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Götz Alsmann BACKSTAGE EXCLUSIV

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21.04.2009

Biografie: April 2009

Götz Alsmann
"Engel oder Teufel"

Was für ein Entertainer! Ganz gleich, welche Bühne, welches Medium Götz Alsmann wählt, der Publikumserfolg ist und bleibt ihm hold. Das dürfte sich auch mit dem neuen Blue-Note-Album "Engel oder Teufel" kaum ändern. Der Sänger, Musiker, Moderator und Schauspieler, der mit seinem letzten Studioalbum "Mein Geheimnis" als erster deutscher Künstler bei Blue Note reüssierte, bietet hier einmal mehr Jazzschlager par excellence: wunderbar pointiert, elegant arrangiert, mitunter hoffnungslos romantisch und selbstredend so ambivalent wie der Albumtitel verspricht. Dabei hat dieser Traditionalist mit Herz die meisten Lieder für sein neues Album wieder in jenem Geist komponiert, der galant auf eine Goldene Ära des Schlagers verweist, die er so selbstverständlich wieder aufleben lässt wie kein anderer. Alsmann versteht es eben nicht nur, als belesener Gralshüter vergessener Schätze alten Perlen deutschen Liedguts neuen Glanz zu verleihen, er erweitert mit seinen eigenen Liedern fortlaufend das weite Spektrum des von ihm selbst definierten Jazzschlagers mit großer Liebe für die Sprache, mit treffenden Pointen und mit einer warmherzigen Produktion voller erfrischendem stilistischen Reichtum: Von Ragtime und Dixieland über Bossa Nova und andere Spielarten der Latin Music bis zu Chanson und Swing wird kaum etwas ausgespart.

Was auch immer Götz Alsmann musikalisch anpackt, stets spiegelt sich in seinen Liedern auch der stilvoll gekleidete Charmeur wider, ein Gentleman, der stets den rechten Ton trifft und dem nicht selten der Schalk im Nacken sitzt. Seine Kompositionen sind geprägt von feinsinnigem Humor und mit den drei Freunden "Rhythmus, Text und Melodie", die der mehrfache Jazz-Award-Träger diesmal so trefflich besingt, geht er einmal mehr durch dick und dünn. Mit Titeln wie "Ich sing für Gertrud", "Die Liebespolizei" und "Wie lautet Ihr Name?" hat Alsmann einmal mehr ein paar furiose Musterbeispiele humorvollen Schlagers geschrieben und präsentiert diese mit akribischer Liebe fürs Detail. Ein paar originelle Coverversionen hat dieses wandelnde Musiklexikon natürlich auch wieder ins aktuelle Albumprogramm gestreut: Das Traditional "Geisterreiter" ("Ghost Riders In The Sky") inszeniert er kokett im Duett mit Bela B., bei dessen Band Die Ärzte er vor zehn Jahren gastierte. Und wenn Götz A. und Bela B. im Duett singen, dann wirkt das durchaus wie ein musikalischer Große-Jungen-Streich. Der Surf-Klassiker "Misirlou" verwandelt sich unter den Händen des Pianisten und seiner prächtig aufgelegten Band (alle Lieder wurden live im Studio eingespielt!) zur erlesenen Suite inklusive Referenzen an das griechische Original und die legendären Exotica-Versionen. Schelllackschätzchen wie "Eine unter Millionen" (aus dem 50er-Jahre-Filmlustspiel "Hallo Fräulein") und Fritz Wunderlichs "Glückswalzer" hat er für "Engel oder Teufel" ebenfalls wieder frisch aufpoliert.

Auffallend ist auch die Vielzahl tief romantischer Lieder unter den insgesamt 16 Stücken. Eine stilvolle Liebeserklärung wie "Mein Hauptgewinn" mit wunderbarem Vibraphon-Solo zählt ebenso dazu wie "Hätt ich nur Dich", die von Götz Alsmann einfühlsam ins Deutsche übertragene Version des Blue-Eyed-Soul-Klassikers "If I Had You", den Frank Sinatra sogar viermal aufgenommen hatte. Auch "Große Momente", eine beschwingte Hymne an die Lebensfreude, darf man durchaus als einen kleinen Geniestreich eines ewigen Romantikers verstehen, der auch Mut zum Kitsch beweist. So liefert das Gesangsquintett Cologne Voices zu dem Calypso "Meine Süße" bonbonfarbene Caprifischer-Romantik, wie sie nostalgischer kaum sein könnte. Das chansonhafte "Sing Nachtigall sing" hingegen, ein Lied der Komponistenlegende Michael Jary, zu dessen 100. Geburtstag Götz Alsmann vor einigen Jahren eine Revue schrieb und leitete, intoniert er nahezu ehrfurchtsvoll, was für den großen Respekt spricht, den der Musiker aus Münster anderen Künstlern entgegenbringt.

Aufgenommen haben Götz Alsmann und seine Band das Album innerhalb von zwölf Tagen. Neben der Stammbesetzung Götz Alsmann (Gesang, Klavier), Altfrid Maria Sicking (Vibraphon/Xylophon/Trompete), Michael Ottomar Müller (Bass), Markus Paßlick (Percussion) und Rudi Marhold (Schlagzeug) setzen einige befreundete Jazzmusiker weitere Akzente. Neben dem Duett mit Bela B. gibt sich einmal mehr auch Max Alsmann, der 18-jährige Sohn, die Ehre und spielt auf einem Stück Drehleier. Die Cologne Voices sorgen für den stets adäquaten stimmlichen Background und, last but not least, adelt Jazzlegende Toots Thielemans mit fast 87 Jahren das Album mit seiner Mundharmonika. Auf der Tournee zu "Engel oder Teufel", deren umjubelte Premiere in der Kölner Philharmonie bereits stattgefunden hat, sind die fünf Musiker wieder auf sich allein gestellt. Aber bei einem Bandleader, der auch ein glänzender Conferencier, ein wortreicher Unterhaltungskünstler ist, stellt dies kaum ein Problem dar. Wenn die Götz Alsmann Band, die in diesem Jahr ihr 20-jähriges Jubiläum feiert, in den nächsten zwei Jahren mit dem Album "Engel oder Teufel" auf Tournee geht, wird sie die Lieder "übergestreift haben wie eine zweite Haut, einen Maßanzug", wie ihr Bandleader verspricht.

Prof. Bop, wie sich Götz Alsmann als Radio-DJ einst nannte, bleibt ein Entertainer der Extraklasse, ein Hans Dampf in allen Gassen, wie man ihn nicht besser erfinden könnte. Mag er als Musiker nach sieben erfolgreichen Alben von so ziemlich alles erreicht haben, was man im Bereich des Jazz hierzulande erreichen kann (Echo, Goldene Stimmgabel und mehrere Jazz-Awards sprechen für sich), einen noch größeren Bekanntheitsgrad genießt Götz Alsmann als Fernsehmoderator. Seit 1986 bereits im Fernsehen tätig, hatte er sich durch Sendungen wie "Roxy" und die "Gong Show" einen Namen gemacht, bevor er 1996 mit der WDR-Show "Zimmer frei", die er gemeinsam mit Christine Westermann moderiert und die im Jahr 2000 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, den großen Wurf landete. Zudem moderiert er seit 2005 die Klassik-Show "Eine kleine Nachtmusik" im ZDF. Selbst auf die Theaterbühne für Schauspiel und Operette und als Darsteller in Fernsehfilmen hat er seinen künstlerischen Radius erweitert.

Als Freund des gepflegten Ausdrucks ist er mittlerweile einem Millionenpublikum bekannt. Sein oft spitzbübischer, von feiner Selbstironie geprägter Tonfall, sein Stilbewusstsein (Krawattenmann des Jahres 2004) und sein spontaner Witz prädestinieren ihn auch zum glänzenden Conferencier, was er bei unterschiedlichsten Gelegenheiten wie der Moderation zum Deutschen Filmpreis, zur Grimme-Preis-Verleihung oder zum Augsburger-Puppenkiste-Jubiläum immer wieder demonstriert hat. Mit seiner prägnanten Stimme moderiert der profunde Musikkenner seit Jahr und Tag Radiosendungen (derzeit "Go Götz Go" auf WDR 4). In jüngster Zeit hat er als Sprecher von Hörbüchern humorigen Literaturklassikern wie "Max und Moritz", "Die Feuerzangenbowle" und "Drei Mann in einem Boot" seinen Stempel aufgedrückt, auch Sherlock Holmes ("Der Hund von Baskerville") hat er frische Verve verliehen. Was immer Götz Alsmann auch anpackt - und sei es nur seine geliebte Ukulele - stets geht er mit Leidenschaft und missionarischem Eifer ans Werk. Er bringt uns dazu, mit den Engeln zu lachen. Kurzum, er ist ein Teufelskerl.

April 2009


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