im Hamburger Birdland.


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