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21.02.2007

Vielfalt als Prinzip

Gidon Kremer, Vielfalt als Prinzip

Am 27. Februar feiert Gidon Kremer seinen 60.Geburtstag. Längst einer der wichtigsten Geiger der musikalischen Gegenwart, hat er sich aus diesem Anlass die Zeit genommen, seine eigenen Aufnahmen zusammen mit den Spezialisten der Deutschen Grammophon zu sichten und aus der Fülle der Höhepunkt noch einmal ein paar außergewöhnliche Momente auszuwählen, auf die er besonders stolz ist. Sie haben eine Doppel-CD mit dem Titel "The Many Music Of Gidon Kremer" ergeben, die nun als akustisches Schmuckstück für jede anspruchsvolle Musiksammlung erschienen ist.

Die Kunst von Gidon Kremer ist einer der seltenen Glücksfälle, in denen eine außergewöhnliche Begabung, frühzeitige Förderung, erstklassige Ausbildung und individuelle Offenheit sich idealtypisch verbinden. Sein Großvater Karl Brückner war Geiger und lehrte am Konservatorium, sein Vater war ebenfalls Musikpädagoge und Violinsolist. Im Alter von vier Jahren erhielt der Knabe ersten häuslichen Unterricht. Er erwies sich als talentiert und wurde er 1954 zu Voldemar Sturesteps an das Konservatorium von Riga zur Ausbildung geschickt. Ab 1966 wiederum erhielt er an in der Meisterklasse von David Oistrach am Moskauer Konservatorium die höheren Weihen der Interpretationskunst. Von da an machte sich Kremer zunächst durch seine Auftritte bei verschiedenen Wettbewerben einen Namen. 1967 war er Preisträger beim "Concours Reine Elisabeth" in Brüssel. Zwei Jahre später gewann er den Paganini-Wettbewerbs in Genua, 1970 wiederum den Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Sein erstes Konzert in der damaligen Bundesrepublik Deutschland gab er anno 1975. Im folgenden Jahr debütierte er bei den Salzburger Festspielen und Kremers internationale Karriere kam in Gang. Er konzertierte 1977 zum ersten Mal in New York und bekam wenige Monate später einen Plattenvertrag mit der Deutschen Grammophon angeboten. Bald fanden sich zahlreiche namhafte musikalische Zeitgenossen wie Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Nikolaus Harnoncourt oder auch Claudio Abbado ein, um Kremer als Solisten zu ihren Konzerten einzuladen.
 
Im Jahr 1980 schließlich verlegte er seinen Wohnsitz nach Deutschland und avanciert angesichts seines umfassenden musikalischen Interesses zu einem der führenden Spezialisten für zeitgenössische Einspielungen und Uraufführungen. Ohne ihn hätten sich Komponisten wie Alfred Schnittke, Arvo Pärt, Hans Werner Henze oder Sofia Gubajdulina andere Protagonisten für die Premieren ihrer neuen Werke suchen müssen. Ohne ihn hätten auch die Festwochen für Kammermusik in Lockenhaus, die er gründete und von 1981 an leitete, oder das Festival in Gstaad, dessen Programmplanung ihm 1997 Yehudi Menuhin übertrug, einen anderen Charakter bekommen. Und ohne ihn wären zahlreiche wunderbare musikalische Momente, die er an der Seite von großen Partner und Partnerinnen wie Valery Afanassiev oder Martha Argerich gestaltete, nie zustande gekommen. Heute ist Gidon Kremer zum einen eine der unangefochtenen Autoritäten seines Instruments und schafft es darüber hinaus, immer wieder durch neue künstlerische Wege zu überraschen, die wie seine Begeisterung für das Werk des Argentiniers Astor Piazzolla das Konzertleben um ungewohnte Farben bereichern. "Für mich bedeutet Musik vor allem, Gefühle zu teilen", meint er selbst und ergänzt: "Ich verstehe mich als Helfer der Komponisten und als Botschafter für das Publikum".
 
Als solcher schuf er sich vor genau einem Jahrzehnt zum 50. Geburtstag ein eigenes Ensemble, das ihm zum einen die Möglichkeit bot, junge Talente zu fördern, auf der anderen Seite aber auch einen Klangkörper an die Hand gab, mit dem er seinen vielseitigen musikalischen Interessen noch intensiver folgen konnte. Kremer gründete ein Streichorchester namens Kremerata Baltica, das sich aus jungen Musikerin aus dem Balitikum zusammensetzt und von da an zu seinem bevorzugten Ensemble entwickelte, mit dem er zahlreichen Tourneen in aller Welt spielte. Es gehört daher neben den Wiener Philharmonikern, dem Chamber Orchestra of Europe oder der Deutschen Kammerphilharmonie auch zu den Orchestern, die der Geiger für die Zusammenstellung ausgesucht hat, die unter dem Titel "The Many Musics Of Gidon Kremer" einige besonders prägnante Höhepunkte der vergangenen drei Musikjahrzehnte präsentieren: "Dieses 2-CD-Set sehe ich ale eine Art Dokumentation der Beziehung zwischen der Deutschen Grammophon und mir - eine Beziehung, die trotz aller Höhen und Tiefen ein Meilenstein in meinem musikalischen Werdegang geworden ist", kommentiert Gidon Kremer die Auswahl der Stücke, die er selbst mit bestimmt hat.
 
Dazu gehören Klassiker des Repertoires wie Johannes Brahms "Konzert für Violine und Orchester op. 77" mit den Wienern unter Leonard Bernstein, Beethovens "Violinsonate op. 30, Nr.2" im Gespann mit der Pianistin Martha Argerich oder auch das "Andante Cantabile" aus der "Violinsonate op. 18" von Richard Strauss gemeinsam mit Oleg Maisenberg am Klavier. Darüber hinaus aber hat er auch Kompositionen von Philip Glass und Alfred Schnittke, von Arthur Lourié und Leonid Desyatnikov aufgenommen, ebenso einen Mitschnitt aus Lockenhaus mit zwei Tango-Werken von Astor Piazzolla. Damit wird "The Many Musics Of Gidon Kremer" mit großem Stilpanoptikum seinem Titel gerecht und präsentiert die Vielfalt eines grandiosen Interpreten, der längst zur Referenz der zeitgenössischen Geigenkunst geworden ist.

Am 13. März 2007 werden von der Deutschen Grammophon 14 Aufnahmen mit Gidon Kremer digital wiederveröffentlicht. Weitere Informationen erhalten Sie dann natürlich wieder von KlassikAkzente. 


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